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14.01.2014

16:59 Uhr

Übernahmen

Nasdaq und S&P wollen im Index-Geschäft zukaufen

Viele Börsenbetreiber leiden derzeit unter dem mauen Handel. Die steigenden Erträge aus dem Index-Geschäft sind daher hoch willkommen. Börsenbetreiber Nasdaq und Finanzkonzern S&P nehmen Übernahmen ins Visier.

Börsenbetreiber Nasdaq will das gut laufende Index-Geschäft ausnutzen. Reuters

Börsenbetreiber Nasdaq will das gut laufende Index-Geschäft ausnutzen.

New York/ FrankfurtDer US-Börsenbetreiber Nasdaq und der Finanzkonzern S&P Dow Jones Indices nehmen Übernahmen im boomenden Index-Geschäft ins Visier. „Das Index-Geschäft auszubauen steht auf unserer Prioritätenliste für 2014 ganz oben - sowohl organisch als auch durch Übernahmen“, sagte Nasdaq-Chef Robert Greifeld in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er halte ebenfalls Ausschau nach zum Verkauf stehenden Index-Geschäften, erklärte Alex Matturri, der Chef von S&P Dow Jones Indices. „Passive Produkte, die sich an der Entwicklung von Indizes orientieren, sind zuletzt gut gelaufen, weil sie weniger kosten und gute Erträge abwerfen.“

Investoren haben laut der Analysefirma Morningstar von Dezember 2008 bis Ende November 2013 mehr als 1,1 Billionen Dollar in Fonds und ETFs gepumpt, die auf Indizes basieren. In aktiv gemanagte Fonds und ETFs flossen im gleichen Zeitraum lediglich 785 Milliarden Dollar. Viele Börsenbetreiber haben ihr Angebot an Indizes in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut. Die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx vermarktet mittlerweile rund 12.000 Indizes, darunter den deutschen Leitindex Dax und den richtungweisenden europäischen Eurostoxx 50.

Die Börsenbetreiber erhalten von den Finanzinstituten, die Fonds oder ETFs auf einen ihrer Indizes auflegen, Lizenzgebühren. Zudem können sie die dazugehörigen Handelsdaten weiterverkaufen. Für viele Börsenbetreiber, die unter dem mauen Handel leiden, sind die steigenden Erträge aus dem Index-Geschäft hoch willkommen. Stoxx-Manager Konrad Sippel hat kürzlich in einem Interview angekündigt, das Produktangebot der Deutsche-Börse-Tochter in den USA auszubauen und dafür erstmals einen Manager in New York einzustellen.

Börsenfusionen

Nicht immer erfolgreich

Der Wettbewerb im Börsenhandel ist hart. Alternative Aktienhandelsplattformen, meist gegründet von Investmentbanken, machen den klassischen Börsen das Leben schwer. Die relativ hohen Kosten zwingen die etablierten Betreiber zu Zusammenschlüssen. Doch nicht alle Fusionspläne glücken.

Paris/Amsterdam

Die Aktien- und Derivatemärkte von Paris, Amsterdam und Brüssel schließen sich im Jahr 2000 zur europäischen Mehrländerbörse Euronext zusammen. Später kommen Lissabon und die Londoner Terminbörse Liffe hinzu.

New York/Amsterdam

Euronext und die New Yorker Stock Exchange (NYSE) fusionieren 2007 zur transatlantischen Mega-Börse.

New York/Frankfurt

Die Fusion der Börsen von Frankfurt und New York scheitert im Februar 2012 am Veto der EU-Wettbewerbshüter. Für Störfeuer sorgten zeitweise die Technologiebörse Nasdaq und die US-Rohstoffbörse Intercontinental-Exchange (ICE) mit einem rund elf Milliarden Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot für die NYSE/Euronext.

Singapur/Sydney

Die Börse Singapur (SGX) versuchte 2011, die australische Börse ASX zu schlucken. Dafür bot sie 8,4 Milliarden australische Dollar (damals 5,9 Mrd Euro). Der australische Finanzminister Wayne Swanch erklärte aber klar, das Angebot der Asiaten sei „nicht im nationalen Interesse“.

London/Frankfurt

Die Deutsche Börse versuchte mehrfach erfolglos, die London Stock Exchange (LSE) zu kaufen. Auch die Nasdaq bemühte sich mehr als einmal vergeblich um die Londoner.

London/Toronto

2011 mussten die LSE und die Börse Toronto (TMX) ihre Hochzeit abblasen. Eine Gruppe kanadischer Finanzfirmen war den Briten in die Parade gefahren und hatte ein eigenes Übernahmeangebot vorgelegt. Damit wollten die Kanadier verhindern, dass der wichtigste Finanzhandelsplatz des Landes in ausländische Hände fällt. Die größere Londoner LSE hätte in der Ehe die Übermacht gehabt.

Die Nasdaq und ihr Konkurrent S&P Dow Jones Indices wollen dagegen verstärkt auf Übernahmen setzen. Sie gehen davon aus, dass einige Finanzinstitute ihre Index-Sparten verkaufen, weil die Aufsichtsbehörden den Bereich nach dem Skandal um die Manipulation des Referenzzinssatzes Libor stärker kontrollieren wollen. „Wegen Libor sehen die Regulierer genauer hin, ob es einen Interessenkonflikt gibt, wenn Anbieter den Preis vorgeben und auch Produkte anbieten“, sagte Matturri, dessen Firma wie die Ratingagentur S&P zum US-Finanzkonzern McGraw Hill Financial gehört.

Finanzkreisen zufolge erwägen unter anderem die britische Bank Barclays und der US-Versicherer Northwestern Mutual Life, ihr Index-Geschäft zu verkaufen. Über einen solchen Schritt könnte aus Sicht von Experten auch die Bank of America nachdenken. Die US-Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Die Nasdaq, die wegen der Zurückhaltung der Investoren und steigender Konkurrenz durch alternative Handelsplattformen unter Druck steht, geht bei der Expansion in neue Geschäftsfelder aggressiver vor als viele Konkurrenten. Zuletzt hat das Unternehmen, das auf einem hohen Schuldenberg sitzt, unter anderem die Bond-Plattform eSpeed und das Public- und Investor-Relations-Geschäft von Thomson Reuters gekauft. Auch an der europäischen Mehrländerbörse Euronext hat Nasdaq-Chef Greifeld Interesse bekundet.

Von

rtr

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