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25.01.2007

21:59 Uhr

US-Börsenaufsicht SEC

Treibjagd im Netz

VonChristian Schnell

Normalerweise gibt sich die US-Börsenaufsicht SEC eher verschwiegen. Doch bei der Präsentation des so genannten „Office for Internet Enforcement" macht man gerne eine Ausnahme.

WASHINGTON. Dass der Raum keine Fenster hat, ist nicht außergewöhnlich für ein amerikanisches Büro. Und auch dass die Klimaanlage gegen die Abwärme der rund zwei Dutzend Rechner die Oberhand behält, die hier auf geschätzten 15 Quadratmetern vor sich hin strahlen, überrascht nicht. Wir sind im „Office for Internet Enforcement (OIE)“, dem neuen Stolz der ansonsten US-Börsenaufsicht SEC. Und gleichzeitig in der Abteilung, in der das Arbeitsaufkommen wächst wie sonst nirgends im nagelneuen zehnstöckigen Gebäude direkt neben der prunkvollen Washingtoner Union Station. Denn das Thema Finanzbetrug über das Internet, mit dem sich die 25-köpfige Abteilung dort befasst ist, hat Hochkonjunktur.

Was im Sommer 1998 im kleinen Stil begann – damals bekam die United States Securities and Exchange Commission, so der offizielle Name der SEC, rund 120 Hinweis-Mails besorgter Bürger pro Tag, ist im vergangenen Jahr auf 1,4 Millionen gestiegen. So viele Anregungen, Anzeigen und Beschwerden gingen bei der OIE in den acht Jahren ihres Bestehens zusammen ein. Dass diese Zahl 2007 kräftig steigen wird, gilt als sicher. Nach „Beschwerden“, „Tipps“, „Spams“ und „Fragen“ ist die Seite www.sec.gov schon aufgeteilt, um der Masse von Anfragen Herr zu werden.

Das hörte sich im Sommer 1998 noch entspannter an. „Ungeachtet dessen, dass das Internet viele Vorteile bietet, so gibt es doch eine kleine Gruppe von Dieben, die versucht, unbedachte Investoren auf dem Informations-Superhighway zu berauben“, sagte der damalige SEC-Director Richard Walker bei der Gründung. Neun Jahre später ist aus dem Experiment, das mit einer knappen Hand voll Leuten seinen Anfang nahm, eine respektable Abteilung geworden.

Denn die Betrüger werden immer dreister und die Schäden immer höher. Die Bandbreite der Varianten, über die sie inzwischen an das Geld der Anleger wollen, ist schier unendlich. Spam, der normale Mail-Müll und Phishing, das versuchten „Abfischen“ von Kontoinformationen, sind die geläufigsten Versuche des Finanzbetrugs. Dass deren Optik und Sprache, die in der Vergangenheit oft rudimentär und deswegen auf den ersten Blick zu erkennen waren, immens professionalisiert wurden, ist die eine Seite des Problems. Neueste Masche dabei: Sind Kontendaten ausspioniert, werden damit über das Internet schnell Autos, Schmuck oder Uhren gekauft. Ehe der Kontoinhaber den Schaden bemerkt, ist der Betrüger mit der Ware davon.

Hinzu kommen immer mehr illegale Insider-Geschäfte, oft auch unmittelbar vor einer Aktienplatzierung eines Unternehmen. Erst kürzlich wurde eine Gruppe aufgedeckt, die sich über das Internet verabredete, vor einer geplanten Kapitalerhöhung massiv „short“ zu gehen, also mit Leerverkäufen den Kurs zu drücken, erzählt OIE-Chef John Reed Stark aus den Nähkästchen. Der 43-jährige Familienvater ist von Anfang an dabei und berichtet auf seiner eigenen Web-Site „www.johnreedstark.com“ ausführlich über die interessanteste Fälle aus der Praxis.

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