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07.08.2014

10:30 Uhr

Unternehmensanleihen

Der Markt wird zum Flaschenhals

Das Angebot steigt, die Nachfrage sinkt: Der Handel mit Unternehmensanleihen entwickelt sich zunehmend besorgniserregend. Besonders riskant wird es, wenn viele Investoren auf einmal verkaufen wollen.

Ein Händler an der Frankfurter Börse. Der Markt für europäische Unternehmensanleihen ist seit der Finanzkrise um rund 70 Prozent zurückgegangen. dpa

Ein Händler an der Frankfurter Börse. Der Markt für europäische Unternehmensanleihen ist seit der Finanzkrise um rund 70 Prozent zurückgegangen.

FrankfurtHändler von Anleihen haben dem Vermögensverwalter Gary Kirk seine Arbeit sehr erschwert, als er Ende des ersten Halbjahrs Unternehmensanleihen verkaufen wollte. Nach dem er „Ausrede um Ausrede“ erhalten hatte, gab er auf.

„Es war schwieriger als es sein sollte“, sagt Kirk, der bei TwentyFour Asset Management in London arbeitet. Die Banken boten Kurse, die weit unter seinen Erwartungen lagen. Oder sie sagten, sie hätten sich aus dem Geschäft zurückgezogen. „Es war sehr, sehr schwierig, irgendjemandem ein Gebot aus der Nase zu ziehen“, klagt Kirk.

Die Liquidität am Markt für europäische Unternehmensanleihen ist seit der Finanzkrise von 2008 um rund 70 Prozent zurückgegangen und sinkt weiter. Dabei haben die Neuemissionen zugenommen und das Gesamtvolumen des Marktes ist gewachsen, wie aus Angaben von Royal Bank of Scotland Group hervorgeht. Eine europäische Unternehmensanleihe wird RBS zufolge nun im Durchschnitt einmal täglich gehandelt, während sie vor zehn Jahren noch fast fünfmal am Tag den Eigentümer wechselte.

Die Europäische Zentralbank ebenso wie die Bank von England nannten in ihren jüngsten Finanzstabilitätsberichten den Mangel an Liquidität an den Anleihemärkten als Grund zur Sorge. Das Risiko liegt darin, dass im Fall eines Umschlags der Stimmung alle Bondinvestoren gleichzeitig verkaufen wollen.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Der Handel mit den Anleihen ist schwieriger geworden, obwohl das Emissionsvolumen von Unternehmensbonds dieses Jahr um mehr als 25 Prozent auf rund 565 Milliarden Euro gestiegen ist, im Vergleich zu 447 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Historisch niedrige Renditen, gestützt von den beispiellosen geldpolitischen Anreizen der Zentralbanken, führen zu Besorgnis, dass sich eine Blase am Bondmarkt bildet. Aufsichtsinstanzen und Analysten erhoben bereits ihre Stimmen und warnten vor künftiger Instabilität.

Vermögensverwalter sollten ihre Positionen durch Hedging absichern, um dem Risiko von Verlusten auf illiquide Wertpapiere zu entgehen, sagt Kirk. „Der Ausstieg wird zu einer Herausforderung werden, das ist die Sorge jedes Portfoliomanagers - und wenn sie es nicht ist, dann sollte sie es sein“, fügt Kirk an.

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