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22.01.2014

15:43 Uhr

Umbruch bei Pimco

El-Erian bringt Allianz in die Bredouille

VonJörg Hackhausen, Thomas Schmitt

Die Vermögensverwaltung Pimco verliert jeden Monat Milliarden. Nun tritt auch noch einer der Chefs zurück. Damit bekommt auch der Mutterkonzern Allianz ein Problem. Der Aktienkurs der Münchener gibt nach.

Mohamed El-Erian tritt als Chef des Vermögensverwalters Pimco ab. Reuters

Mohamed El-Erian tritt als Chef des Vermögensverwalters Pimco ab.

DüsseldorfDer Allianz kommt eine wichtige Führungskraft abhanden: Mohamed El-Erian zieht sich zurück. Er wird seinen Posten als Chef von Pimco, der Allianz-Tochter für Vermögensverwaltung, Mitte März abgeben. El-Erian ist eines der bekanntesten Gesichter der Finanzwelt, fast eine Art Promi. Sein Rücktritt wirft Fragen auf.

Pimco ist der größte Anleiheinvestor der Welt, seit 2000 gehört die Gesellschaft zum Allianz-Konzern. Sie verwaltet fast zwei Billionen Dollar, was mehr als 80 Prozent der von der Allianz verwalteten Vermögenswerte ausmacht. Jahrelang steuerte Pimco einen beträchtlichen Teil zum Gewinn der Allianz bei. Im Jahre 2012 und in den ersten neun Monaten 2013 summierte sich der Beitrag auf knapp ein Drittel. Doch im vergangenen Jahr riss die Erfolgsserie. Die Strategie der Vermögensverwalter ging nicht auf. Kunden liefen in Scharen davon.

Welche Rolle die schwache Performance für den Abgang von El-Erian spielt, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht seriös beantworten. Er habe „eine wirklich wundervolle Zeit“ bei Pimco gehabt, schrieb El-Erian in einer E-Mail. Über die Gründe für den Rücktritt verriet er nichts. Von Pimco gibt es dazu ebenfalls keine offizielle Erklärung. Die Allianz erklärte, der Topmanager solle Mitglied des International Executive Committees bleiben. Damit wäre er eine Art Botschafter des Münchener Konzerns. Darüber hinaus äußerte sich die Allianz auf Anfrage nicht. Das heizt die Spekulationen weiter an.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

An der Börse sorgte der Rückzug für Unruhe. „Der überraschende Wechsel führt zu Unsicherheiten auch mit Blick auf die Muttergesellschaft“, sagte ein Händler an der Börse in Frankfurt. Die Aktie der Allianz fiel am Mittwoch zeitweise um zwei Prozent auf 129,85 Euro.

„Er ist definitiv ein Verlust für jede Gesellschaft“, kommentierte Axel Weber, Chef der Schweizer Großbank UBS, in einem Interview in Davos. Pimco habe ein hartes Jahr hinter sich, überhaupt sei das gesamte Vermögensverwaltungsgeschäft sehr hart, insbesondere wenn man Anleiheinvestor sei.

El-Erian, der in Ägypten aufwuchs und in Oxford und Cambridge studiert hat, stand gemeinsam mit dem Star-Investor Bill Gross an der Spitze von Pimco. Er trat in den vergangenen Jahren auf internationalen Konferenzen auf, bestens verdrahtet, ständig in den Medien präsent. Er galt als Vermittler, der mit verständlichen Worten erklären konnte, wie die Märkte ticken oder wie es um die Weltwirtschaft steht, nicht selten bezog er politisch Stellung.

Kommentare (4)

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cybix

22.01.2014, 16:35 Uhr

Wieso "Überraschend"? Pimco Mangager fordeten: "Lasst Banken pleitegehen". [Nach Ansicht von Pimco-Managern schlage die EU und die Bundesregierung bei der Euro-Rettung den falschen Kurs ein. Bankenpleiten seien nötig, auch wenn sie Folgen hätten.]
Wer so etwas fordert hat eine Halbwertszeit - weltweit egal in welcher Führungsposition. Dafür "wird gesorgt".

Account gelöscht!

22.01.2014, 16:47 Uhr

Wer Anleihen im Portfolio hat sollte sich warm anziehen. Oder besser noch, ein Feuerchen damit machen.

schulemachtes

22.01.2014, 16:57 Uhr

... das argentinisch/griechisch/zypriotische Modell wird Schule machen...

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