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03.08.2011

06:14 Uhr

US-Schuldenkompromiss

Die Ratingagenturen halten still - noch

Der Finanzkrimi geht weiter: Zwar hat auch der Senat die Erhöhung des US-Schuldenlimits gebilligt. Doch jetzt kommt es darauf an, ob die Ratingagenturen damit zufrieden sind. Scharfe Kritik kommt außerdem aus China.

Die Ratingagenturen beäugen die US-Finanzpolitik. Quelle: dpa

Die Ratingagenturen beäugen die US-Finanzpolitik.

Washington/New YorkAuch nach der Einigung im US-Schuldenstreit droht den USA eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen. Moody's bestätigte am Dienstag zwar die Bonitäts-Spitzennote „AAA“, versah sie jedoch mit einem negativen Ausblick. Damit könnte das Rating in den nächsten zwölf bis 18 Monaten gesenkt werden.

Auch Fitch hielt zunächst an der „AAA“-Einstufung fest, mahnte allerdings auf mittlere Sicht eine stärkere Schuldenreduzierung angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung an. Fitch machte zugleich klar, dass sie die Entwicklung weiter "scharf" im Auge behalten wird. Die Vereinbarung über eine Erweiterung des Kreditrahmens sei klar ein Schritt in die richtige Richtung, so Fitch. Aber die USA, genauso wie ein großer Teil Europas, müssten sich vor dem Hintergrund einer schwachen Wirtschaft auch harten Entscheidungen über Steuern und Ausgaben stellen, „wenn das Haushaltdefizit und die Staatsverschuldung auf sicherere Ebenen verringert werden sollen“.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Gespannt wird nun auf eine Äußerung von Standard & Poor's gewartet. Viele Finanzmarktteilnehmer hielten eine schlechtere Bewertung durch S&P für eine realistische Möglichkeit, sagte Analyst Gennadiy Goldberg von 4Cast Ltd. Die Agentur hatte Mitte Juli erklärt, die Chancen einer Herabstufung in den kommenden drei Monaten stünden bei 50 zu 50, je nachdem wie der Schuldenstreit in Washington ausgehe. Das Defizit müsse um vier Billionen Dollar gedrückt werden.

Der am Dienstag nach wochenlangem Ringen in trockene Tücher gebrachte Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern sieht Einsparungen von etwas mehr als zwei Billionen Dollar vor. Moody's bezeichnete den erzielten Kompromiss als ersten Schritt hin zum Erreichen einer langfristigen Haushaltskonsolidierung.

Es bestehe aber das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin im kommenden Jahr nachlassen sollte oder 2013 weitere Konsolidierungsmaßnahmen ausblieben. Auch eine deutliche Verschlechterung der Konjunkturerwartungen oder ein Anstieg der Finanzierungskosten könnten demnach zu einer schlechteren Bewertung der Bonität führen.

Kommentare (21)

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exciting

02.08.2011, 19:28 Uhr

Am Ende der Fahnenstange gibts wenig mehr als Luft anzutasten: schön, daß man das bei einer Ratingsagentur offenkundig auch so zu sehen scheint.

Account gelöscht!

02.08.2011, 19:32 Uhr

Die USA haben mit ihrem Hickhack um die Schuldenerhöhung vielleicht ein wenig die Zahlungsunfähigkeit verschoben, aber gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Märkte auf sich gezogen. Das war wohl etwas zuviel des Guten. Denn statt die Krise zu verhindern, wie man geglaubt hat, ist hiermit endgültig die Talfahrt der der Bören eingeleitet worden und die Krise nun endgültig eröffnet.

XRay

02.08.2011, 19:45 Uhr

Jemand, der Geld drucken kan, wird nie zahlungsunfähig.
Warum ist das eigentlich so schwer zu begreifen ?

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