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16.01.2012

14:20 Uhr

Ungarn

Anleihekäufer wenden sich mit Schrecken ab

VonAndrea Cünnen

Nur einige Monate ist es her, da war der ungarische Regierungschef Victor Orbán noch völlig überzeugt vom bevorstehenden Aufstieg seines Landes. Doch nun braucht Ungarn dringend Hilfe - und die Investoren sind verschreckt.

Ungarn hat sich in der EU politisch isoliert. AFP

Ungarn hat sich in der EU politisch isoliert.

FrankfurtVor acht Monaten gab sich Ungarns Regierungschef Victor Orbán noch ausgesprochen selbstbewusst vor Investoren. Damals war er mit großem Gefolge in Deutschland auf Roadshow bei Investoren in Deutschland unterwegs, um Anleihekäufern sein Land anzupreisen. Dabei betonte er, wie problemlos Ungarn wieder Geld von internationalen Anlegern für seine Euro- und Dollar-Anleihen bekommt, bekräftigte den Willen zum Schuldenabbau und sagte, dass sein Land bis 2020 den Euro einführen will.

Doch das ist Schnee von gestern, und Investoren, die im Mai 2011 ungarische Anleihen gekauft haben, machten damit ein extrem schlechtes Geschäft. Seither brachten auf Forint lautende Anleihen mit Laufzeiten ab fünf Jahren den Investoren Verluste von sechs bis zwölf Prozent. In Euro wurden daraus  wegen  Absturzes des Forint  Euro sogar ein Minusgeschäft von 25 bis 32 Prozent, mehr verloren Anleger nur mit griechischen Anleihen.

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Obwohl Ungarns Regierung am Tropf der EU und des IWF hängt wagt die Regierung Orban einen Sonderweg in der EU. Jetzt kommt es zur Machtprobe zwischen Budapest und Brüssel - bei dem beide Seiten viel verlieren können.

Kein Wunder, dass die Investoren verschreckt sind. Die Staatsverschuldung ist zuletzt wieder auf 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. Damit hat Ungarn den höchsten Schuldenberg unter den osteuropäischen EU-Ländern. Zudem droht der Wirtschaft eine Rezession.    

Deshalb braucht das Land dringend Hilfe und hat schon im November um ein neues Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds (IWF) gebeten. 15 Milliarden bis 20 Milliarden Euro benötigt Budapest, um  in diesem Jahr auslaufende Staatsanleihen zu refinanzieren. Doch das Land ist politisch isoliert. Die  EU und der IWF kritisieren, die Strategie der Regierung Orbán, die wichtigsten  Institutionen im Land nach und nach unter Kontrolle zu bringen, so auch die ungarische Zentralbank. Fließen die Hilfsgelder aber nicht, dann droht den Magyaren die Pleite.

Kommentare (1)

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okmokm1

19.01.2012, 01:17 Uhr

Was solldas denn?: "Die Staatsverschuldung ist zuletzt wieder auf 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen." Ungarns Staatsverschuldung lieg nur bei 82 %. sie verwechseln offensichtlich Ungarn mit Griechenland; oder ist dies ein neuer Trick im Rahmen des breiten ungarn-Bashing, das aktuell so weit verbreitet ist? Als "Handelsblatt" dürfen Sie sich solche Falschbehauptungen icht errlauben. Enttäuschend!

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