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06.06.2013

11:08 Uhr

US-Staatsanleihen

Steigend Bond-Renditen erfreuen Anshu Jain

Die Deutsche Bank rechnet mit einem Ende der Staatsanleihen-Käufe der US-Notenbank Fed noch im Laufe dieses Jahres. Spekulationen auf den allmählichen Exit treiben die Renditen. „Das ist sehr gesund“, sagt Jain.

Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank in guter Laune. dpa

Anshu Jain, Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank in guter Laune.

Die Investoren setzen auf eine Kurskorrektur der US-Notenbank Fed. Die durch Spekulationen auf eine Reduzierung der Anleihekäufe der Fed in die Höhe getriebenen Bondrenditen sind nach Einschätzung von Anshu Jain, dem Co-Vorstandschef der Deutsche Bank, gut für die Märkte.

“Das ist sehr gesund”, erklärte Jain am Dienstag auf einer Konferenz in New York als Antwort auf die Frage eines Anlegers zur US-Geldpolitik. “Wir haben gesehen, was 2007 passiert ist, als die Kurse auf sehr hohe Niveaus geklettert sind. Jetzt müssen sie es natürlich richtig machen und die angemessene Geschwindigkeit treffen.”

Wie sich Zinssenkung der EZB auswirken

Extreme Maßnahme

Der Leitzins in der Eurozone liegt mit 0,75 Prozent bereits auf einem historischen Tiefstand.

Wem nutzen niedrige Zinsen?

Zinssenkungen schwächen tendenziell den Wechselkurs des Euro. Davon würden die Exporteure profitieren. Die Hoffnung der Währungshüter ist, dass das billige Geld auch bei Unternehmen und Verbrauchern ankommt: Sinkende Zinsen verbilligen tendenziell Kredite. Auch die Zinsen für Staatsanleihen sollten dadurch etwas sinken. Bisher ist das Problem allerdings, dass die niedrigen Zinsen kaum in den Peripherieländern ankommen.

Bekomme ich bald weniger Zinsen auf dem Sparbuch?

Zinssenkungen werden in der Regel schnell an die Kunden weitergereicht - erfahrungsgemäß vor allem bei Angeboten wie Tages- und Festgeld. Anleger müssen also mit sinkenden Sparzinsen rechnen. Allerdings ist der Wettbewerb um Privatkunden sehr groß, gerade in Zeiten strengerer Kapitalvorschriften können es sich Banken nicht leisten, ihre stabile Privatkundschaft zu vergraulen. Gleichzeitig dürften Kredite noch billiger werden.

Wem schaden niedrige Zinsen?

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon warnt, Steuermilliarden und billiges EZB-Geld drohten den Bankenwettbewerb in Europa zu verzerren. Es müsse viel stärker kontrolliert werden, ob Institute mit den Hilfsgeldern nicht Lockvogelangebote finanzierten - und damit zum Beispiel den deutschen Instituten auf ihrem Heimatmarkt die Kunden abjagten. „Man kann in bestimmten Notsituationen mal Feuer mit Feuer bekämpfen“, sagt der DSGV-Präsident über die Geldpolitik der EZB. „Man muss aber aufpassen, dass man den Brandstifter nicht nach Hause auf den Marktplatz schickt und der einem dort die Dorfkirche anzündet.“

Welche Mittel gegen die Krise hat die EZB noch im Köcher?

Die Notenbank könnte wieder Anleihen klammer Staaten kaufen. Damit könnte sie vor allem Spanien und Italien helfen. Zu den Befürwortern dieses Schrittes gehört IWF-Chefin Christine Lagarde. Aus ihrer Sicht sind Anleihekäufe gezielt einsetzbar, während Zinssenkungen auch Staaten wie Deutschland beträfen, die keine Lockerung der Geldpolitik bräuchten. Die EZB startete ihr Anleihenkaufprogramm (SMP) 2010 und hat aktuell Staatspapiere im Wert von mehr als 210 Milliarden Euro in der Bilanz.

Was spricht für den Einsatz dieses Mittels, was dagegen?

Viele sehen im massiven Kauf von Anleihen durch die EZB den einzigen Weg, die hohen Zinsen zu drücken, die Länder wie Spanien oder Italien derzeit am Markt bezahlen müssen. Fraglich ist aber, wie dauerhaft die Renditen damit gesenkt werden können. Bundesbank- Präsident Jens Weidmann sieht die Gefahr, dass mit einem solchen Eingriff der EZB der Reformdruck in den Krisenländern sinken könnte. Ohnehin sind Anleihenkäufe durch die Notenbank wegen der Nähe zur unerlaubten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse umstritten. Das Programm ruht seit Monaten - und wird so schnell nicht reaktiviert, wie EZB-Ratsmitglied Klaas Knot betonte: „Das Anleihekaufprogramm schläft tief und fest und das wird auch so bleiben.“

Wird die EZB das Bankensystem nochmals mit billigem Geld fluten?

Theoretisch könnte die EZB jederzeit beschließen, den Banken ein weiteres Mal billiges Geld über einen langen Zeitraum zu leihen, um so das Austrocknen des Bankensystems zu verhindern. Im Dezember und Februar hatten sich Europas Banken insgesamt mehr als eine Billion Euro mit drei Jahren Laufzeit geborgt. Im Moment ist es allerdings eher so, dass einige Banken die Mittel, die sie sich damals geliehen haben, wieder zurückzahlen.

Wie soll die Rolle der Währungshüter künftig aussehen?

Nach dem Willen der Politik soll die EZB künftig auch bei der Bankenaufsicht in Europa eine zentrale Rolle spielen.

Im Mai hatten Treasuries den höchsten monatlichen Verlust seit 2009 verzeichnet, belastet von Spekulationen, dass die Fed ihr Anleihekaufprogramm von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich verringern könnte. Die Volkswirte der Deutschen Bank erwarten laut Jain ein Ende des Kaufprogramms in diesem Jahr, während andere Ökonomen erst 2014 damit rechnen.

Jain bezeichnete die Handlungsweise der Fed als “Jawboning”, also als verbale Beeinflussung der Märkte. Die Zinsen würden diese Information jetzt aufnehmen und in den Kursen widerspiegeln, was nicht schlecht sei, so Jain.

Die Rendite der zehnjährigen Treasuries stieg am 29. Mai bis auf 2,23 Prozent und damit den höchsten Stand seit April 2012. Am 1. Mai hatte sie mit 1,61 Prozent den bisher tiefsten Stand des Jahres markiert, verglichen mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,58 Prozent über die vergangenen zehn Jahre. Am Mittwoch rentierten zehnjährige Treasuries mit 2,14 Prozent.

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