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22.03.2013

16:23 Uhr

Unsicherheit

Bundesanleihen profitieren von Zypern-Krise

Ohne Einigung gewährt die EZB den zyprischen Banken ab Montag keine Kredite mehr. Die Unsicherheit auf der Mittelmeer-Insel setzt sich fort — gleichzeitig fällt die Rendite bei Bunds um zwei Basispunkte auf 1,34 Prozent.

Zyprische 20 Cent Münze: Indirekt profitiert Deutschland von den Krisenländern. dpa

Zyprische 20 Cent Münze: Indirekt profitiert Deutschland von den Krisenländern.

Deutsche Staatsanleihen haben ihre anfänglichen Gewinne am Freitagnachmittag wieder abgegeben und zuletzt Verluste verzeichnet. Dafür waren spanische und italienische Bonds zunehmend gefragt.

„Der Markt sieht den Rückgang am Montag und Dienstag nach dem Zypern-Debakel als Kaufgelegenheit”, sagte Michael Leister, Zinsanalyst bei Commerzbank AG in London mit Bezug auf spanische und italienische Papiere. „Im aktuellen Umfeld ist es unwahrscheinlich, dass das stetig so weitergeht, aber wenn über das Wochenende eine Einigung in Zypern gelingt, gibt es weiteres Entwicklungspotenzial für Spanien und Italien.”

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Der am Vormittag veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex verzeichnete für März einen Rückgang auf 106,7 von zuvor 107,4, während von Bloomberg befragte Analysten im Mittel mit einem leichten Anstieg auf 107,8 gerechnet hatten.

Bei Bunds mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg die Rendite um knapp zwei Basispunkte auf 1,38 Prozent. Der Bund- Future fiel um 15 Basispunkte auf 144,31 Prozent.

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Die Rendite zehnjähriger spanischer Bonds fiel um fünf Basispunkte auf 4,83 Prozent, entsprechende italienische Anleihen rentierten mit 4,51 Prozent acht Basispunkte tiefer.

In den USA stieg die Rendite von Treasuries mit Fälligkeit in zehn Jahren um zwei Basispunkte auf 1,93 Prozent.

Kommentare (1)

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Jetzt-red-I

23.03.2013, 11:26 Uhr

Ich sehe nur die 0,5 % Zinsen für Tagesgeld bei deutschen Banken. Gleichzeitig sollen wir uns an den Rettungsmaßnahmen für "Zockerstaaten" beteiligen. Tolles Geschäft!

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