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19.04.2017

09:51 Uhr

Türkischer Aktienmarkt

Wie ein mysteriöser Händler die Börse steuert

An der Börse in Istanbul treibt sich ein Phantom rum. Vor Ort wird der mysteriöse Händler einfach nur „Der Kerl“ genannt. Er bewegt so viel Geld, dass er die Richtung des türkischen Aktienmarkts beeinflussen kann.

Ein Hochfrequenzhändler sorgt an der Börse Istanbul für positive Stimmung. Reuters

Börse Istanbul

Ein Hochfrequenzhändler sorgt an der Börse Istanbul für positive Stimmung.

IstanbulDie Börse in Istanbul erfreut sich der Aufmerksamkeit eines mysteriösen Händlers, der vor Ort einfach nur als „Der Kerl“ bekannt ist. „"Der Kerl" kauft von unserem Markt. Warum sollten wir uns darüber Sorgen machen? Er tut gute Dinge“, sagte Himmet Karadag, CEO und Chairman von Borsa Istanbul AS, in einem Interview. Der Händler erlangte erstmals Anfang 2016 Bekanntheit. Damals bemerkten einheimische Marktteilnehmer eine Serie massiver Wetten, die die Richtung des türkischen Aktienmarktes steuerten.

Am Montag vergangener Woche beispielsweise standen Kaufaufträge über einen einzelnen Broker, der von dem unbekannten Investor bevorzugt wird, hinter fast der Hälfte des Gesamtvolumens am Markt. Das zeigen Daten der Istanbuler Börse. Der türkische Leitindex zeigte an dem Tag jener die beste Entwicklung der Welt, er kletterte um mehr als drei Prozent. Karadag zufolge hat die Börse Istanbul die Ursprünge der Wetten unter die Lupe genommen. Ein Manipulationsversuch sei dabei nicht festgestellt worden. „,Der Kerl‘ trifft vernünftige und profitable Investmententscheidungen“, erklärte der CEO.

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Karadag führt die Handelsgeschäfte aus dem vergangenen Jahr, die mit dem „Kerl“ in Verbindung gebracht wurden, auf einen ausländischen Fonds zurück, dessen Namen er nicht nennen will. „Wir kennen die Investoren des Fonds nicht. Und wir wissen auch nicht, ob es dieses Jahr wieder derselbe ist“, sagte er. Der Händler nutzt Hochfrequenz- und algorithmische Handelsstrategien, die auf den 186 Mrd. Dollar schweren Aktienmärkten des Landes künftig wohl häufiger vorkommen werden, meint Karadag. Derzeit würden sie hinter 18 Prozent der Aktivitäten an der Börse Istanbul stehen.

Der Istanbuler Broker Yatirim Finansman – bei dem allgemein davon ausgegangen wird, dass er die Geschäfte von „Der Kerl“ ausführt – stach hervor, weil er die größten Geschäfte an vielen der volatilsten Handelstage handhabte. Auch am Montag der vergangenen Woche war der Broker ein Netto-Käufer von 208 Millionen Lira (53 Millionen Euro) an türkischen Aktien, als der Leitindex des Landes den Rest der Welt in den Schatten gestellt hatte. An dem Tag überstieg das Kaufvolumen jenes des zweitaktivsten Brokers des Tages um fast das Dreifache.

Die Bewegungen am Montag der vergangenen Woche sind für Karadag ein Anzeichen dafür, dass der Markt auf ein „Ja“-Votum bei dem am Sonntag stattgefundenen Türkei-Votum gesetzt hatte. Bei diesem haben die Bürger des Landes mit knapper Mehrheit dafür gestimmt, dass ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan künftigt über deutlich mehr Macht verfügen wird. „‘Der Kerl‘ hatte das alles vielleicht schon früher ausgeknobelt und mit den Käufen begonnen“, sagte Karadag. Erdogan hatte am Wochenende die Abstimmung zur Einführung eines Präsidialsystems knapp gewonnen.

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