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16.12.2013

14:03 Uhr

Unternehmensanleihen

Broker fürchten Ausfälle bei China-Bonds

Wachstum ist teuer: Im kommenden Jahr müssen chinesische Unternehmen ein riesiges Volumen an Krediten tilgen. Greift die Notenbank nicht ein, könnten die Betriebe in die Bredouille geraten.

Die Chinesen freuen sich auf Weihnachten. Doch danach könnte es bitter werden: Viele Schuldner müssen Kredite zurückzahlen. Reuters

Die Chinesen freuen sich auf Weihnachten. Doch danach könnte es bitter werden: Viele Schuldner müssen Kredite zurückzahlen.

DüsseldorfChinesische Unternehmen müssen im kommenden Jahr 312 Milliarden Euro (2,6 Billionen Yuan) an ihre Gläubiger zurückzahlen. Zum Vergleich: Die Summe entspricht etwa dem doppelten Bruttoinlandsprodukts von Irland. Experten fürchten derweil, dass es zu Zahlungsausfällen kommen könnte.

Es deutet einiges darauf hin: Der fällige Gesamtbetrag für Zinsen und Tilgungen ist im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen und liegt damit auf einem historischen Höchststand. Das Institut China International Capital (CICC) erhebt die Daten seit 2008.

Nicht nur Unternehmensanleihen mit Ramschstatus sind von vermeintlichen Zahlungsausfällen betroffen: Die Renditen auf zehnjährige Unternehmensbonds mit einem soliden Triple-A-Rating sind seit dem 31. Dezember um 89 Basispunkte auf 6,18 Prozent geklettert, Ende November erreichten die Papiere sogar eine Rendite von 6,23 Prozent.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Zum Vergleich: Der weltweite Renditeanstieg bei vergleichbaren Papieren beträgt im laufenden Jahr 70 Basispunkte auf 2,68 Prozent. Steigt die Rendite einer Anleihe fällt der Preis. Eine höhere Rendite spiegelt ein höheres Ausfallrisiko wieder.

Der Gouverneur der chinesischen Notenbank, Zhou Xiaochuan, hat signalisiert, dass die Zentralbank bei übermäßiger Verschuldung eingreifen wird. Daraufhin sind die Kreditkosten gestiegen. Einige Unternehmen haben deshalb ihre Finanzierungsvorhaben verschoben. „Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls nimmt enorm zu, denn 2014 werden Papiere in Rekordvolumen fällig“, sagte Shi Lei, Leiter der Anleihen-Analyse-Abteilung bei Ping An Securities in Peking.

„Die Politik der Notenbank, die Verschuldung zu kontrollieren, die wohl eine ganze Weile weiterbestehen dürfte, wird Unternehmen aus dem Markt drängen, die schlechte Kreditprofile aufweisen. Letztlich wird es für eine Bereinigung der Wirtschaft hilfreich sein“, sagte Shi. Die Summe von 312 Milliarden Euro, die im kommenden Jahr fällig wird, teilt sich auf in 253 Milliarden Euro an Tilgungen und 59 Milliarden Euro an Zinsen - beides sind Rekordwerte.

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