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12.01.2007

14:32 Uhr

Vom Liebling zum Sorgenkind

Telekomanleihen mit Tücken

VonAndrea Cünnen

Die Anleihen von Telekomkonzernen haben sich im vergangenen Jahr vom Liebling der Analysten zu deren Sorgenkind gewandelt. Denn die Zeiten, in denen sich die Konzerne auf den Schuldenabbau konzentrierten, sind vorbei.

FRANKFURT. Inzwischen stehen wieder Wachstum und das Wohl der Aktionäre im Fokus der Konzernlenker: Die Zahl der Übernahmen steigt, die Unternehmen schütten hohe Dividenden aus und planen weitere Aktienrückkäufe. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat ausgerechnet, dass die europäischen Telekomkonzerne für Aktienrückkäufe und Dividenden im vergangenen Jahr rund 35 Mrd. Euro bezahlten. Solche Ausgaben sind nicht im Sinne der Anleihebesitzer, denen es vor allem darauf ankommt, dass die Anleihezinsen gezahlt und die Bonds am Ende der Laufzeit getilgt werden.

Ob sich die gewandelte Strategie der Firmen auch in den Ratings niederschlagen wird, ist ungewiss. Noch liegt das durchschnittliche Branchenrating im unteren A-Bereich – entsprechend guter Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur Moody’s spricht auf Sicht von einem halben Jahr von stabilen Bonitätsaussichten. Sie warnt aber zugleich, dass die verstärkte Konzentration der Netzbetreiber auf Ausschüttungen, Übernahmen und gesteigerte Investitionen in die Breitbandtechnik „Anlass zu einiger Besorgnis geben“. Auch der Preiswettbewerb – verstärkt durch die regulatorischen Vorgaben der Europäischen Union – belastet. Die Landesbank Baden-Württemberg meint, dass das durchschnittliche Branchenrating bis Ende des Jahres um eine Stufe sinkt.

Auf diese Entwicklungen haben die Telekombonds bereits im vergangenen Jahr reagiert. Die Renditeaufschläge im Vergleich zu Staatsanleihen sind auf im Schnitt knapp 0,7 Prozentpunkte gestiegen. Damit liegen sie höher als in anderen Branchen. Der Aufschlag der Telekombonds ist nach Meinung vieler Experten aber noch nicht hoch genug. Sie fürchten weiter steigende Risikoaufschläge und sinkende Kurse.

Was die Analysten, die institutionelle Anleger im Blick haben, umtreibt, muss Privatanlegern aber nicht den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Telekomanleihen haben zwar ihre Tücken, und Kursverluste sind wahrscheinlich. Das kann aber Privatanleger kalt lassen, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten. Denn dass die Konzerne zahlungsunfähig werden, ist angesichts der nach wie vor hohen Cash-Flows in der Branche nicht zu befürchten. Wer allerdings mit dem Kauf noch wartet, könnte sich am Ende des Jahres höhere Renditen sichern.

Ernsthafte Gefahr droht indes, wenn Finanzinvestoren eine Telekomfirma kaufen. Denn kreditfinanzierte Übernahmen von Finanzinvestoren lassen das Ausfallrisiko deutlich steigen. Gerüchte darum gibt es gerade in der Telekombranche viele. Sie rankten sich schon 2006 um zum Beispiel Swisscom, KPN, BT Group und Portugal Telecom.

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