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13.02.2014

16:15 Uhr

Volksbegehren in der Schweiz

Eidgenossen-Rating auf dem Prüfstand

Die Bestnote für die Schweiz als eines der stabilsten Länder steht auf dem Spiel. So befürchten die Analysten der Ratingagentur Fitch negative Konsequenzen, wenn das Land den Zuzug von Arbeitnehmern einschränkt.

Die Schweizer Flagge ist der Inbegriff für Stabilität und Kontinuität. Nach der Volksabstimmung vom vergangenen Sonntag über den Zuzug von Arbeitnehmern herrscht große Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der Eidgenossenschaft. dpa

Die Schweizer Flagge ist der Inbegriff für Stabilität und Kontinuität. Nach der Volksabstimmung vom vergangenen Sonntag über den Zuzug von Arbeitnehmern herrscht große Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der Eidgenossenschaft.

DüsseldorfDas Top-Rating der Schweiz wackelt. Die Entscheidung der Schweizer Bevölkerung, die Zuwanderung in die Schweiz durch Kontingente zu begrenzen, beschäftigt nicht nur die EU. Auch die Ratingagenturen achten mit Argusaugen darauf, wie die Schweiz das Votum der Bürger umsetzen wird.

Mit der Entscheidung vom vergangenen Sonntag wird die wirtschaftliche Entwicklung und das Top-Rating AAA der Schweiz unsicherer, wie die Ratingagentur Fitch in einer Erklärung mitteilt. Die Unsicherheit über den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs der Schweiz ist groß.

Entscheidend wird es nach Auffassung der Analysten sein, wie die Schweizer Bundesregierung das Votum der Bürger umsetzt. Und eine ebenso wichtige Rolle kommt der Europäischen Union zu. Sie sieht im beschränkten Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt ein Verstoß gegen den Freizügigkeitsgrundsatz.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Sollte die EU als Reaktion auf das Volksbegehren den Zugang  von Schweizer Banken und Unternehmen in die EU begrenzen, wären die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Schweiz verheerend.

Schweizer Unternehmen führen 55 Prozent ihrer Exporte in die EU aus. Mit der anhaltenden Unsicherheit über die zukünftigen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU könnten Unternehmen ihre Investitionen vorerst auf Eis legen.

Gerade auch für die pharmazeutische Industrie in der Schweiz, die händeringend nach Fachkräften in den Nachbarländern Ausschau hält, wäre der beschränkte Zuzug von Facharbeitskräften ein äußerst negatives Signal, wie Fitch mitteilt.

Von

woh

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