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23.09.2013

09:48 Uhr

US-Notenbank

Auf Messers Schneide

Die Ankündigung der Fed, weiterhin Staatsanleihen zu kaufen, sorgte weltweit für Verwerfungen an den Börsen. Berichte zeigen: Die Entscheidung stand auf Messers Schneide, eine Reduzierung ist doch im Oktober möglich.

Federal-Reserve-Chef Ben Bernanke verkündet eine knappe Entscheidung. AFP

Federal-Reserve-Chef Ben Bernanke verkündet eine knappe Entscheidung.

Die Märkte spielten verrückt, als die US-Notenbank Federal Reserve verkündete, weiterhin US-Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden zu kaufen. Nun fragen sich Anleger, wie lange diese Entscheidung Bestand hat. Die US-Notenbank könnte nach den Worten von Fed-Mitglied James Bullard ihre Anleihekäufe bereits im Oktober etwas zurückfahren. Bei der Sitzung des Offenmarktausschusses vergangene Woche habe die Beibehaltung des Kaufvolumens auf Messers Schneide gestanden.

„Es war eine knappe Entscheidung“, nachdem „schwächere Daten hereingekommen waren“, sagte der Präsident der Federal Reserve Bank of St. Louis im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er verfügt dieses Jahr im Offenmarktausschuss über ein Stimmrecht. „Der Ausschuss kam überein: 'lasst uns abwarten'.“

Die Gewinner und Verlierer der Fed-Entscheidung

Immobilienfinanzierung

Verlierer: Alle, die in den vergangenen zwei Wochen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen haben: Der Zins für eine 30-jährige Hypotheken-Anleihe des Immobilienfinanzierers Fannie Mae lag zeitweise bei vier Prozent. Nach der Fed-Entscheidung fiel er auf 3,35 Prozent. Das signalisiert, dass die Zinskosten für langfristige Finanzierungen zum Wohnungs- oder Häuserkauf fallen dürften.

Dollar

Verlierer: Er fiel so stark wie seit drei Monaten nicht mehr, und das gleich gegen einen ganzen Korb von anderen Währungen. Der Greenback war deshalb so billig wie seit Februar nicht mehr. Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Fed deutlich weniger Geld in den Markt pumpen und absehbar eine Zinswende einleiten wird. Höhere Zinsen würden auch eine höhere Rendite für den Dollar nach sich ziehen.

Anleihen

Verlierer: Anleihe-Investoren - zumindest die, die Fed-Chef Ben Bernanke beim Wort genommen und auf einen Einstieg in den Ausstieg der extrem lockeren Geldpolitik gesetzt hatten. Allein in der vergangenen Woche wurden 85.000 Future-Kontrakte für zehnjährige US-Staatsanleihen auf "Verkaufen" gestellt, weil die Anleger mit fallenden Kursen rechneten. Doch das Gegenteil passierte: Der Kurs kletterte wegen der überraschenden Fed-Entscheidung.

Gold

Gewinner: Der Preis für das Edelmetall stieg um 4,2 Prozent. Noch stärker legten die Kurse der Bergwerksbetreiber zu. Der Nyse Arca GoldMiners Index kletterte um 9,2 Prozent. Börsengehandelte Fonds (ETF) verzeichneten noch größere Gewinne: Der Direxion Daily Gold Miners Bull 3x fund stieg um 27,5 Prozent, wobei 9,6 Millionen Papiere gehandelt worden - so viele wie noch nie. Der Kurs für das als sicherer Anlagehafen genutzte Edelmetall war zuvor in diesem Jahr um rund 20 Prozent gefallen, da Anleger auf ein Ende der Geldflut spekuliert hatten.

Euro

Gewinner: Er kletterte auf 1,3555 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Die Gemeinschaftswährung gewann mehr als ein Prozent zum Yen und kostete 133,985 Yen, damit ist er so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend lockeren Fed-Geldpolitik fragen Investoren riskantere Anlagen nach und stoßen als sichere Häfen geltende Investments wie den Yen ab.

US-Häuslebauer

Gewinner: Die stark gefallenen Zinsen versprechen Rückenwind für Bauherren, die ihre Immobilien mit Krediten finanzieren. Die Papiere des Projektentwicklers D.R. Horton gewannen 6,9 Prozent und die von KB Home 8,2 Prozent, weil Investoren mit steigenden Aufträgen rechnen.

