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23.02.2004

08:15 Uhr

Umschuldungsangebot soll binnen 60 Tagen vorliegen

Argentinien zeigt Gläubigern guten Willen

VonAnne Grüttner

Unter dem starken Druck der G7-Länder und des IWF zeigt Argentinien in der Frage der Schuldenrestrukturierung erstmals mehr Flexibilität.

BUENOS AIRES. Nachdem die Regierung vor kurzem das Bankensyndikat benannte, das die Umschuldung durchführen wird, will sie nun innerhalb von 60 Tagen ein formales Umschuldungsangebot vorlegen und danach in die Verhandlungen mit den Gläubigern einsteigen. „Wenn wir eine Akzeptanz von 50% bis 66% der Gläubiger erreichen könnten, wäre das ein Erfolg“, erklärte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna.

Doch eine solche Akzeptanz ist kaum zu erwarten, wenn die Regierung ihre Forderung nach einem Verzicht auf 75% des Nominalwerts nicht zumindest mit zusätzlichen Anreizen versüßt. Als interessantes Detail werten Beobachter in diesem Zusammenhang, dass das Wirtschaftsministerium in einer Präsentation für den Kongress letzte Woche nicht nur die Umschuldungssumme ohne die seit dem Default angefallenen Zinsen (82 Mrd. $) zugrunde legte, sondern auch den Betrag einschließlich der Zinsen (100 Mrd. $) in Klammern dazu setzte. „Die Regierung hat mehrere Instrumente, um eine annehmbare Akzeptanz für ihr Angebot zu finden“, sagt Nadin Argañaraz, Ökonom vom argentinischen Think Tank „Fundación Mediterránea“, „sie könnte beispielsweise einen Teil der Zinsen zahlen oder einen Teil sofort in Bar auszahlen.“

Die Regierung steht unter starkem Druck, das Verhandlungsklima mit den Gläubigern zu verbessern. Nur noch zwei Wochen fehlen bis zum entscheidenden 9. März, an dem Argentinien 3,2 Mrd. $ an den IWF entrichten muss. Nur wenige Tage später werden weitere 3,5 Mill.$ fällig. Die argentinische Regierung will jedoch nur dann zahlen, wenn IWF-Chef Horst Köhler zuvor eine Empfehlung an das IWF-Board ausgibt, die nächste Kredittranche aus dem laufenden IWF-Abkommen zu genehmigen. Der dreijährige IWF-Kredit ist so angelegt, dass Argentinien die jeweils fälligen Tilgungen anschließend in gleicher Höhe in Form einer Kredittranche vom IWF zurückerstattet bekommt. Doch bevor die März-Tranche genehmigt wird, will der IWF zunächst Fortschritte in der Umschuldung sehen.

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