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16.10.2013

13:02 Uhr

US-Finanzstreit

Ausfallprämien für US-Staatsanleihen steigen

Die anhaltende Blockade beim Haushaltsstreit in den USA treibt die Kosten der Kreditausfallversicherung auf ein erhöhtes Niveau. Andere Staaten wie etwa Argentinien haben aber noch höhere Ausfallprämien.

Etatstreit: Absolut betrachtet sind die Kosten bei US-Staatspapieren noch recht überschaubar: dpa

Etatstreit: Absolut betrachtet sind die Kosten bei US-Staatspapieren noch recht überschaubar:

New York/ FrankfurtDie Kosten der Kreditausfallversicherungen für US-Staatsanleihen halten sich angesichts des politischen Dauerstreits um Haushalt und Schuldengrenze auf erhöhtem Niveau. Allerdings liegen sie deutlich niedriger als während des letzten Budgetpokers vor zwei Jahren.

Am Mittwoch kostete eine Ausfallversicherung (CDS, Credit Default Swap) für US-Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit etwa 40 Basispunkte beziehungsweise 0,40 Prozent der versicherten Summe. In der vergangenen Woche war die Prämie mit fast 45 Basispunkten in Richtung des höchsten Stands im laufenden Jahr geklettert.

Seit der Konflikt um die Staatsfinanzen zwischen Demokraten und Republikanern wieder entflammt ist und die Frist für die Erhöhung der Schuldenobergrenze näher rückte, haben die Kosten für die Ausfallversicherungen stark zugelegt. Vor einem Monat hatten sie noch bei lediglich 20 Basispunkten gelegen. Trotz des deutlichen Anstiegs bleibt das Niveau sowohl im internationalen als auch im historischen Vergleich aber gering.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Andere akut von der Zahlungsunfähigkeit bedrohte Staaten wie Argentinien liegen massiv darüber. Bei Anleihen von Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien, bei denen ein Zahlungsausfall derzeit kein Thema ist, sind die Versicherungsprämien ebenfalls viel höher.

Auch absolut betrachtet sind die Kosten bei US-Staatspapieren noch recht überschaubar: Eine Versicherungsprämie von für US-Verhältnisse relativ hohen 45 Basispunkten bedeutet, dass zur Absicherung einer Anleihe mit einem Nennwert von beispielsweise 10 000 Dollar ein jährlicher Betrag von 45 Dollar fällig wird.

Als den USA im Sommer 2011 schon einmal die Zahlungsunfähigkeit drohte, weil sich die Parteien lange nicht auf eine Anhebung der gesetzlichen Schuldengrenze einigen konnten, stiegen die CDS-Prämien bis auf fast 70 Basispunkte an. Von diesem Level ist man heute weit entfernt. Allerdings hatte damals die Ratingagentur Standard & Poor's die USA erstmals überhaupt mit einem Entzug der Top-Bonität abgestraft.

Von

dpa

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