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03.06.2014

14:59 Uhr

Unternehmensanleihen

Investoren fühlen sich in die Falle getrieben

Anleihen aus den am höchsten verschuldeten Ländern lagen bei Investoren im Trend. Doch seitdem die EZB vor eine Blase bei diesen Papieren warnt, findet ein Umdenken statt. Investoren flüchten aus dem Markt.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Die EZB warnte in ihrem Bericht vor einer „übertriebenen” Jagd auf Rendite. Investoren positionieren sich nun neu. dpa

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank. Die EZB warnte in ihrem Bericht vor einer „übertriebenen” Jagd auf Rendite. Investoren positionieren sich nun neu.

FrankfurtDie EZB hat vor einer „übertriebenen” Jagd auf Unternehmensanleihen aus hoch verschuldeten Ländern gewarnt - und Investoren nehmen die Warnung offenbar ernst.

Pioneer Global Investments baut seine Bestände an Unternehmensanleihen aus den meisten Peripherieländern ab, die schwedische SEB senkte ihre Empfehlung von „Übergewichten“ auf „Neutral“. Blackrock gewichtet die Anleihen in seinen Portfolios unter, und Amundi, der größte Vermögensverwalter der Region, ist nach eigenen Angaben selektiver geworden.

Die EZB hatte ihre Warnung im Mai in ihrem Finanzstabilitätsbericht ausgesprochen. Die Erwartung, dass die Währungshüter bei ihrem Treffen am Donnerstag dieser Woche eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschließen werden, trug dazu bei, dass die Renditen auf Unternehmensanleihen aus Peripherieländern vergangene Woche auf ein Rekordtief von 1,58 Prozent gedrückt wurden, wie Daten von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Mittelstandsanleihen: Diese Fragen sollten Anleger sich stellen

Geschäftsentwicklung

Weist das Unternehmen Gewinne aus? Und wenn ja, wie lange bereits?

Quelle: Nieding + Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft

Verwendung

Wird das Geld aus der Anleiheemission investiert oder werden lediglich Altschulden bedient?

Rückzahlung

Soll die Anleihe am Ende der Laufzeit mit einer neuen Anleihe oder aus erwirtschafteten Gewinnen zurückgezahlt werden?

Sonderkündigungsrechte

Was passiert bei einem Eigentümerwechsel? Welche Sonderkündigungsrechte gibt es?

Emittent

Wird die Anleihe möglicherweise von einer eigens zu diesem Zweck gegründeten rechtlich selbständigen Tochtergesellschaft emittiert und damit im Notfall der Zugriff auf die Mutter erschwert?

„Man fühlt sich als ob man in eine Falle läuft“, sagte Juan Esteban Valencia, Zinsstratege bei Société Générale in Paris. „Der geringste Schreckensmoment könnte die Anleger zum Verkaufen motivieren - und wenn alle rauswollen, wird es keine Liquidität geben.“

Anleihen aus den am höchsten verschuldeten Ländern des Euroraums zu kaufen ist die beliebteste Investmentidee, gaben 35 Prozent der im Mai von Bank of America Merrill Lynch befragten Fondsmanager an. Im April hatten nur 19 Prozent so votiert. Die Papiere werden gern gekauft, seitdem Mitte 2012 die Staatsschuldenkrise abebbte, schrieb die EZB in ihrem Bericht.

„Eine übertriebene Suche nach Rendite könnte angesichts der nach wie vor zaghaften Erholung und einer Normalisierung der US-Geldpolitik unter dem Gesichtspunkt der Finanzstabilität die Anleihemärkte in hohem Maße anfällig für eine Neubewertung von Risiken machen”, schrieb die EZB.

Kommentare (17)

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03.06.2014, 15:38 Uhr

Die Idee ist ein interessanter Stresstest unter Marktbedingungen.

Aber sind wir ehrlich. Die Situation ist von Anfang an so. Der Unterschied liegt darin, dass die EZB versucht hat, den Markt zu manipulieren.

Jetzt ist klar, dass die gesamten Aktivitäten von Draghi nichts gebracht haben, wenn man davon absieht, dass er die Altersvorsorge der Deutschen in den Grundfesten erschüttert - wenn nicht sogar zerstört und die Sparer mit seiner Nullzinspolitik enteignet hat.

Aber kann man einem Draghi wirklich die Schuld zuweisen? Ich denke, nein. Draghi hat sich "Rechte" herausgenommen, die ihm nicht verliehen wurden. Es war Sache seiner Aufseher, der Politiker bei sorgfältiger Wahrnehmung ihrer Ämter, den Mann in seine Schranken zu weisen, vielleicht sogar zu feuern.

Erinnern wir uns an Herrn Röttgen. Den hat die Kanzlerin wegen nichtigerem Anlass gefeuert. Der Unterschied war lediglich darin manifestiert, dass er der Kanzlerin gefährlich werden konnte oder wurd, während Draghi lediglich das Geld der Bürger verschleudert.

Account gelöscht!

03.06.2014, 15:43 Uhr

Die Altersvorsorge der Politiker ist nicht gefährdet. Solange darf Draghi auch tun und lassen, was er will (bzw. was seine Sponsoren wollen).

Account gelöscht!

03.06.2014, 16:01 Uhr

„Telefonica platzierte im Mai achtjährige Anleihen mit einer Rendite von 2,242 Prozent. Eine Anleihe des US-Telefonbetreibers Verizon mit vergleichbarer Bonität, die zur selben Zeit fällig wird, weist eine Rendite von 2,245 Prozent auf.“

Der Vergleich zweier Anleihen unterschiedlicher Währungen (EUR und USD) und der Kupons bei unterschiedlichen Emissionszeitpunkten zeugt von wenig Sachkenntnis beim Autor…peinlich für das HB…
( EUR und USD

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