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19.02.2014

15:45 Uhr

Verhängnisvoller Kursverlauf

Wer hat Angst vorm „Schwarzen Freitag“?

VonJörg Hackhausen

Ein Börsenchart geht um die Welt – und zeigt erstaunliche Parallelen zwischen 1929 und heute. Nun fürchten Anleger einen Crash wie damals am „Schwarzen Freitag“. Dabei ist alles nur ein raffinierter Trick.

Börsenkrach 1929: Menschen versammeln sich vor dem Gebäude der New York Stock Exchange. ap

Börsenkrach 1929: Menschen versammeln sich vor dem Gebäude der New York Stock Exchange.

DüsseldorfEine Linie, die einer anderen Linie ganz ähnlich sieht – das reicht aus, um die Börsenwelt in Angst und Schrecken zu versetzen. Nach einem Vergleich der beiden Linien sind reihenweise Anleger davon überzeugt, dass ein großer Börsencrash unmittelbar bevorsteht.

Wenn Sie nun an der Zurechnungsfähigkeit mancher Finanzprofis zweifeln, dann kennen Sie vermutlich den sogenannten „Chart of Doom“ noch nicht, den Chart des Grauens. Dieser Börsenchart kursiert seit Ende vergangenen Jahres im Internet. Seitdem geht er um die Welt. Nachdem die Medien in den vergangenen Tagen auf das Thema angesprungen waren, erreichte der Hype seinen Höhepunkt.

Die besagte Grafik zeigt den Kursverlauf am amerikanischen Aktienmarkt – einmal im Jahr 1929 und einmal heute. Das Erstaunliche: Beide Kurven scheinen fast deckungsgleich zu verlaufen.

Wiederholt sich die Geschichte? Zwischen 1929 und heute gibt es angeblich deutliche Parallelen.

Wiederholt sich die Geschichte? Zwischen 1929 und heute gibt es angeblich deutliche Parallelen.

An der US-Börse ging es von Anfang 1928 bis September 1929 steil nach oben. Was dann passierte, ist bekannt: Am 24. Oktober 1929 brach der Dow Jones ein. Einen Tag später erreichte die Nachricht Europa, was hierzulande als Schwarzer Freitag in die Geschichte einging. Innerhalb weniger Wochen verloren Aktien einen Großteil ihres Wertes. Die Welt stürzte in die schwerste Wirtschaftskrise aller Zeiten.

Glaubt man an den „Chart of Doom“, dann steht genau das wieder bevor. Das Muster des Booms am Ende der 1920er-Jahre sieht der Rally von Mitte 2012 bis heute auf den ersten Blick sehr ähnlich. Um das Bild komplett zu machen, fehlt nur noch der Absturz.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Wiederholt sich also die Geschichte? Die Anhänger der Theorie glauben fest daran. Die Kritiker verweisen auf die Unterschiede zwischen damals und heute. Die liegen zum Beispiel in der Geldpolitik. Während die Notenbanken damals abrupt die Geldzufuhr stoppten, halten sie heute die Zinsen niedrig und drucken Geld. Die US-Notenbank fährt die Liquidität nur in sehr homöopathischen Dosen zurück – mit Bedacht auf die Märkte.

Der größte Unterschied aber ist ein anderer.

Kommentare (14)

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Heidi

19.02.2014, 16:16 Uhr

Der Artikel ist schon ok - nicht zuletzt wegen dem Verweis auf die unterschiedliche Geldpolitik.
Damit ist die eigentliche Problematik aber keineswegs vom Tisch! Lockere Geldpolitik heißt im Wesentlichen dass ein nominaler Absturz zwar ausbleigt - sagt aber nichts darüber aus wieviel Güter man sich trotz nominaler Höchststände nachher noch von einem "einem Dow" kaufen kann.
Und bei dieser Überlegung ist noch nicht einmal berücksichtigt dass das billige Geld auch zu suboptimalen Investitionen anregt welche wiederum eine zukünftige Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigt.

Meine Meinung: Aktien sind sicher besser als Staatsanleihen... Aber das kann im Extremfall heissen: Aktien sind besser als Nix. Und das kann auch relativ wenig sein.

SaulGoodman

19.02.2014, 16:30 Uhr

Jedoch spricht der Artikel aufgrund eines sehr unschönen Tippfehlers von einer Geldpolitik; was die genau besagt, muss wohl erst noch erörtert werden ;-)

Das mit dem Rechtschreibfehler haben wir erledigt. Danke für den Hinweis.

TribunalPopular

19.02.2014, 16:53 Uhr

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