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01.02.2011

08:02 Uhr

Verbriefungen

Deutsche Bank traut sich an zwei heiße Eisen ran

VonRolf Benders, Peter Köhler, Robert Landgraf, Michael Maisch

Kreditverbriefungen und US-Immobilien waren Schlagworte, mit denen man in der Finanzkrise jeden Investor vergraulen konnte. Doch auch auf diesem Gebiet gibt es Entspannung. Die Deutsche Bank plant jetzt zusammen mit der UBS eine mit US-Gewerbeimmobilien unterlegte Anleihe. Eine mutige Entscheidung.

Die Deutsche Bank setzt wieder auf US-Immobilien DAPD

Die Deutsche Bank setzt wieder auf US-Immobilien

NEW YORK, FRANKFURT, LONDON. Lange Zeit wollten Großanleger nichts mehr mit Wertpapieren zu tun haben, die auf Immobilien setzen. Die Finanzkrise hatte ihnen schließlich massive Kursverluste beschert. Doch nun erholt sich der Markt allmählich wieder. Die Deutsche Bank und die Schweizer Bank UBS planen eine milliardenschwere Verbriefung, die mit Krediten aus US-Gewerbeimmobilien unterlegt sind. Das Volumen soll bei 2,2 Milliarden Dollar liegen. Die beiden Banken wollten sich dazu nicht äußern.

Die Emission wäre die größte, seit der Markt im Juni 2008 einfror, berichten Finanzkreise. Wenn das Projekt klappt, wäre das Eis gebrochen für weitere ähnliche Verbriefungen gerade auch von europäischen Banken, schätzen Experten. Die US-Bank JP Morgan plant ebenfalls ähnliche Wertpapiere im Milliardenvolumen zu emittieren.

Derzeit führten die Deutsche Bank und die UBS Gespräche mit potentiellen Investoren, berichten Insider. Die beiden Banken loten aus, inwieweit Großanleger bereit sind, sich in den sogenannten Asset Backed Securities (ABS) zu engagieren, die mit Gewerbeimmobilien besichert sind. Ein Verkauf dieser auch Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) genannten Papiere galt bisher als besonders schwierig. Das Wertpapier wird mit Hypotheken auf Einkaufszentren, Hotels und Bürogebäuden unterlegt.

Noch viel Überzeugungsarbeit nötig

Die Laufzeit der Spezialbonds beträgt für die mit der besten Bonitätsnote "AAA" ausgestatteten Tranche fünf, sieben oder zehn Jahre, berichten Investorenkreise. Es gibt aber auch Tranchen mit schlechteren Noten, die bis zu einer mittleren Qualität von "BBB+" gehen. Mit dem Schritt wollten Institute wie die Deutsche Bank und UBS ihre Bilanzen von Gewerbehypotheken erleichtern, heißt es.

Bevor der CMBS-Markt wieder zur Normalität übergeht, bedarf es allerdings noch viel Überzeugungsarbeit: "Die Wertpapiere haben bei Fonds, Versicherungen und Pensionskassen derzeit noch ein Imageproblem", sagt Gunnar Regier, Chef des Märktebereiches JP Morgan in Deutschland und Österreich. Das lasse sich erst längerfristig lösen. Dennoch sieht Regier einige Emissionen in der Vorbereitung und erwartet angesichts der niedrigen Zinsen eine langsame Auflösung der ablehnenden Haltung von Großinvestoren bei diesen Wertpapieren.

Davon ist auch der Immobilienmakler Jones Lang Lasalle überzeugt. Bereits im ersten Quartal rechnet er mit Platzierungen von amerikanischen CMBS über acht Milliarden Dollar. Das wäre soviel wie in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres zusammen. Der Grund: Die bereits am Sekundärmarkt gehandelten Papiere haben deutliche Kursgewinne erzielt. Wegen der Wirtschaftserholung wird damit gerechnet, dass die Leerstandsquote etwa bei Bürogebäuden nach gut 19 Prozent in diesem Jahr drastisch fallen wird. So legte der Barclays Capital Aggregate Index für CMBS 2010 um 13 Prozent zu. Gleichzeitig kehren die Emittenten bei der Konstruktion der Papiere zu den risikoärmeren Standards aus den späten 90er Jahren zurück, um Investoren zu interessieren. "Viele nennen diese neuen Platzierungen CMBS 2.0", sagte Dustin Stolly, Manager bei Jones Lang Lasalle. Unter anderem sehen diese Standards größere Sicherheitspuffer vor, wenn einzelne Kredite ausfallen.

Kommentare (5)

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Roemi

01.02.2011, 10:07 Uhr

Das Spiel der Deutschen bank geht also wieder von vorne los:

Kredite, die sie vergeben hat und die aufgrund der schlechten Aussichten in den USA bald notleidend werden könnten schnell verbriefen, AAA-Stempel von der Rating-Agentur raufknallen lassen und raus damit an Landesbanken oder Pensionsfonds, die bei aktuellem Zinsniveau auf der Suche nach der etwas besseren Rendite begeistert zuschlagen werden. Wenn dann der Gewerbeimmobilienmarkt in die Knie geht, stellt sich Mr. A. wieder als Strahlemann hin und brüstet sich damit, seine bank hätte mit der neuen Krise wieder nichts zu tun.

Hoffentlich sind in den Chefetagen der "investoren" inzwischen die unfähigen Manager ausgetauscht worden und sie lassen die Deutsche bank dieses Mal ihre Suppe selber auslöffeln.

w.schwachtel@gmx.de

01.02.2011, 11:18 Uhr

Haha, selten so gelacht. Jetzt soll das ganze wiederholt werden - man hofft, das die Leute alles schon wieder vergessen haben. immoblase 2.0 soll wieder aufgepumpt werden - anders geht es ja halt auch nicht.

"Noch viel Überzeugungsarbeit nötig" Dieser Satz im Artikel bedeutet. Es müssen jetzt massiv die Leute belallte, beschwatzt und überredet werden. Dazu werden natürlich Spezialisten eingesetzt, die das psychologisch können und unter anderem NLP verwenden. Es geht erstmal drum die Fondmanager zu "überzeugen". Später werden dann wieder "Pakete" geschnürrt und dem Volk als 100% sicher verkauft.

Man glaubt es nicht, wie doof und verblödet die Menschehit bei Gelddingen ist.

BWLStudent

01.02.2011, 11:33 Uhr

@Roemi: in welchem Fall hat die Deutsche bank sich soetwas zu schulde kommen lassen? Mir ist derartiges nicht bekannt.

Selbst wenn es so wäre: Zu so einer Aktion gehört immer noch ein Dummer, der mitspielt :-D

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