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15.08.2014

13:57 Uhr

Vertragsklausel

Wie Argentiniens Gläubiger an ihr Geld kommen

Argentiniens Gläubiger können hoffen. Bisher sah es so aus, als würden sie ihr Geld nicht wiedersehen, bis das Land die Hedgefonds ausbezahlt hat. Eine Vertragsklausel könnte ihnen nun helfen.

Ansprüche von insgesamt 30 Milliarden Dollar könnten auf Argentinien zukommen, wenn die Alt-Gläubiger die Cross-Default-Klausel nutzen. dpa

Ansprüche von insgesamt 30 Milliarden Dollar könnten auf Argentinien zukommen, wenn die Alt-Gläubiger die Cross-Default-Klausel nutzen.

Gläubiger Argentiniens haben auch nach der Staatspleite des Landes einen Hebel in der Hand, um an ihr Geld zu kommen. Sie können auf eine Klausel für Besitzer von Anleihen pochen, die einen Schuldenschnitt akzeptiert haben. Laut der sogenannten Cross-Default-Regel muss das Pleite-Land die ausstehende Summe samt Zinsen bei allen Anleihen einer Serie zurückzahlen, wenn mindestens ein Viertel der Inhaber der entsprechenden Papiere dies verlangt.

Für dieses beschleunigte Verfahren ist bei einer speziellen Anleiheserie die „kritische Masse“ wohl schon erreicht, wie Jorge Piedrahita vom Brokerhaus Torino Capital der Reuters-Finanzdienstleistungstochter IFR sagte. Die nach amerikanischem Recht ausgegebenen Bonds mit einer Laufzeit bis Dezember 2038 und einem festen Zins von 2,5 Prozent könnten zum Einfallstor für die Gläubiger werden, die seit einem US-Gerichtsurteil um ihr Geld bangen.

Ein New Yorker Richter entschied vor wenigen Wochen, dass die ausstehenden Zinszahlungen auf Staatsanleihen auf dem Konto eines Treuhänders eingefroren bleiben. Argentinien hatte die mit der Verwaltung der Zinstranche von 539 Millionen Dollar betraute Bank vergeblich aufgefordert, die Gläubiger auszubezahlen. Diese hatten vor Jahren einen Schuldenschnitt auf die Papiere hingenommen.

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Sie kommen dennoch nicht an ihr Geld, weil ein Schiedsverfahren zwischen Argentinien und Hedgefonds gescheitert ist. Diese hatten sich nicht auf einen Schuldenschnitt eingelassen und pochten auf volle Auszahlung. Das US-Gericht ordnete an, dass Inhaber restrukturierter Anleihen nur dann ausgezahlt werden dürfen, wenn die Regierung in Buenos Aires auch die Fonds ausbezahlt.

Aus der verfahrenen Situation gibt es für die Alt-Gläubiger jedoch noch einen Ausweg: Da Argentinien wegen seiner säumigen Zahlungen von den Ratingagenturen für pleite erklärte wurde, können sie die Cross-Default-Klausel aktivieren. Die bis Ende 2038 laufende Anleihe bietet hierfür wegen ihres geringen Volumens eine günstige Gelegenheit, den Startknopf zu drücken.

Der auf Schuldenprobleme von Schwellenländern spezialisierte Piedrahita schätzt, dass bereits ein Volumen von 25 Millionen Dollar ausreicht, um das beschleunigte Verfahren bei der Bondserie in Gang zu setzen. Bereits seit Anfang des Jahres hätten Investoren Positionen in den kleineren Anlage-Serien der umstrukturierten Papiere aufgebaut.

Geldquelle Staatsanleihen

Was sind Staatsanleihen?

Staatsanleihen oder Schuldverschreibungen sind eine der wichtigsten Finanzierungsquellen von Staaten. Im Gegensatz zu Aktien sind diese Wertpapiere mit einem festen Zins ausgestattet und das Kapital wird zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt.

Wie sicher sind Staatsanleihen?

Anleihen werden in verschiedenen Laufzeiten von zumeist 2 bis 30 Jahren ausgegeben. Lange Zeit galten sie als äußerst sichere Anlageform, da das Risiko eines staatlichen Zahlungsausfalls als sehr gering betrachtet wurde. Mit der Schuldenkrise in Europa ist dieses Bild aber ins Wanken geraten.

Woraus ergibt sich der Zins?

Als Zinszahlung erhält der Anleger die Rendite oder den Effektivzins. Dieser ergibt sich aus dem im Vorhinein festgelegten Zins der Anleihe (Kupon) und dem von ihm gezahlten Marktpreis (Kurs) des Papiers. Sinkt die Nachfrage und damit der Kurs der Anleihe, steigt die Rendite.

Falls das beschleunigte Verfahren in einer Serie aktiviert werde, könnten auch Investoren bei anderen umstrukturierten Anleihen folgen und so eine Kaskade von Ansprüchen auslösen, meint Piedrahita: „Das ist kein Automatismus. Doch wenn es in einer Bondserie aktiviert wird, werden andere nachziehen.“

Insgesamt könnten so Ansprüche von Gläubigern in Höhe von fast 30 Milliarden Dollar auf das Schwellenland zukommen, über dem der Pleitegeier kreist. Diese Summe dürfte Argentinien überfordern und könnte einen neuerlichen Schuldenschnitt auslösen.

Von

rtr

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