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21.04.2015

10:40 Uhr

Ukraine und Eurobonds

Kiew geht das Geld aus

Die Ukraine muss sich mit ihren Gläubigern einigen. 32 Milliarden Dollar Fremdwährungsbonds müssen zurückgezahlt werden. Doch das kann das Land nicht. Denn die Devisenreserven betragen weniger als zehn Milliarden Dollar.

Es könnte eng werden für die Ukraine. Wenn sich das Land nicht bis Ende Mai mit seinen internationalen Geldgebern einigt, droht ein Zahlungsausfall. Reuters

Ukraine in der Krise

Es könnte eng werden für die Ukraine. Wenn sich das Land nicht bis Ende Mai mit seinen internationalen Geldgebern einigt, droht ein Zahlungsausfall.

LondonVergangene Woche lehnte die ukrainische Finanzministerin Natalie Jaresko einen Vorschlag von Anleihegläubigern zur Verlängerung der Laufzeiten ukrainischer Staatsanleihen ab, da dies ohne eine Herabsetzung des Kapitals der Anleihe die Gesamtbelastung nicht senken würde. Im laufenden Jahr muss die Ukraine 7,5 Milliarden Dollar Eurobonds zurückzahlen, die vom Staat sowie von Unternehmen emittiert wurden, im nächsten Jahr sind es 5,3 Milliarden Dollar, wie Bloomberg-Daten zeigen.

„Die Gläubiger wollen das Schuldenprofil ändern ohne einen Schuldenschnitt,“ sagte Michael Ganske, Leiter Schwellenmärkte bei Rogge Global Partners in London. „Ehrlich gesagt, sehe ich nicht, wie das funktionieren soll, weil damit keine Nachhaltigkeit der Schulden erreicht wird.“

Alle Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Die Geldschwemme beginnt

Im März startete die Europäische Zentralbank (EZB) ihre breits im Januar angekündigte Geldschwemme. Die wichtigsten Details zum Kaufprogramm.

Das kauft die EZB

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

So sollen die Käufe ablaufen

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Kauf fauler Papiere ist möglich

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Die Rolle von EFSM und ESM

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Auch Papiere nationaler Banken werden gekauft

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Reintegration der Schuldtitel in die Märkte

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Bis Ende Mai muss die Ukraine eine Einigung mit ihren Anleihegläubigern erreichen, um sich für die nächste Tranche des 40 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets unter der Führung des Internationalen Währungsfonds zu qualifizieren. Jaresko verhandelt derzeit mit einer Gruppe von fünf Gläubigern, darunter auch Franklin Templeton, der größte Anleihegläubiger des Landes. Gleichzeitig ist der Waffenstillstand im Osten des Landes, wo prorussische Aufständische gegen die Regierungstruppen kämpfen, brüchig.

Der Vorschlag der Anleihegläubiger würde es der Ukraine ermöglichen, in den kommenden vier Jahren 15,3 Milliarden Dollar beim Schuldendienst einzusparen, jedoch nicht die Forderung erfüllen, die Staatsverschuldung von 94 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr bis 2020 auf 71 Prozent zu senken und die Kosten des Schuldendienstes im nächsten Jahrzehnt durchschnittlich unter zehn Prozent der Wirtschaftsleistung zu halten.

Der im Juli 2017 fällige Dollarbond der Ukraine mit einem Volumen von 2,6 Milliarden Dollar notierte am Montag wenig verändert bei 43,55 Cent je Dollar Nominalwert. Ende vergangenen Jahres wurde die Anleihe noch zu 60 Cent gehandelt.

Kommentare (14)

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Herr Paul Rimmele

21.04.2015, 10:50 Uhr

Keine Sorge Kiew, die EU und Deutschland stehen bereit.

Herr walter danielis

21.04.2015, 10:55 Uhr

Frau Merkel und Herr Schäuble werden helfen. Deutsches Geld für alle Welt.

Frau Ich Kritisch

21.04.2015, 11:05 Uhr

Zitat: "„Die Gläubiger wollen ... ohne einen Schuldenschnitt,“ sagte Michael Ganske, ... „Ehrlich gesagt, sehe ich nicht, wie das funktionieren soll, weil damit keine Nachhaltigkeit der Schulden erreicht wird.“"

Wenn Schulden nachhaltig sein sollen, dann müssen sie bezahlt werden. Wenn ich nicht bezahle sind sie nicht nachhaltig.
Somit wäre ein Schuldenschnitt ganz gewiss für die Gläubiger nicht nachhaltig!

Aber die Ukraine könnte doch nun ihre Schulden an Griechenland verkaufen - im Gegenzug kauf die Ukraine dann griechische Staatsanleihen :-)))))

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