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26.09.2013

15:46 Uhr

US-Behörden

Verdacht auf Insiderhandel am Goldmarkt

Die Zinsentscheidung der Fed hat die meisten Investoren überrascht - aber offenbar nicht alle. Innerhalb einer Millisekunde kommt es zu auffälligen Ausschlägen. Hat jemand geplaudert? Die Suche nach dem Maulwurf beginnt.

Innerhalb einer Millisekunde nach Verkündung des Zinsentscheids ist der Goldpreis ausgeschlagen. dpa

Innerhalb einer Millisekunde nach Verkündung des Zinsentscheids ist der Goldpreis ausgeschlagen.

New YorkDie US-Aufsichtsbehörden nehmen den Handel von Gold-Terminkontrakten in New York und Chicago unter die Lupe. Dort kam es nach dem jüngsten Zinsentscheid des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve in Washington ungewöhnlich schnell zu Kursbewegungen.

„Es ist im Kontext der Aufsicht gängige Praxis, sich solche Bewegungen anzuschauen“, erklärt Bart Chilton, ein Kommissar der Terminbörsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission am Mittwoch in einer Mitteilung.

Die Federal Reserve hat nach Aussage eines Sprechers die Nachrichtenagenturen kontaktiert. Sie sollen ihre Prozesse bei der Veröffentlichung von Sperrfrist-Mitteilungen der US- Notenbank prüfen, sagt Fed-Sprecher David Skidmore.

Die Federal Reserve hatte am 18. September um 20.00 Uhr MESZ überraschend verkündet, ihre Anleihekäufe im Volumen von monatlich 85 Milliarden Dollar unverändert zu belassen. Der Handel mit Gold-Futures und börsengehandelten Gold-Fonds zog bereits innerhalb einer Millisekunde nach dem Beschluss an, berichtete das Unternehmen Nanex, das den Hochfrequenzhandel auswertet.

Die größten Börsenpannen

Nasdaq lahmgelegt

Ein Softwarefehler führt dazu, dass die US-Börse Nasdaq im August 2013 einige Stunden den Handel komplett einstellen muss. Nach der Wiederaufnahme des Handels steigt der Markt – die Aktie des Börsenbetreibers aber verliert.

Dow Jones (2013)

Am 23. April 2013 meldete der Twitter-Account der US-Nachrichtenagentur eine Explosion im Weißen Haus. Die Meldung war jedoch falsch – Hacker hatten das Nutzerkonto übernommen. Dennoch brach die Börse innerhalb von Sekunden um mehr als ein Prozent ein. Möglicher Grund: Computer werteten die Meldung als wahr und lösten Verkaufssignale aus.

Kraft-Aktie (2012)

4. Oktober 2012: Die Nasdaq und mehrere andere Börsen haben nach einem ungewöhnlichen Kurssprung von Kraft Foods einen Teil des Handels mit der Aktie annulliert. Grund für den plötzlichen Anstieg der Papiere von 45,55 auf 58,54 Dollar war nach Angaben der US-Technologiebörse der Fehler eines Börsenmaklers. Nähere Angaben machte sie nicht. „Die Systeme von Nasdaq haben normal funktioniert und der Prozess der Industrie zum Umgang mit solchen Angelegenheiten verlief wie geplant“, hieß es in einer Erklärung.

Software-Panne bei Knight Capital (2012)

Durch einen Fehler hatte die Knight-Software enorm viele Orders platziert, die heftige Kursschwankungen auslösten. Dem Treiben konnte erst nach einer Dreiviertelstunde ein Ende gesetzt werden. In dieser Zeit hatten sich bereits 440 Millionen Dollar Verlust angehäuft, die das US-Brokerhaus fast zum Zusammenbruch brachten.

