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19.06.2012

16:56 Uhr

Vom Fußball & der Börse

Warum Spekulanten auf Griechenlands Leitindex setzen

VonChristian Schnell

Als Griechenland 2004 überraschend Europameister wurde, hat sich der Athex in den drei Folgejahren verdoppelt. Könnte eine Niederlage der deutschen Nationalelf im Viertelfinale der beste Rettungsschirm sein?

Ein griechischer Fan. Erfolg bei der EM könnte sich auch auf das krisengebeutelte Land auswirken. dpa

Ein griechischer Fan. Erfolg bei der EM könnte sich auch auf das krisengebeutelte Land auswirken.

Man muss sich diese Ironie des Schicksals mal ganz genau vor Augen führen: Da stehen sich seit mehr als zwei Jahren Deutschland und Griechenland in der Euro-Zone wie der reiche Patenonkel und die verarmte Verwandtschaft gegenüber. Auf der einen Seite der größte aller Geldgeber. Auf der anderen Seite ein Land, das nach dem Urnengang am Sonntag tendenziell den Euro gewählt, aber noch immer kaum weniger Sorgen hat.

Jetzt stehen sich beide Nationen auch noch am Freitag im Viertelfinale der Fußball-EM gegenüber. Oft macht ja in solchen Fällen der abgedroschene Spruch von der Macht des Fußballs die Runde. Das ist auch diesmal nicht anders. Zumal es - für Nicht-Fußballkenner zur Erläuterung - ab dem Viertelfinale nur noch Sieg und Niederlage gibt. Käme es somit zum Fall A, dass die deutsche Mannschaft gewinnt, dann würde lediglich das eintreten, wovon hier ohnehin jeder ausgeht. Der Dax könnte einen Schub erhalten. Das kurzzeitige Abrutschen unter die Marke von 6 000 Punkten in den vergangenen Wochen würde man als einmaligen Ausrutscher verbuchen. Schließlich belegen Studien seit langem, dass der fußballerische Erfolg bei großen Turnieren positive Konsequenzen auf die Börsen dieses Landes haben.

Den könnte natürlich Athens Athex Composite Share Price Index noch viel mehr gebrauchen. Man stelle sich also einmal - natürlich nur so rein hypothetisch - vor, Griechenland gewänne das Spiel am Freitag. Der Athex, der mittlerweile auf einem Niveau wie vor mehr als 20 Jahren notiert, würde demnach wohl einen gewaltigen Satz nach oben machen. Das Land hätte sein Negativimage abgelegt, die Investoren würden es wieder entdecken, Milliarden flössen in Infrastruktur und Konjunktur. Und am Ende hätte der Fußball wieder einmal seine heilbringende Wirkung gezeigt.

Das ist natürlich alles Theorie, spekulative Naturen denken jedoch nicht erst seit Sonntag so. Schon seit Mai erholt sich Athens Leitindex, gestern waren es wieder rund drei Prozent. Als die griechische Nationalmannschaft im Jahr 2004 völlig überraschend Europameister wurde, hat sich der Athex übrigens binnen drei Jahren verdoppelt. Erst die Finanzkrise ab dem Jahr 2007 machte dem Aufschwung ein jähes Ende. Das war - wir erinnern uns schmerzlich - nicht nur an der Athener Börse der Fall. Es mag somit durchaus auch hierzulande Menschen geben, die am Freitag den Griechen den Sieg gönnen. Ihre Hintergedanken sind dabei völlig eigennützig.

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