William Shatner, besser bekannt als "Captain Kirk"

Gewinner: Noch nie in der langen Geschichte des S&P-500-Indexes ist eine einzelne Aktie 1000 Dollar oder mehr wert gewesen. Der Reise-Anbieter Priceline.com - der in seinen Anzeigen mit dem "Star Trek"-Darsteller Shatner wirbt - könnte diese Marke nun knacken. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 995,09 Dollar.

Die US-Notenbank hatte vergangene Woche davon abgesehen, ihre Anleihekäufe im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar zu reduzieren. Die Währungshüter wollen zuerst mehr Hinweise auf ein nachhaltiges Stellenwachstum sehen. Federal-Reserve-Chairman Ben Bernanke sagte am 18. September, dass die Entscheidung über die Bondkäufe letztlich davon abhänge, „was für die Wirtschaft notwendig ist“.

Bullard hält eine Rücknahme der quantitativen Lockerung im kommenden Monat für möglich. Die bis dahin eingehenden Daten könnten „dem Ausblick eine andere Note“ verleihen, so dass es dem Ausschuss leichter fallen könnte, einen „kleinen Rückbau im Oktober“ zu beschließen.

Die nächste FOMC-Sitzung findet am 29. und 30. Oktober statt. Der Präsident der St.-Louis-Fed verwies darauf, dass bis dahin der Arbeitsmarktbericht für September sowie die Revisionen der Vormonate vorliegen, ebenso wie neue Daten vom Häusermarkt.

An den Märkten wurde bereits bei der jüngsten Sitzung eine Verringerung des Kaufvolumens erwartet. Daher traf die Fed- Entscheidung viele Anleger unvorbereitet. „Ich bin ein wenig bestürzt über all jene an den Märkten, die sagen, dass sie überrascht wurden“, sagte Bullard. Schließlich hätten die Fed- Mitglieder immer wieder betont, dass die Bondkauf-Reduzierung „datenabhängig“ sei.

Kommentare (2)

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sins

23.09.2013, 14:41 Uhr

Zitat aus diesem Artikel:
"An den Märkten wurde bereits bei der jüngsten Sitzung eine Verringerung des Kaufvolumens erwartet. Daher traf die Fed- Entscheidung viele Anleger unvorbereitet. „Ich bin ein wenig bestürzt über all jene an den Märkten, die sagen, dass sie überrascht wurden“, sagte Bullard. Schließlich hätten die Fed- Mitglieder immer wieder betont, dass die Bondkauf-Reduzierung „datenabhängig“ sei."

Das HB hat auch immer wieder eine Anleihekauf-Reduzierung ins Spiel gebracht und sich dann "überrascht" gezeigt. Auch mal an die eigene Nase fassen!!!!

Account gelöscht!

24.09.2013, 10:29 Uhr

"Der Sparer erzeugt mehr Ware, als er selbst kauft, und der Überschuß wird von den Unternehmern mit dem Geld der Sparkassen gekauft und zu neuen Realkapitalien verarbeitet. Aber die Sparer geben das Geld nicht her ohne Zins, und die Unternehmer können keinen Zins bezahlen, wenn das, was sie bauen, nicht wenigstens den gleichen Zins einbringt, den die Sparer fordern. Wird aber eine Zeitlang an der Vermehrung der Häuser, Werkstätten, Schiffe usw. gearbeitet, so fällt naturgemäß der Zins dieser Dinge. Dann können die Unternehmer den von den Sparern geforderten Zins nicht zahlen. Das Geld bleibt in den Sparkassen liegen, und da gerade mit diesem Geld die Warenüberschüsse der Sparer gekauft werden, so fehlt für diese jetzt der Absatz, und die Preise gehen zurück. Die Krise ist da."

(aus "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld", 1916)

20 Jahre später bezeichnete der "Jahrhundertökonom" J. M. Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie (der Beschäftigung der Politik)" dieses Phänomen, das sich zwangsläufig aus der Verwendung von hortbarem Geld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion (Zinsgeld) ergibt, als "Liquiditätsfalle" – und beschrieb zwei Mittel, um sie hinauszuzögern: Erhöhung der Staatsverschuldung mit Ausgabe des Geldes für Projekte, die den Zinsfuß nicht senken (Löcher graben und wieder zuschaufeln, Kriegsrüstung, etc.), und Geldmengenausweitung.

Um aus der Liquiditätsfalle herauszukommen, muss eine umfassende Sachkapitalzerstörung den Zinsfuß anheben. Diese früher sehr beliebte "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" konnte jedoch nur solange der "Vater aller Dinge" sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

Was nun?

Silvio Gesell: "Wer es vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen, statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen" (und nicht die ganz hohe Kunst, das Geld NICHT zu verstehen):

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

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