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22.03.2006

13:45 Uhr

Unternehmensanleihen

Firmen kaufen eigene Bonds

VonAndrea Cünnen

Der Markt für Unternehmensanleihen hat sich in diesem Jahr nicht gut entwickelt. Im Schnitt sind die Kurse von Euro-Firmenbonds mit einem Rating im vergleichsweise sicheren Investment-Grade von 106 auf knapp 104 Prozent gefallen. Der Renditeabstand zu Staatsanleihen liegt bei im Schnitt 0,56 Prozentpunkten. Viele Banken erwarten, dass die Kurse der Unternehmensanleihen in diesem Jahr noch weiter fallen und die Risikoaufschläge steigen werden.

FRANKFURT. In diesem Umfeld ist es für professionelle Investoren attraktiv, dass viele Firmen ihre Anleihen vor Ende der Fälligkeit zurückkaufen. Dabei bieten die Unternehmen Kurse, die etwas über den Marktpreisen liegen. „Damit lässt sich die Performance des Portfolios verbessern“, sagt Patrick Hendrikx, Leiter des Teams für Unternehmensanleihen beim britischen Fondshaus F&C Asset Management. Außerdem würden die Bonds durch die Rückkäufe oft illiquide, was für professionelle Investoren, die Anleihen aktiv handeln, ein Nachteil sei. „Deshalb ist es oft besser, die Bonds zurückzugeben und neue Papiere zu kaufen“, sagt Hendrikx.

Die Unternehmen bieten die Rückkäufe von Anleihen an, um ihre Bilanzkennzahlen zu verbessern. „Viele Unternehmen haben sehr viel Bargeld, und das bietet nur eine geringe Verzinsung“ erklärt Martin Amann, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Deshalb sei es für die Firmen besser, Anleihen zurückzukaufen und damit ihre zukünftigen Zinszahlungen zu verringern. Einen sehr großen Deal gab es jüngst von Volkswagen. Der Autobauer kaufte Bonds über 1,1 Mrd. Euro zurück. Andere Unternehmen – wie in diesem Jahr zum Beispiel der britische Verpackungshersteller Rexam, die britische Supermarktkette Sainsbury und die schwedische Holding-Gesellschaft Investor AB – kauften kurz laufende Anleihen zurück und begaben gleichzeitig länger laufende Anleihen. „Damit wollen sich die Unternehmen die noch günstigen Refinanzierungsbedingungen am Bondmarkt für längere Zeit sichern“, erklärt Jean-Marc Mercier vom Anleihesyndikat bei HSBC in London.

Im großen Stil kaufen Unternehmen eigene Anleihen seit gut zwei Jahren zurück. Im vergangenen Jahr nahmen Unternehmen nach Berechnungen von HSBC Bonds in Euro, Pfund Sterling und US-Dollar über umgerechnet 19,9 Mrd. Euro vor Ablauf der Fälligkeit aus dem Markt; in diesem Jahr gab es bereits sieben Transaktionen über insgesamt rund 8,6 Mrd. Euro.

„Die Rückkäufe und Tauschangebote sind ein gängiges Instrument am Kapitalmarkt geworden“, sagt Investmentbanker Mercier. In der Regel gäben Investoren bei Rückkäufen zwischen 40 und 60 Prozent des Volumens zurück. Zögerlich seien zum Teil Versicherer, weil sie nicht auf die höheren Kupons älterer Anleihen verzichten wollten. „Auch für Privatanleger sind die Rückkäufe nicht unbedingt lohnend“, meint Amann von der LBBW. „Die Wiederanlage in neue Anleihen kostet Gebühren, und die sind oft höher als die moderaten Kursgewinne bei der vorzeitigen Rückgabe.“ Außerdem ist die Bewertung der Angebote oft schwierig. Denn zunächst geben die Firmen keine Rückkaufpreise an, sondern Risikoaufschläge gegenüber bestimmten Interbankensätzen. Anleger sollten deshalb bei ihrer Hausbank nachfragen.

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