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23.02.2014

13:42 Uhr

US-Großinvestor

George Soros will Geld in Europas Banken pumpen

US-Großinvestor George Soros entdeckt den alten Kontinent: Er glaube an den Euro und investiere in europäische Banken. Bald könnte Soros auch in Griechenland groß einsteigen.

Der Starinvestor George Sorros will in Europa Kasse machen. ap

Der Starinvestor George Sorros will in Europa Kasse machen.

FrankfurtDer US-Großinvestor George Soros will in den europäischen Finanzsektor einsteigen. „Ich glaube an den Euro“, sagte Soros dem Magazin „Der Spiegel“. „Deshalb freut sich mein Anlage-Team nun, bald jede Menge Geld in Europa zu verdienen - indem wir etwa Geld in Banken pumpen, die dringend Kapital benötigen.“

Genau diese Art von privatem Engagement brauche die Euro-Zone jetzt. Soros blickt dabei auch auf das hochverschuldete Griechenland. „Die wirtschaftlichen Bedingungen im Land haben sich verbessert“, sagte der 83-Jährige. „Jetzt geht es um die Frage, ob man dort dauerhaft Geld verdienen kann - wenn das möglich ist, werden wir investieren.“

Soros erneuerte seine Kritik an der Euro-Rettungspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Die Sparpolitik, die Kanzlerin Merkel Europa aufgezwungen hat, war falsch. Sie hat die Krise unnötig verschärft.“ Die Lage an den Finanzmärkten habe sich zwar beruhigt, aber von einem dauerhaften Aufschwung könne keine Rede sein. „Ich fürchte, dass die Euro-Zone eine ähnlich lange Phase ökonomischer Stagnation erleben könnte wie Japan in den vergangenen 25 Jahren.“

Sorgen bereitet dem langjährigen Hedgefonds-Manager auch die hohe Verschuldung in China. „Da spielt sich ein Drama ab“, sagte Soros. „Der private Schuldenstand in China ist viel schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung.“ Chinas Führung habe lange Zeit nichts gegen die Schuldenexplosion unternommen, weil sie nur am Wirtschaftswachstum interessiert sei. „Die Behörden müssen endlich die heimische Nachfrage ankurbeln“, forderte Soros.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Soros hat in der Vergangenheit wiederholt mit Äußerungen zur Finanzpolitik und Investmentstrategien für Aufsehen gesorgt. Seinen Ruhm innerhalb der Investmentbranche begründete er Anfang der 1990er Jahre mit seinen erfolgreichen Marktwetten gegen das Britische Pfund. Sein Gesamtvermögen wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt. Soros gründete 1969 einen der ersten Hedgefonds überhaupt.

Von

rtr

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