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04.04.2011

15:53 Uhr

Umschuldung unvermeidlich

Märkte glauben an Griechen-Insolvenz

Die Politik wird nicht müde zu betonen, dass Griechenland keine Umschuldung nötig hat. Ein Blick auf die Fakten sagt anderes. Die Finanzmärkte halten deshalb einen "Haircut" mittlerweile für unvermeidlich.

Die Schuldenlast drückt Griechenland immer weiter in den Abgrund. Die Märkte halten eine Umschuldung für unvermeidlich. Quelle: dpa

Die Schuldenlast drückt Griechenland immer weiter in den Abgrund. Die Märkte halten eine Umschuldung für unvermeidlich.

BerlinTrotz gegenteiliger Beteuerungen der Politik: Griechenland wird aus Sicht der Finanzmärkte bei der Lösung seiner Schuldenkrise nicht um eine geordnete Pleite herumkommen. "Dass Griechenland insolvent ist, ist allen klar", fasst Friedrich Heinemann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung die Marktsicht zusammen. Der Schuldenberg sei zu hoch, die Wende nicht ohne einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger zu schaffen. Paradoxerweise haben aus Sicht der Investoren ausgerechnet die jüngsten EU-Gipfel-Beschlüsse die Spekulationen über einen "Haircut" angeheizt - obwohl diese doch eigentlich die Schuldenkrise entspannen sollte.

Am Wochenende reichten einige dünne Zeilen im "Spiegel" aus, um die Debatte wieder aufflammen zu lassen. Ohne Nennung von Quellen berichtete das Magazin vorab, der Internationale Währungsfonds habe seine Haltung geändert und trete inzwischen für eine Umschuldung Griechenlands ein. "Das ist absolut nicht möglich", erklärte daraufhin der griechische Finanzminister Giorgios Papakonstantinou. Auch ein Sprecher des IWF winkte eilig ab.

Das Problem ist nur: An den Märkten glaubt kaum noch jemand solchen Beteuerungen. Denn die Fakten sprechen eine andere Sprache: Würde sich der griechische Staat zurzeit am Kapitalmarkt mit Geld eindecken müssen, würden für eine zehnjährige Anleihe fast 13 Prozent Zinsen fällig - 9,5 Punkte mehr als Deutschland seinen Investoren berappen muss. Der Schuldenberg hat bald 150 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes erreicht, Tendenz steigend. "Wie wollen die Griechen jemals ohne Hilfe von außen ihren Etat konsolidieren?", fragt der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Will das Land nicht dauerhaft am Tropf der Euro-Partner hängen, droht am Ende ein Schuldenschnitt."

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