Das Facebook-Desaster (2012)

Die Erfolgsstory von Facebook bekam an der Börse einen starken Dämpfer. Nach gravierenden Pannen im Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq in New York stürzte der Kurs des Börsenneulings rapide in die Tiefe. Beteiligte Firmen erlitten Millionen-Verluste. Die Schweizer Großbank UBS, die 290 Millionen Euro verlor, drohte sogar mit einer Klage gegen die Börse.

Pannen-Start für BATS (2012)

Die Erstnotiz der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets im März 2012 endete mit einem Totalschaden. Die neuen BATS-Aktien sackten innerhalb weniger Minuten von 16 Dollar auf unter einen Cent. Schuld daran war eine neue Software. BATS musste die falschen Transaktionen zurücknehmen - und nahm dabei die eigenen Aktien gleich mit von der Börse

Fünf-Minuten-Chaos bei der Citigroup durch Kursrutsch

Die Aktien der Citigroup fielen im Juni 2010 nach Massenverkäufen durch elektronische Handelssysteme zeitweise um 17 Prozent. Doch da die Börsenaufsicht SEC nach dem „Flash Crash“ bereits zuvor beschlossen hatte, Aktien aus dem Index S&P 500 vom Handel auszusetzen, falls diese innerhalb von fünf Minuten mehr als zehn Prozent steigen oder fallen, stoppte das Sicherungssystem den Kursrutsch. Der Handel stand fünf Minuten lang still. Am Ende des Tages lag die Citigroup-Aktie sieben Prozent im Minus.

Flash Crash, 2010

Der „Flash Crash“ wurde im Mai 2010 durch den Hochfrequenzhandel ausgelöst: Durch einen blitzartigen Kurseinbruch lösten sich innerhalb weniger Minuten fast eine Billion Dollar Marktwert in Luft auf. Der Kurs des Dow Jones fiel um rund 1.000 Punkte. Einige Aktien verloren in der Zeit rund die Hälfte ihres Wertes. Der Spuk dauerte eine halbe Stunde lang an. Der sogenannte Hochfrequenzhandel, bei dem Tausende Transaktionen binnen Millisekunden durch Computer ausgelöst werden, stand schon vorher in der Kritik.

Strafe für Morgan Stanley (2007)

Morgan Stanley musste im Februar 2007 für den Fehler eines Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Der Banker wollte einen Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah aber automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar. Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Football vermasselt 50 Millionen Dollar Deal

Ein äußerst ungewöhnliches Missgeschick passierte einem Händler der Bank of America im September 2006. Er wartete auf die Anordnung seines Vorgesetzten, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen. Es fehlte nur noch der Druck auf die Enter-Taste. Während er wartete, warf ein Trainee einen Football durch den Raum und traf die Tastatur, inklusive der Enter-Taste.

Milliarden statt Millionen, 2002

Ein Händler von Bear Stearns verzählte sich im Oktober 2002 beim Verkauf von Aktien bei den Nullen und handelte sie für vier Milliarden Dollar anstelle von vier Millionen. Bevor der Vertipper auffiel, gingen bereits Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar an neue Besitzer. Dadurch sank der Leitindex Dow Jones um 2,3 Prozent.

100 Millionen für Verdreher

Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte statt 16 Dentsu-Aktien zu 600.000 Yen 610.000 Aktien zu je 6 Yen. Innerhalb kürzester Zeit verkaufte die USB dadurch 61.915 Aktien, was etwa der Hälfte des Emissionsvolumens entspricht. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Lehman Banker verkauft zu viel (2001)

Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers verkaufte 2001 aus Versehen hundertmal mehr Aktien als er wollte. Darunter waren auch Schwergewichte wie AstraZeneca und BP. Der Banker vernichtete damit zeitweise 30 Milliarden Pfund an Börsenwert.

Tippfehler mit Folgen (1999)

Ein Aktienhändler der UBS gab im Januar 1999 zu viele Nullen in seinen Rechner ein und handelte damit innerhalb von nur zwei Minuten zehn Millionen Aktien des Pharmakonzerns Roche, obwohl nur sieben Millionen Stück existierten. Das Handelsvolumen überstieg die Marktkapitalisierung von Roche um knapp die Hälfte.

