Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.10.2013

15:57 Uhr

US-Anleihen

Strafzuschlag für Kapital

Galten US-Staatsanleihen bislang als sicherer Hafen für die Investoren, verliert der Markt nach dem Haushaltsstreit seinen Glanz. Der größte Schuldnerstaat der Welt muss höhere Zinsen zahlen.

Trotz sinkendem Anlegervertrauen: Der US-Anleihenmarkt bleibt mit 11,6 Billionen Dollar der größte der Welt. Zudem profitiert der Dollar von seinem Status als Reservewährung. dpa

Trotz sinkendem Anlegervertrauen: Der US-Anleihenmarkt bleibt mit 11,6 Billionen Dollar der größte der Welt. Zudem profitiert der Dollar von seinem Status als Reservewährung.

Der Haushaltsstreit macht die Refinanzierung der USA teurer: Nachdem der 16 Tage andauernde Verwaltungsstillstand die Zahlungsfähigkeit des Landes gefährdet hat, sind die US-Finanzierungskosten erstmals seit zwei Jahren kurz davor, diejenigen im Rest der Welt zu übersteigen. Lagen die Renditen der US-Staatsanleihen, so genannten Treasuries, im Mai noch bei weniger als einem Prozent, liegen sie heute nur knapp unter den 1,57 Prozent, die laut Indizes von Bank of America Merrill Lynch für Staatsanleihen außerhalb der Vereinigten Staaten gelten.

Chronologie US-Haushaltsstreit

9. November 2012

In der ersten öffentlichen Rede seit seiner Wiederwahl beharrt US-Präsident Barack Obama auf Steuererhöhungen für Reiche, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Kurz zuvor hatte das unabhängige Haushaltsbüro des Kongresses (CBO) vor einer drohenden Rezession gewarnt.

16. November 2012

Demokraten und Republikaner beginnen im Weißen Haus mit den entscheidenden Etatverhandlungen.

3. Dezember 2012

Die Republikaner legen einen Plan zum Defizitabbau vor. Dieser sieht neben massiven Ausgabenkürzungen zwar auch einen Zuwachs an Steuereinnahmen vor - aber keine Erhöhung der Steuersätze für die Reichen, wie es Obama will.

 

19. Dezember 2012

Die Republikaner weisen einen neuen Vorschlag Obamas zurück: Dieser sah höhere Steuern nur noch für Bürger mit einem Einkommen von mehr als 400 000 Dollar (knapp 300 000 Euro) im Jahr vor. Zuvor hatte Obama die Grenze schon bei 250 000 Dollar gezogen.

1. Januar 2013

Der Etatstreit ist vorerst beendet. Das Repräsentantenhaus stimmt einer Kompromissvorlage des Senats zu. Damit werden massive Steuererhöhungen für Millionen Amerikaner zum Jahresanfang in letzter Minute abgewendet. Eine Einigung über die drohenden massiven Ausgabenkürzungen muss noch gefunden werden.

23. Februar 2013

Obama warnt, dass am 1. März erneut radikale Kürzungen drohen und ruft den Kongress zum Handeln auf. Dieser hatte die automatischen Einsparungen 2011 selbst beschlossen.

1. März 2013

Nach dem Scheitern der Verhandlungen im Budgetstreit setzt Obama Etatkürzungen mit schweren Folgen für die Wirtschaft in Gang. Allein bis Oktober drohen Einsparungen von 85 Milliarden Dollar.

21. März 2013

Der Kongress verabschiedet ein Übergangsbudget, das die Regierungsgeschäfte bis Ende September sichert. Von einem neuerlichen Drama um die Staatsfinanzen bleiben die USA zunächst verschont.

27. August 2013

Obama und die Republikaner steuern auf eine neue Machtprobe zu. Finanzminister Jacob Lew gibt bekannt, dass Mitte Oktober die Schuldengrenze von 16,7 Billionen Dollar erreicht wird. Er fordert den Kongress auf, das Limit umgehend anzuheben.

22. September 2013

Die Republikaner verabschieden im Repräsentantenhaus einen Haushaltsentwurf, der die Regierung weitere zweieinhalb Monate finanzieren soll. Doch sie knüpfen die Vorlage an Budgetkürzungen für die Gesundheitsreform - Obamas wichtigstes Reformprojekt. Sie soll am 1. Oktober in Kraft treten. Obama ist empört.

 

1. Oktober 2013

US-Präsident Barack Obama verweigert den Republikanern den Deal, sein Obamacare auszusetzen und dafür einen Übergangsetat genehmigt zu bekommen. So tritt der Kernpunkt der Gesundheitsreform in Kraft. Dafür kommt es zu einem Stillstand der öffentlichen Verwaltung: Hunderttausende Bundesangestellte vom Nationalpark-Ranger bis zum Steuerfahnder werden nun mit dem Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1. Oktober in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Viele Behörden, darunter auch die Börsenaufsicht, schalten auf Minimalbetrieb.

16. Oktober 2013

Nur kurz vor dem Überschreiten der Schuldengrenze hat sich der US-Kongress auf einen Deal geeinigt, der größtenteils den Forderungen der Demokraten entsprach. Die Schuldengrenze wurde bis zum 7. Februar angehoben und die Behörden bis zum 15. Januar geöffnet. Bis Mitte Dezember muss eine überparteiliche Kommission Vorschläge zur Schuldenreduktion erarbeiten.

Mit einer Einigung in letzter Minute haben die US-Politiker zwar den ersten Zahlungsausfall der USA zwar erneut abgewendet. Doch das Vertrauen der Investoren in die Volkswirtschaft ist erschüttert : „Zahlungsausfall oder nicht, der Schaden ist schon entstanden”, sagte Steve Major, weltweiter Leiter Zinsstrategie bei HSBC in London. „Die Politiker vertagen das Problem, obwohl die Welt eine längerfristige Lösung braucht. Diese Art von Risikopolitik untergräbt das Vertrauen.”

Ausländische Anleger, die rund die Hälfte der umlaufenden US-Staatspapiere halten, haben bereits vier Monate in Folge ihren Bestand an US-Staatsanleihen reduziert - das ist der längste Zeitraum seit 2001. Ihre Zurückhaltung dürfte die Kapitalkosten der USA weiter in die Höhe treiben und die Wirtschaft des weltgrößten Schuldnerlandes bremsen. Müssen die USA nur ein Prozent mehr Rendite auf die Treasuries zahlen, würden sich bei dem heutigen Anleihevolumen die jährlichen Kapitalkosten um etwa 20 Milliarden US-Dollar erhöhen.

Zweifel wegen des politischen Streites würde die Investoren dazu bringen, im Laufe des nächsten Jahres mehr Rendite für besonders lang laufende Treasuries zu verlangen, argumentiert Major - selbst dann, wenn die US-Notenbank durch lockere Geldpolitik die Finanzierungskosten niedrig halten würde. HSBC rechnet damit, dass der Renditeaufschlag für 30jährige Treasuries gegenüber zehnjährigen US-Bonds von 1,06 Prozentpunkten in der vergangenen Woche auf 1,2 Prozentpunkte steigen wird. Michael Diekmann, Vorstandschef der Allianz, schätzt, dass die Investoren am Bondmarkt infolge des Haushaltsstreits bereits jetzt einen Aufschlag verlangen. Die USA zahlten wahrscheinlich 0,6 Prozentpunkte mehr für Kapital, erklärte Diekmann in einem Bloomberg-Interview im Oktober.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×