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18.08.2011

22:29 Uhr

US-Börsen

Wall Street schließt tiefrot

Die US-Indizes an der Wall Street liefen zum Handelsschluss tief im Minus. Für Verunsicherung auf dem Parkett sorgten Berichte, die US-Notenbank fürchte ein Übergreifen der Schuldenkrise auf das US-Bankensystem.

Händler an der New Yorker Wall Street. Quelle: dapd

Händler an der New Yorker Wall Street.

New York Die Furcht vor einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise auf die USA sowie vor einer neuen Rezession hat der Wall Street am Donnerstag herbe Verluste eingebrockt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stürzte bis zum Schluss um 3,7 Prozent auf 10.990 Punkte ab. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 4,5 Prozent auf 1140 Zähler ein. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor sogar 5,2 Prozent auf 2380 Punkte.

Für Verunsicherung auf dem Parkett sorgten Berichte, die US-Notenbank fürchte ein Übergreifen der Schuldenkrise auf das US-Bankensystem. Extrem schwache Konjunkturdaten jagten den Anlegern einen zusätzlichen Schrecken ein. Die Verunsicherung der Anleger sorgte auch für einen Einbruch beim Deutschen Aktienindex Dax , der fast sechs Prozent schwächer bei 5602 Punkten aus dem Handel ging.

Die Verkaufswelle habe ihren Ursprung im europäischen Bankensystem, sagte Jack de Gan von Harbor Advisory Corp. Sie spiegele Sorgen wider, dass viele Banken erneut gerettet werden müssten. „Und wenn es Stress bei großen europäischen Banken gibt, trifft das auch die US-Banken.“

Das „Wall Street Journal“ hatte berichtet, die US-Zentralbank nehme bereits Ableger europäischer Geldinstitute genauer unter die Lupe. US-Investoren trauten Geldinstituten jenseits des Atlantiks wegen der Euro-Schuldenkrise nicht mehr über den Weg, hieß es weiter.

Bankenwerte gehörten deshalb an der Wall Street zu den größten Verlierern. Der KBW Bankindex büßte 5,6 Prozent ein, die Titel der Citigroup 6,3 Prozent und Morgan Stanley 4,8 Prozent. Auch an den europäischen Börsen hatten die Aktien von Banken kräftig Federn lassen müssen.

Bauchschmerzen bereitete den Anlegern zudem eine ganze Reihe schwacher Konjunkturdaten: Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe legten unerwartet stark zu, die Teuerung fiel höher aus als erwartet, Immobilienverkäufe gingen deutlich zurück und auch die Industrie erlebt offenbar eine neue Flaute.

Zu den größten Verlierern des Tages gehörten auch die Papiere von NetApp , die sich mehr als 14 Prozent verbilligten. Der Anbieter von Datenspeicher-Lösungen stellte zuletzt eine schwache Geschäftsentwicklung in Aussicht und begründete dies mit rückläufigen Ausgaben von Großkonzernen und Regierungen.

Die Aktien von Hewlett-Packard brachen um mehr als sechs Prozent ein. Das Unternehmen plant einen Radikalumbau, um seine Schwächephase zu überwinden. Zudem senkte der Konzern seinen Ausblick.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,61 Milliarden Aktien den Besitzer. 173 Werte legten zu, 2896 gaben nach und 47 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,75 Milliarden Aktien 226 im Plus, 2348 im Minus und 49 unverändert.

Von

rtr

Kommentare (13)

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Georg

18.08.2011, 20:02 Uhr

Haha,

die Hauptverursacher der Erschütterungen des Systems des Finanzkapitalsimus haben Angst vor dem "Rebound".
Geschieht ihnen recht!

POPPER

18.08.2011, 20:23 Uhr

Die hier vorgestellte These: "Furcht vor Schuldenkrise führt zu Kursstürzen" ist schlichter Unsinn. Es gibt keinen Grund von der immer noch anhaltenden Finanzkrise abzulenken, und den Staaten den Schwarzen Peter zuzuschieben. Was ist den seit 2008 passiert, was den Weg, auf dem sich die Börsen befinden, verändert hätte. Es wurde nichts weiter getan als Rettungsschirme aufgespannt. Reguliert wurde nichts. Die Banken haben sich auf die Staaten gestürzt und mit beispielloser Spekulation die Schulden weiter hochgetrieben. Wenn nun der Eindruck erweckt wird, das Problem seien die Staatsschulden, dann kommt das über ein Behaupten nicht hinaus. Es ist doch eher so, dass die Spekulationsspirale zu einer weiteren Blasenbildung geführt hat, und das Kapital sucht krampfhaft nach weiteren Anlagemöglichkeiten. Da es diese immer weniger gibt ensteht eine künstlich erzeugte Verunsicherung, aus der die institutionellen Anleger wieder Kapital schlagen wollen. Dann werden die systemischen Institute wieder beim Steuerzahler Schlange stehen, damit er sie in weiteres Mal rettet.

Account gelöscht!

18.08.2011, 20:50 Uhr

Der Bullenmarkt ist vorbei, wir werden einen längerfristigen Bärenmarkt sehen. Natürlich kann es immer mal wieder Ausbrüche nach oben geben, doch die Fundamentaldaten stimmen weltweit sehr nachdenklich. In Deutschland belastet zudem die ungeklärte Eurofrage die Märkte. Wo steht unsere Währung in zwei Jahren? Hier brauchen wir endlich eine ehrliche und vor alle Dingen umfassende Diskussion. Die Rufe nach Rettungsschirmen und gemeinsamen Eurobonds führen uns in eine Sackgasse. Selbst mit exremen Finanzmitteleinsatz lässt sich das Auseinanderklaffen der Wirtschaften der Euro-Nationen nicht aufzuhalten. Die solider wirtschaftenden Geberländer können weder eine Daueralimentierung der Krisenländer schultern, noch verändern Transferleistungen die Strukturdefizite der betroffenen Staaten im Kern. Wir müssen anerkennen, dass der Euro nicht funktioniert, eher spaltet statt eint, keinen Wohlstand, sondern Missstände produziert. Europas Bevölkerung befindet sich in Geiselhaft in einem politisch motivierten, doch wirtschaftlich zum Scheitern verurteilten Währungsexperiment.

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