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12.04.2016

18:06 Uhr

Unternehmensanleihen

Hier gibt es noch Zinsen

VonAndrea Cünnen

Auch unter den Dax-Konzernen finden sich Schuldner, die am Anleihemarkt zumindest noch etwas Rendite für ihre Bonds bieten müssen. Der Grund: Sie haben eine relativ schwache Bonität. Vier Unternehmen stehen auf dieser Liste.

Mit einigen Anleihen lässt sich das Sparschwein noch füttern. Imago

Auf der Suche nach interessanten Anlageprodukten

Mit einigen Anleihen lässt sich das Sparschwein noch füttern.

FrankfurtAnleger, die Anleihen von Unternehmen kaufen wollen, sind oft frustriert. Die Niedrigzinsphase hat sich – ausgehend von der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) – längst durch die kompletten Bondmärkte gefressen. Das heißt: Wer heute – statt in Bundesanleihen zu investieren – sein Geld gut kalkulierbar in Anleihen von soliden deutschen Unternehmen anlegen will, bekommt dafür nur noch Mager-Renditen.

Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit – einer laut Bankern beliebten Haltedauer von Privatanlegern – von deutschen Blue-Chip-Unternehmen bieten nur wenig. Aktuell vermarktet zum Beispiel die Deutsche Telekom eine neue fünfjährige Anleihe, die weniger als 0,4 Prozent Rendite abwerfen wird. Auch fünfjährige Bonds von Dax-Firmen wie Siemens, BASF, Linde oder Daimler bieten nur noch Renditen zwischen 0,1 und 0,3 Prozent Rendite. Attraktiv ist das allenfalls im Vergleich zur fünfjährigen deutschen Bundesanleihe, die mit fast minus 0,4 Prozent rentiert – Anleger, die das Papier bis zur Fälligkeit halten, machen also garantiert einen Verlust.

Doch es gibt auch im Anleihen von im Dax notierten Unternehmen, die zumindest etwas mehr abwerfen. So hat der Stahlkonzern Thyssen-Krupp im März eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A2AAPF1) begeben, die zuletzt mit knapp 2,3 Prozent rentierte. Der Zinsschein, der jährlich gezahlt wird, liegt bei 2,75 Prozent, der Kurs bei gut 102 Prozent. Auch Heidelberg Cement gehört zu den Unternehmen, die Anleger nicht ganz in die Röhre schauen lassen. Die ebenfalls im März platzierte in sieben Jahren fällige Anleihe des Zementkonzerns (ISIN: XS 1387174375 ) hat einen Kupon von 2,25 Prozent und eine Rendite von rund zwei Prozent.

Auch der Gesundheitskonzern Fresenius und seine ebenfalls im Dax notierte Tochter Fresenius Medical Care bieten für ihre Anleihen noch etwas mehr als andere Dax-Firmen. Eine schon länger ausstehende Anleihe von Fresenius Medical Care mit fünf Jahren Restlaufzeit (ISIN XS 0576395478) rentiert mit 1,2 Prozent. Ein ebenfalls fünfjähriges Papier von Fresenius (XS1013956005) wirft noch 0,8 Prozent ab.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Doch warum zahlen diese vier Unternehmen mehr als andere Dax-Konzerne? Der Grund ist die Bonität. Ob ein Unternehmen im Dax notiert, hängt mit der Marktkapitalisierung und dem Börsenumsatz am Aktienmarkt zusammen – nicht mit der Kreditwürdigkeit – also der Fähigkeit, Schulden zurückzuzahlen. Unternehmen, die relativ gering verschuldet sind und hohe Cash-Flows zur Schuldentilgung ausweisen, bekommen von den großen Ratingagenturen Bonitätsnoten im sogenannten Investment-Grade, alle anderen im Non-Investment-Grade. Die Anleihen der bonitätsschwächeren Unternehmen werden deshalb despektierlich auch Junk-Bonds – also Ramschanleihen genannt. Und das müssen eben nicht nur Anleihen von kleinen, unbekannten Firmen sein, sondern auch deutsche Blue Chips sind dabei.

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