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09.03.2012

15:41 Uhr

Umschuldung

Anleihetausch für Portugal wird wahrscheinlicher

Nach dem griechischen Schuldenschnitt denken viele Investoren um.. Sie wollen künftig am liebsten solche Anleihen halten, für die internationales Recht gilt. Davon könnten Portugal und andere Krisenstaaten profitieren.

Bleibt Griechenland ein Einzelfall? Investoren glauben nicht daran. dpa

Bleibt Griechenland ein Einzelfall? Investoren glauben nicht daran.

Der Schuldenschnitt in Athen könnte sich für andere Krisenländer noch als Segen entpuppen. Der am Freitag von Griechenland angekündigte Zwang zur Beteiligung dürfte private Gläubiger anderer Staaten so sehr verunsichern, dass sie künftig womöglich tatsächlich aus freien Stücken einem Forderungsverzicht zustimmen. Dies käme beiden Seiten zu Gute: Die Länder könnten auf einen Schlag einen Teil ihres erdrückenden Schuldenberges abtragen und die Investoren heiß ersehnte Rechtssicherheit erlangen.

Der Auslöser für diese Überlegungen sind die bei Investoren verhassten rückwirkenden Anleiheklauseln (Collective Action Clauses), die unwillige Gläubiger zum Tausch ihrer Papiere zwingen sollen. Allerdings dürfte auch ohne ihre Anwendung wohl kaum die offizielle Lesart stimmen, der Tausch laufe „freiwillig“ ab. Nicht umsonst bemerkte Commerzbank-Chef Martin Blessing jüngst, die Beteiligung sei „so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition“.

Stimmen zum Schuldenschnitt

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim

„Es sieht danach aus, dass die Umschuldungsklauseln CACs rückwirkend kommen werden. Jede Milliarde für Griechenland ist nötig, um ein signifikantes Ergebnis für den Schuldenschnitt zu bekommen. Aber wir dürfen uns keiner Illusion hingegen.
Griechenland wird weiter erhebliche Schwierigkeiten haben, die Vereinbarungen mit EU und IWF einzuhalten. Sie werden davon nur einen Teil erfüllen können. Die Prognosen etwa des IWF halten wir für viel zu optimistisch. Deshalb wird es wahrscheinlich noch ein drittes Paket für Griechenland geben. Mittelfristig muss die Förderung des Wachstums stärker im Fokus stehen.“

Suresh Kumar Ramanathan, Cimb Investment Bank in Kuala Lumpur

„Wir warnen seit zwei Monaten, dass Griechenland kollabieren wird, und genau das beginnt im Moment. Sollte der (Derivate-Verband) ISDA das Ziehen der (Umschuldungsklauseln) CACs als ein Kreditereignis einstufen, dann haben wir einen öffentlichen Hinweis auf eine Pleite Griechenlands. Für die Märkte wird es entscheidend sein, wie viele der CDS nach einer Aktivierung der CACs gezogen werden.“

Sumino Kamei, Bank of Tokio-Mitsubishi UFJ

„Es gibt immer noch viele Unklarheiten über die Details. Wir wissen nicht viel über das Timing und die detaillierten Formalien der CACs und darüber, was mit den CDS passieren wird, wenn die CACs aktiviert werden. Diese Unsicherheit könnte den Euro belasten.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Die Schlagzeilen zu Griechenland entsprechen den Erwartungen. Die wichtige Frage ist nun, ob Griechenland nach den Wahlen im nächsten Monat den vereinbarten Sparkurs beibehält.“

Christian Sschulz, Berenberg Bank

„Für die Kürze der Zeit ist das ein sehr solides Resultat. Das zeigt das große Interesse der Investoren, Griechenland nicht ungeordnet in die Zahlungsunfähigkeit gehen zu lassen. Damit erfüllt Griechenland höchstwahrscheinlich auch die letzte große Bedingung für das zweite Rettungspaket von 130 Milliarden Euro. Der IWF kann dem nun zustimmen. Jetzt kommt es darauf, ob die Regierung in Athen gemeinsam mit europäischen Partnern das Land wieder auf Wachstumskurs bringen kann.“

Lutz Karpowitz, Analyst Commerzbank

„Die ,freiwillige Enteignung' ist unter Dach und Fach. Wie die griechische Regierung heute Morgen bekanntgab, betrug die Zustimmungsquote der Anleihegläubiger 85,8 Prozent. Damit wird nun die Collective Action Clause (CAC) aktiviert werden, die auch die Investoren zwingt teilzunehmen, die nicht zugestimmt haben. Insgesamt nimmt der Markt die Meldung mit Erleichterung auf.
Mit dem gelungenen Schuldenschnitt ist eine weitere Hürde für das nächste griechische Hilfspaket über 130 Milliarden Euro genommen. Dass der Euro von der offiziellen Bekanntgabe des gelungenen Schuldenschnitts nicht profitiert, liegt vor allem an den bereits hohen Erwartungen, deutet aber auch darauf hin, dass die Luft nach den gestrigen Gewinnen raus zu sein scheint.“

Schon jetzt können einige Investoren über die Klauseln nur lachen. Sie besitzen nämlich Schuldtitel nach internationalem Recht, deren Regeln nicht von den Entscheidungen des Athener Parlaments rückwirkend verändert werden dürfen. Vereinbarungen zum Schuldentausch müssten hier für jede Anleihe einzeln vereinbart werden und nicht wie im Falle Griechenland bei Bedarf per Mehrheitsentscheid. Internationale Papiere sind gegen die Klauseln schlicht immun. Diese Rechtssicherheit ist den Investoren viel Geld wert. Sie zahlen für diese Titel doppelt so viel wie für Papiere nach griechischem Recht. Genau dieser kleine aber feine Unterschied, lokales oder internationales Recht, könnte auch andere Schuldenstaaten und deren Gläubiger zu einem wirklich freiwilligen Nachlass bewegen. So argumentierten diese Woche in einer Studie der Vize-Chefvolkswirt der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Jeromin Zettelmeyer, und Mitu Gulati von der Duke University.

Folgender Handel drängt sich geradezu auf: Die Anleger tauschen ihre Anleihen nach lokalem Recht, sei dies nun portugiesisch, irisch oder spanisch, in solche nach internationalem Recht um und verzichten dafür auf einen Teil der Kreditsumme. „Abhängig davon, wie viel den Anleihe-Gläubigern dieser Handel wert wäre, könnte er sich auch für die Staaten lohnen.“.

Kommentare (3)

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kleinfeldt

09.03.2012, 16:03 Uhr

Schuldenschnitt hört sich so normal an. Ist es nicht richtigiger zu schreiben, den Investoren wurde die Hälfte des Geldes geklaut?

Charly

09.03.2012, 16:19 Uhr

"Gefahr könnte sich als Chance erweisen"

Na super, jetzt wird es schon als Chance deklariert ausgeraubt zu werden.

Account gelöscht!

09.03.2012, 16:55 Uhr

Klauen ist das nicht, sondern enteignen. Der Staat hat ein Recht zu enteignen.- Bei dem Lastenausgleich nach dem Weltkrieg II, enteignete der Staat 30% des Eigentums der Bürger, kassierte 168MRD DM... das Gleiche wird er wieder tun, solange sich die Bürger nicht beschweren und auf die Straße gehen.

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