Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2009

10:00 Uhr

Vier Fragen an: Michael Klawitter

„Der Vergleich mit Island ist überzogen“

VonMichael Maisch

Großbritannien steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seit den 80er-Jahren. Michael Klawitter, Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort, erklärt im Interview wie es um das Pfund steht. Gerüchte um einen möglichen Staatsbankkrott hält er für übertrieben.

Handelsblatt: Großbritannien steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seit den 80er-Jahren. Die Kommentatoren der angesehenen Tageszeitung "Guardian" fragen bereits "Ist unser Land bankrott"?

Michael Klawitter: Solche Äußerungen halte ich für stark übertrieben, aber tatsächlich hat Großbritannien mit einer ganzen Reihe ernster Probleme zu kämpfen, die insgesamt nicht untypisch sind für Länder, die in Richtung einer Zahlungsbilanzkrise driften.

Welche Probleme sind das genau?

Das Haushaltsdefizit steigt mit hohem Tempo weiter an, außerdem kämpft das Land mit einem erheblichen Leistungsbilanzdefizit. Das heißt Großbritannien ist in erheblichem Maß auf Kapitalimporte aus dem Ausland angewiesen. Außerdem ist die Volkswirtschaft der Insel stark auf den Dienstleistungssektor, speziell auf Finanzdienstleistungen ausgerichtet, und die Rettungsmaßnahmen für die heimischen Banken drohen den Staatshaushalt weiter zu belasten. Insgesamt keine schöne Lage

Klingt das nicht verdächtig nach einem zweiten Fall Island?

Tatsächlich gibt es einige strukturelle Ähnlichkeiten zwischen beiden Ländern. Aber tatsächlich ist der Vergleich völlig überzogen. Island hat 300 000 Einwohner, dennoch hat die kleine Insel drei große Investmentbanken hervorgebracht. Da spielt Großbritannien doch zum Glück in einer völlig anderen Liga.

Dennoch hat das Pfund im Zuge der Finanzkrise gegenüber den anderen großen Währungen deutlich an Wert verloren. Gibt es auf kurze und mittlere Sicht überhaupt Hoffnung für das Sterling?

Die beste Chance für das Pfund bietet die Tatsache, dass die anderen großen Industriestaaten auch unter der Finanz- und Wirtschaftskrise leiden. Wenn es den anderen mindestens genau so schlecht oder noch schlechter als dem Vereinigten Königreich geht, wäre das für das Pfund eine gute Nachricht.

Michael Klawitter ist Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×