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18.06.2014

10:20 Uhr

TV-Kritik „Der Banker“

„Das Eis an der schwächsten Stelle angeknackst“

VonBastian Benrath

Er verdiente Millionen an einem Tag, jetzt bricht er als erster das Schweigen: Investmentbanker Rainer Voss spricht schonungslos über Banken aus der Innensicht. Gerade für die Euro-Krise verheißt der Film nichts Gutes.

Investmentbanker Rainer Voss spricht in dem Film „Der Banker“ schonungslos über den Eigenhandel der Banken und gibt einen Ausblick auf die Euro-Krise. Pressebild, Arte

Investmentbanker Rainer Voss spricht in dem Film „Der Banker“ schonungslos über den Eigenhandel der Banken und gibt einen Ausblick auf die Euro-Krise.

Düsseldorf„Da entscheiden Menschen“, sagt Rainer Voss. „Und wenn man denen sagt, hört auf, dann hören die auf.“ Gleichsam einer These sagt diesen Satz ein Insider am Schluss dieses Films. Rainer Voss war Trader bei mehreren Investmentbanken, hat von seinem Platz auf dem Trading Floor aus Millionen verdient. Nun ist er einer der ersten der Branche, der redet.

Und Regisseur Marc Bauder lässt ihn reden: Eineinhalb Stunden dreht sich der Arte-Film, der am Dienstagabend erstmals im TV ausgestrahlt wurde, nur um ihn. Er wird interviewt in einem leerstehenden Bankgebäude in Frankfurt, nur durchsetzt von eindrucksvoll sprechenden Bildern. Voss redet pragmatisch und schonungslos: einer, der es erlebt hat. Gerede von „dem Markt“ und „den Banken“ wischt er beiseite. Wenn die leitenden Banker es wollten, könnte die weltweite Spekulation gestoppt werden. Es klingt so einfach, so offensichtlich. Doch es hallt nach, dass das nicht passieren wird. Warum, davon erzählen die 90 Minuten Film.

Die besten Börsenfilme

Rang 1

Wall Street I

Hauptdarsteller: Charlie Sheen und Michael Douglas
Jahr: 1987
Der Klassiker der Börsenfilme, in dem der Wall-Street-Guru Gordon Gekko seinem Jünger beibringt, dass es immer „nur um die Kohle geht“. Ein Film der die Gier kritisiert - und ein bisschen vergöttert.

Rang 2

Wolf of Wall Street

Hauptdarsteller: Leonardo Di Caprio
Jahr: 2014
Aufstieg und Fall des Börsenmaklers Jordan Belfort. Mit krummen Börsengeschäften und Geldwäsche wird Belfort in den 1990er-Jahren zum Millionär. Er feiert eine einzige Orgie mit Parties, Sex und Drogen. Doch die Ermittler sind ihm auf der Spur. Basiert (weitgehend) auf wahren Begebenheiten. Regie führte Martin Scorsese.

Rang 3

High Speed Money

Hauptdarsteller: Ewan McGregor und Anna Friel
Jahr: 1999
Ein Film über die Pleite der Barings Bank und die Rolle, die die Börsengeschäfte des Nick Leeson dabei spielten. Basierend auf einer wahren Geschichte und dem Buch von Nick Leeson.

Rang 4

Margin Call – Der große Crash

Hauptdarsteller: Kevin Spacey und Paul Bettany
Jahr: 2011
Ein Mitarbeiter einer Großbank entdeckt eine Menge fauler Papiere bei seiner Bank. Damit die Bank nicht pleitegeht, müssen die „faulen Eier“ schnell das Nest verlassen - egal um welchen Preis.

Rang 5

American Psycho

Hauptdarsteller: Christian Bale und Justin Theroux
Jahr: 2000
Der Investmentbanker Patrick Bateman möchte zur Elite gehören. Nichts ist ihm wichtiger als materieller Reichtum. Doch er hat ein Problem: In seinen Depressionen tötet er wahllos Obdachlose und Prostituierte - denkt er.

Rang 6

Die Glücksritter

Hauptdarsteller: Dan Aykroyd und Eddie Murphy
Jahr: 1983
Die steinreichen und exzentrischen Gebrüder Duke, beides Warentermin-Börsenmakler, schließen eine Wette ab und wollen sehen, ob Erfolg angeboren ist. Dazu tauschen sie ihren Vorstandsvorsitzenden gegen einen Bettler ein. Doch der Bettler hat auch ein Wörtchen mitzureden.

Rang 7

Inside Job

Hauptdarsteller: Matt Damon (Erzähler im engl. Original)
Jahr: 2010
Ein Dokumentarfilm über die Finanzkrise 2007. Der Film bekam 2011 einen Oskar für den besten Dokumentarfilm. Der Name des Films verrät dabei schon, worum es geht: Inside Job ist die englische Bezeichnung für den Fall, wenn ein Insider seinem Unternehmen schadet.

Rang 8

Das Geld anderer Leute

Hauptdarsteller: Danny DeVito und Gregory Peck
Jahr: 1991
Eine Filmkomödie, in der der „Liquidator“ Konkurrenten aufkauft und ausschlachtet. Doch an einem Fall hat er besonders zu knabbern, denn er verliebt sich in die feindliche Anwältin. Schlüsselszene ist die Aktionärsversammlung der Firma, die übernommen werden soll.

