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09.01.2013

14:23 Uhr

Volcker-Regel

Wie Goldman Sachs das Eigenhandelsverbot umgeht

Im Zuge der Finanzkrise wurden in den USA die Regel für den Eigenhandel der Banken verschärft. Das Skandalinstitut Goldman Sachs scheint diese entgegen den Aussagen seines Chefs nicht ganz so ernst zu nehmen.

Lloyd Blankfein, Chairman und CEO bei Goldman Sachs. AFP

Lloyd Blankfein, Chairman und CEO bei Goldman Sachs.

Das Gedächtnis mancher Bankmanager hält nicht lange vor. Erst im Juli erklärte Lloyd C. Blankfein, Chef der US- Großbank Goldman Sachs, dass sein Unternehmen keine eigenen Gelder mehr nutze, um Wetten im Namen der Bank einzugehen.

“Wir haben diese Aktivitäten eingestellt”, versprach Blankfein an jenem Tag vor 400 Leuten bei einem Mittagessen, das vom Economic Club of Washington organisiert worden war. Nach seinen Worten soll die Bank keine Eigenhändler mehr beschäftigen, “die einfach Risiken nach eigenem Ermessen eingehen” und nicht mit Kunden interagieren.

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Diese Aussagen dürften für die Mitarbeiter der geheimen Goldman-Sparte “Multi-Strategy Investing” (MSI) wohl eine Überraschung gewesen sein. MSI wettet mit rund einer Milliarde Dollar von Goldman Sachs auf Aktien und Anleihen von Firmen wie Zementherstellern und Hypothekendienstleistern. Das zeigen Interviews mit mehr als 20 Leuten, die für die Sparte oder mit der Sparte gearbeitet haben, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegen. Einige der Aussteiger arbeiteten noch 2012 für das Unternehmen. Ihren Angaben zufolge verfügt die Sparte, die von zwei Princeton- Absolventen geführt wird, über keine Kunden.

Das Überleben des Teams zeigt, wie Goldman sich um neue aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Begrenzung von Eigenhandels-Wetten bei Banken herumgearbeitet hat. Eine Passage der US- Finanzmarktreform “Dodd-Frank Act” aus dem Jahr 2010 schiebt kurzfristigen Investments, die mit dem eigenen Geld der Bank eingegangen werden, eigentlich mehr oder weniger einen Riegel vor. Damit sollen übergroße Risiken und eine Wiederholung der Finanzkrise verhindert werden.

Marktanteile der Investmentbanken - Fusionen & Übernahmen mit deutscher Beteiligung

Morgan Stanley

Rang 1 (Vorjahr: 10)

33,3 Milliarden Dollar

26 Transaktionen

Deutsche Bank

Rang 2 (Vorjahr: 1)

31,3 Milliarden Dollar

21 Transaktionen

Goldman Sachs

Rang 3 (Vorjahr: 4)

31,2 Milliarden Dollar

23 Transaktionen

Rothschild

Rang 4 (Vorjahr: 6)

25,8 Milliarden Dollar

32 Transaktionen

JP Morgan

Rang 5 (Vorjahr: 2)

24,8 Milliarden Dollar

15 Transaktionen

Citi

Rang 6 (Vorjahr: 7)

16,3 Milliarden Dollar

12 Transaktionen

Credit Suisse

Rang 7 (Vorjahr: 3)

14,0 Milliarden Dollar

18 Transaktionen

UBS

Rang 8 (Vorjahr: 15)

12,8 Milliarden Dollar

13 Transaktionen

Lazard

Rang 9 (Vorjahr: 9)

10,5 Milliarden Dollar

17 Transaktionen

Bank of America/Merrill Lynch

Rang 10 (Vorjahr: 8)

9,8 Milliarden Dollar

9 Transaktionen

Quelle

Thomson Reuters, ausgewerteter Zeitraum: 1. Januar bis 18. Dezember 2012

Nicht verboten werden durch die neuen Gesetze allerdings langfristige Wetten. Das lässt Hintertüren offen für andere risikoreichere Investments, sagte Matthew Richardson, der an der New York University Volkswirtschaft lehrt. Wetten, die sich über Monate hinziehen, könnten auch schief gehen: “Aus der Systemrisiko-Perspektive sind es wirklich gerade die langfristigen Investments, die ein Problem darstellen.”

Kommentare (14)

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ColeWilliams

09.01.2013, 14:55 Uhr

Den Eigenhandel per Gesetz verbieten zu wollen scheint wohl nicht zu funktionieren. Vielleicht sollte der Gesetzgeber stattdessen einfach nur für Transparenz sorgen, d.h. Banken die ohne Kundenauftrag handeln müssen dies klar kommunizieren und dann bleibt die Entscheidung den Kunden überlassen mit solchen Banken Geschäftsbeziehungen unterhalten zu wollen oder nicht. Pseudoaufträge von Pseudokunden (Handelsaufträge verbundener Unternehmen)sollten als "Eigenhandel" bewertet und bei fehlender Kommunikation als Gestaltungsmissbrauch bestraft werden.

DieBetrueger

09.01.2013, 14:56 Uhr

Wenn eine Aufsicht nicht funktioniert dann sind das einfach nur Penner.

Goldman Sachs war da nicht auch etwas mit Griechenland und Euro ?

george.orwell

09.01.2013, 16:54 Uhr

Eine Frage der Macht

Wie soll Regulierung jemals funktionieren, solange die Banken über derart viel Macht verfügen?

Die Großbanken gehören zerschlagen. Und diese Bank gehört gesprengt.

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