Der Schwarze Montag (1987)

Am 19. Oktober 1987 bricht der Dow Jones um fast 23 Prozent auf 1.728 Punkte ein, der größte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Index. Der seinerzeit beliebte Programmhandel - eine Art Vorläufer des heutigen Algo-Tradings - hat den Absturz noch verschlimmert.

Die Kursausschläge seien ungewöhnlich rasch erfolgt, da die Übertragungszeit zwischen Washington und Chicago sieben Millisekunden betrage. Zwischen Washington und New York dauert der Datentransfer demnach zwei Millisekunden. Nanex folgert daraus, dass die Informationen in den beiden Finanzzentren bereits vor der 20-Uhr-Sperrfrist bekannt sein mussten.

Der überraschende Beschluss der US-Notenbank von vergangener Woche führte bei Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen zu starken Kursbewegungen. Der Goldpreis kletterte am 18. September auf 1362,01 Dollar je Unze, verglichen mit 1310,64 Dollar je Unze am Vortag. Der Standard & Poor's 500 zog 1,2 Prozent an und erreichte mit 1725,52 Zählern ein Rekordhoch.

„Es ist einfach unglaublich, was innerhalb der ersten zehn bis 20 Millisekunden passiert“, sagt Eric Scott Hunsader, Chief Executive von Nanex in Winnetka im US-Bundesstaat Illinois. „Das waren äußerst brisante Informationen.“ 

Kommentare (4)

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Papiergeldmaximierung

26.09.2013, 16:37 Uhr

Hmpfh, da kann ich ja nur lachen! Es war jedem Trader klar, wann die Entscheidung zu erwarten war, da sind die Trades alle schon vorher aufgesetzt gewesen für beide Fälle mit einer internen Sperre, die sich aus einem Indikator ergibt. Da braucht man keine halbseidene Information abzuwarten, nur den gesunden Menschenverstand einzuschalten, um so etwas aufzusetzen. Wäre die Strategie der FED geändert worden, hätte sich das sofort in den Zahlen bemerkbar gemacht. Also fährt man die alte Strategie extrem weiter, eine die davon profitiert, wenn keine Veränderung eintritt, zumindest solange bis die Kurse eine große Veränderung zeigen, die automatisch zum Umschalten auf die andere Strategie führt. Das ist Wahrscheinlichkeitsrechnung! Das ist so, wie wenn man die Startlinie des Rennens bereits im vollen Spurt überquert. 0 auf 100 in 1 Millisekunde eben.

Und wenn man eine Technologie einsetzt, die die Daten von der Standleitung zur Börse schon vor dem Empfang auswerten kann, ist man der klare Gewinner und hat einen zusätzlichen Zeitvorteil.

Ich kenne jemand, der so ein System herstellen kann, dass auf die Börsenkurse in Bruchteilen einer Millisekunde reagiert.

Und Leute, verabschiedet Euch endlich von dem Gedanken, dass der automatische Hochfrequenzhandel noch auf den Börsenkursen und komischen FED Entscheidungen basiert! Die Wahrscheinlichkeit, dass die FED Ihren Kurs beibehalten würde lag über 50%, mehr als genug ein Spielchen zu wagen...



Slowhand

26.09.2013, 18:30 Uhr

Was für eine Nachricht, was für eine Überraschung.

puenktli

26.09.2013, 18:35 Uhr

Man wird nichts finden. So wie bei der jahrzehntelangen Silbermanipulation auch nicht. Selbst wenn Whistleblower die bevorstehenden Manipulationen zeitgenau ankünfigen - man wird nichts finden. Der Grund ist einfach. Die FED selbst hat es angeordnet. Hier kann man nur noch zynisch lachen.

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