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27.06.2016

13:09 Uhr

US-Börsen

Brexit-Blues an der Wall Street

VonThomas Jahn, Axel Postinett

Rund 650 Milliarden Dollar haben die Unternehmen im S&P-500-Index am Freitag verloren – und ein Ende dieser Verluste ist noch nicht in Sicht. Welche US-Branchen von einem Brexit besonders betroffen sind.

Sorgenvoll blickt Händler Fred DeMarco an der New Yorker Börse auf seinen Bildschirm: Nach Meinung von Experten hat das Brexit-Votum einen Abwärtstrend an den Börsen eingeleitet. AP

Wall Street

Sorgenvoll blickt Händler Fred DeMarco an der New Yorker Börse auf seinen Bildschirm: Nach Meinung von Experten hat das Brexit-Votum einen Abwärtstrend an den Börsen eingeleitet.

New York/San FranciscoDer „Brexit“ ist da. Und was der republikanische Präsidentschaftsanwärter Donald Trump in höchsten Tönen preist, hat seine Landsleute, Pensionsfonds, Aktionäre und Unternehmen bereits heftig Geld gekostet. Rund 650 Milliarden Dollar Börsenwert haben die Unternehmen im S&P-500-Index alleine am Freitag verloren, und niemand wagt vorherzusagen, wie es weitergehen wird, wenn der Handel an Wall Street heute wiederaufgenommen wird. Am Freitag war der Dow-Jones-Index der 30 größten Werte rund 600 Punkte auf 17399 und damit 3,4 Prozent verloren.

Die potenziellen Probleme der US-Industrie sind vielfältig, sie reichen von kurzfristigen Irritationen, die sofort auf die Umsätze und Ergebnisse durchschlagen können bis hin zu langfristigen Investitionsentscheidungen.
Um darzustellen, wie es kurzfristig weitergehen könnte, haben die Statistiker von Factset die S&P-500-Unternehmen vorigen Freitag in zwei Gruppen aufgeteilt: Die mit weniger als 50 Prozent Auslandsumsatz und die mit mehr als 50 Prozent.

Die Ergebnisse sind ernüchternd und ein Warnsignal für Anleger. Im Schnitt wird ein Umsatzrückgang von minus 0,6 Prozent für das laufende zweite Quartal 2015 erwartet. Doch der Teufel steckt im Detail: Unternehmen mit mehr als 50 Prozent US-Umsatz werden im Schnitt ein Plus von 2,5 Prozent ausweisen, die auslandslastigen mit über 50 Prozent aus dem Ausland dagegen ein Minus von neun Prozent einfahren. Es ist der weiter erstarkende US-Dollar nach der Brexit-Angst, die diese Entwicklung schürt.

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Unternehmen wie Google und Apple hat es besonders schwer erwischt, Großbritannien und Europa sind wichtige Märkte. Googles Marktwert fiel um 20,4 Milliarden Dollar am Freitag. Großbritannien bringt neun Prozent vom Umsatz. Microsoft verlor ebenfalls heftig mit 16,4 Milliarden Dollar, mehr noch als Apple mit 14,8 Milliarden Dollar und fast so viel wie JP Morgan mit 16,3 Milliarden Dollar. Eine US-Großbank mit besonderen Verbindungen ins Königreich.

Bournemouth ist ein Seebad, mehr als zwei Autostunden von London entfernt. Dort liegt die Europazentrale von JP Morgan. Der Chef der US-Großbank, Jamie Dimon, besuchte sie in diesem Monat, um eine unangenehme Botschaft zu überbringen. Im Falle eines Austrittes könnten „bis zu 4000 Arbeitsplätze“ entfallen – rund ein Viertel der gesamten Belegschaft von JP Morgan in Großbritannien.

Jetzt könnte die Drohung mit dem Brexit wahr gemacht werden. Eventuell wird die Bank im kontinentalen Europa einen zweiten Konzernsitz aufmachen, um die Kunden dort weiter bedienen zu können. „Wir haben derzeit ein sehr effizientes Modell“, sagte Daniel Pinto, Investmentbanking-Chef von JP Morgan, „Durch eine Aufspaltung haben wir zwei Organisationen, die teurer zu betreiben sind“.

In das gleiche Horn stoßen zahlreiche andere Amerikaner. Sieben von zehn US-Unternehmen, die in England vertreten sind, erwarten laut einer Umfrage der Handelsorganisation British American Business durch einen Austritt „negative“ oder „sehr negative“ Auswirkungen auf ihr Geschäft. Für sie ist Großbritannien das Sprungbrett nach Europa, Zölle, Tarife oder neue Regularien sind unerwünscht. „Das ist fundamental für unser Geschäft“, zitiert die Studie Mark Dorsett, englischer Landeschef von dem weltgrößten Baumaschinenhersteller Caterpillar.

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