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01.07.2016

11:22 Uhr

US-Zinswende

Pimco stellt sich gegen den Strom

Der Finanzmarkt erwartet vor Ende 2018 keine Zinserhöhung durch die US-Notenbank. Doch Pimco, der weltweitgrößte Anleiheninvestor, ist anderer Meinung und empfiehlt spezielle Bonds, die sich bereits 2016 bewährt haben.

Das Logo von Pacific Investment Management Co (Pimco) in Newport Beach, Kalifornien. Das Unternehmen rechnet mit weiteren  Zinserhöhungen des US-Notenbank. Reuters

Pimco

Das Logo von Pacific Investment Management Co (Pimco) in Newport Beach, Kalifornien. Das Unternehmen rechnet mit weiteren Zinserhöhungen des US-Notenbank.

Nach Ansicht von Pacific Investment Management (Pimco) unterschätzen Händler das Potenzial der Federal Reserve, auch nach dem Brexit-Votum der Briten die Zinsen erhöhen zu können. Der Vermögensverwalter, der die weltweit größten aktiv investierten Anleihefonds betreut, hält es auch für eine gute Zeit, inflationsgeschützte US-Staatsanleihen zu kaufen. Pimco empfiehlt die sogenannten Tips bereits das ganze Jahr. Sie brachten Investoren 2016 bislang 6,6 Prozent Ertrag ein, im Vergleich zu 5,7 Prozent am breiteren Markt. Das zeigen Indexdaten von Bank of America Corp.

Der Finanzmarkt erwartet vor Ende 2018 keine Zinserhöhung der Fed, wie aus einem Bericht des Allianz-Tochterunternehmens Pimco auf dessen Website hervorgeht. „Das erscheint uns nicht plausibel, und wir halten eine Positionierung für ein schnelleres Tempo der Straffung für angebracht“, schrieb Andrew Balls, Chief Investment Officer für Festverzinsliche global, in dem Bericht. „US-Tips sind attraktiv gepreist und bieten einen wertvollen Schutz gegen die Möglichkeit, dass die Inflation in den USA in den kommenden Jahren steigt.“

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Indessen bekommen Investoren unterschiedliche Signale zum Inflationsausblick. Am Terminmarkt haben sich die Öl-Futures im zweiten Quartal um 26 Prozent verteuert - der stärkste Anstieg seit sieben Jahren.

Auf der anderen Seite sank ein Messwert für US-Inflationserwartungen in dieser Woche auf ein Rekordtief. Die fünfjährige Fünfjahres-Forward Breakeven-Rate, die von der Fed als Indikator verwendet wird, fiel auf 1,31 Prozent - der niedrigste Wert laut Daten von Bloomberg, die bis 1999 zurückreichen. Der Wert ist die Projektion für den Anstieg der Verbraucherpreisrate von 2021 bis 2026.

„Die Weltwirtschaft ist nicht stark“, sagte Hajime Nagata, Bondinvestor bei Diam Co. in Tokio. Er geht von einer sehr niedrigen Inflationsrate in den USA aus und denkt nicht, dass die Fed jetzt handeln wird. Nagata setzt auf weitere Gewinne bei US-Staatsanleihen, wobei er Bonds mit einer längeren Duration hält als in der Benchmark, an der er die Entwicklung seiner Investments misst.

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