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04.01.2007

09:37 Uhr

Umstellung auf elektronischen Handel

Börse Stuttgart ringt um Derivatemarkt

VonRolf Benders und Ralf Drescher

Das neue Marktmodell für den Optionsscheinhandel an der Börse Stuttgart ist zum Jahreswechsel nur Dank einer Übergangsregelung wie geplant gestartet.

FRANKFURT. Finanzkreisen zufolge haben die wichtigen Optionsscheinspezialisten Deutsche Bank, ABN Amro, BNP Paribas und Sal. Oppenheim die Kooperationsverträge noch nicht unterschrieben. Sie stört, dass in Stuttgart nur eine einzige Brokerfirma den Handel überwacht und fordern mehr Wettbewerb. Nur wenige Banken, darunter die Marktführer Commerzbank und HSBC Trinkaus & Burkhardt, haben nach eigenen Angaben bislang unterzeichnet.

Die Derivate der Widerständler können aber während einer Übergangsfrist von zunächst sechs Monaten weiter in Stuttgart gehandelt werden. Allerdings läuft die schwäbische Börse als Marktführerin im Derivatehandel Gefahr, Boden gegenüber der aufholenden Frankfurter Börse zu verlieren, wenn der Schwebezustand weiter anhält.

Die Börse Stuttgart ist die zweitgrößte Handelsplatzbetreiberin in Deutschland und stützt ihre Bedeutung vor allem auf den Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten. Die wesentlich größeren Frankfurter hatten den Trend in diesem boomenden 100-Milliarden-Euro-Markt vor zehn Jahren verschlafen und versuchen nun in Kooperation mit der Schweizer Börse SWX, Marktanteile zu gewinnen.

Um sich gegen die aufholenden Frankfurter zu rüsten, hat Stuttgart zum Jahreswechsel auf elektronischen Handel umgestellt. Dazu musste ein Makler, die Baader AG, das Feld räumen. Nur noch der Broker Euwax, eine Schwesterfirma der Stuttgarter Börse, überwacht nun die Kursfeststellung. Daran entzündet sich der Streit.

Institute wie die Deutsche Bank und BNP, die bislang mit Baader zusammengearbeitet hatten, bevorzugen zwei Makler am Standort Stuttgart. „Die Börse meint, ein Wettbewerb unter den Börsen würde ausreichen. Wir hätten aber auch gerne Wettbewerb unter den Brokern“, sagte Rupertus Rothenhäuser von BNP Paribas. Sein Haus warte jetzt die Übergangsphase ab und gebe der Börse die Chance, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.

Die Rebellen setzen offenbar darauf, dass Stuttgart unter dem Eindruck der wachsenden Konkurrenz aus Frankfurt nachgeben könnte. Einige Banken drohen unter der Hand mit einer Verlagerung des Handels an den Main. So lange das für 2009 geplante elektronische System dort nicht läuft, ist dies laut Expertenmeinung keine echte Option. Die Börse Stuttgart gab gestern keinen Kommentar.

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