Rang 9

Let’s make Money

Regie: Erwin Wagenhofer
Jahr: 2008
Dokumentarfilm über das System der Finanzwirtschaft - und wie man sein Geld für sich arbeiten lassen kann.

Rang 10

Enron – The smartest guys in the room

Hauptdarsteller: Peter Coyote (Erzähler)
Jahr: 2005
Ein Dokumentarfilm über eine der größten Firmenpleiten der USA. Eine Geschichte über Bilanzbetrug und geheime Machenschaften.

Rang 11

Wall Street 2

Hauptdarsteller: Michael Douglas und Shia LaBeouf
Jahr: 2010
Die Fortsetzung des Klassikers „Wall Street“. Gordon Gekko tritt wieder auf den Plan, nur etwas älter. Schließlich hat er die letzten 23 Jahre im Gefängnis verbracht.

Rang 12

Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum

Hauptdarsteller: Giovanni Ribisi und Vin Diesel
Jahr: 2000
Um bei seinem Vater Eindruck zu schinden, übernimmt Seth Davis eine Stelle aus Börsenmakler. Dort erfährt er, dass die hohen Gewinne der Firma mit illegalen Methoden erwirtschaftet werden.

Rang 13

Kapitalismus – eine Liebesgeschichte

Regie: Michael Moore
Jahr: 2009
Dokumentarfilm des USA-Kritikers Michael Moore. Ganz im Stile Moores wird hier kein Blatt vor den Mund genommen und die USA mit dem alten Rom verglichen: Brot und Spiele, damit das Volk ruhig bleibt und die Finanzmachenschaften der Elite nicht mitbekommt.

Rang 14

The Bank

Hauptdarsteller: David Wenham und Anthony LaPaglia
Jahr: 2001
Der Chef einer Bank wird auf einen Mathematiker aufmerksam, der mit Hilfe einer Software die Börsentrends vorhersagen kann. Die beiden schließen ein Bündnis der Gier, das nicht lange halten kann.

Freilich ist es nicht alltäglich, wie Bauder die Spielfilmlänge füllt. Kaum ein Regisseur hat es bisher geschafft, ein Interview so sparsam und gleichzeitig so aufregend zu inszenieren. Zu Recht ist „Der Banker“ deshalb für den Deutschen Filmpreis nominiert. Denn natürlich wird keine 90 Minuten am Stück gesprochen. Im Gegenteil, der Film legt ein gemäßigtes Tempo vor, lässt Thesen beim Zuschauer einsinken.

Die Pausen werden von Ansichten des leeren Bankenturms durchzogen, die nicht treffender die Themen illustrieren und die Zuschauer verstören könnten. Voss erzählt vom Hochfrequenzhandel: Die Kamera zeigt Bündel von Kabeln, die auf dem Trading Floor wie Stroh aus leeren Serverschränken quillen.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

18.06.2014, 10:36 Uhr

Der "schonungslose" Blick geschieht vom mit dem fragwürdig verdienten Geld vollgestopften Sofa.
Das hat die "Qualität" von wie ich das Geld verdient habe
finde ich zwar beschissen aber ich behalt es trotzdem.
Es erfordert weder Kraft noch Anstand das System von der goldgeränderten Seitenlinie zu kritisieren.
Wer einen moralischen Kritik äußern will steigt vorher aus und nicht erst wenn er reich und satt ist.
(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

18.06.2014, 11:06 Uhr

Toller Film ? Na klar, schön versteckt auf ARTE um 23:00 (während der Fußball WM). Aber Lidl vs. Aldi um 20:15 in der ARD ist natürlich viel interessanter (bzw. harmlos)

Account gelöscht!

18.06.2014, 11:34 Uhr

" Wenn die leitenden Banker es wollten, könnte die weltweite Spekulation gestoppt werden"

Er sagt es! Solange Vorstände derart hohe Boni erzielen können, werden sie Mitarbeiter finden können, denen sie erklären können, dass sie (diese Mitarbeiter) die "größten" sind und für eine kleine Chance für sie selbst (die Mitarbeiter) diese bereit sind zu tun.

Wer will es den Vorständen derartiges Handeln zu verdenken?

Agiert die Politik nicht genau so?

Hat die Politik nicht soeben die Vorstände der Versicherungen derart beschenkt, dass sie die Bewertungsreserven der Versicherten per Gesetz an die Versicherungen verschenkt haben, damit diese an die Vorstände die bekannten Boni finanzieren können. Liegt da nicht das Gegengeschäft der Versicherungen auf der Hand, dass sie Bundesanleihen mit nahezu Null-Konditionen für die Versichertenvermögen erwerben?

Bei der Auflösung aller inneren Werte unserer Gesellschaft, muss da nicht die Frage gestellt werden, wie es weiter gehen soll?

Es ist nicht die Frage der Banken, nicht die Frage nach deren Vorständen oder gar des dortigen Eigenhandels, sondern es muss eine grundsätzliche Debatte über unsere Wertegesellschaft geführt werden. Eine Debatte auch dahingehend geführt werden, ob es ethisch in Ordnung ist, wenn Abgeordnete die Altersversorgung der oder von Bürgern um 20 % zusammenstreichen und sich selbst gleichzeitig 10 % Diätenerhöhung gönnen?

Haben wir dann noch einen Staat, dem wir Rechtssicherheit unterstellen wollen?

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