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05.10.2014

13:09 Uhr

Von Pimco zu Janus

Bill Gross will kein Rentner sein

Nach seinem Zerwürfnis mit der Allianz will sich der 70jährige Bond-König Gross noch lange nicht zur Ruhe setzen. In einem Interview erzählte er, was ihn antreibt und was er für seinen neuen Fonds erwartet.

Mit 70 Jahren will Starinvestor Bill Gross noch nicht in Rente. Reuters

Mit 70 Jahren will Starinvestor Bill Gross noch nicht in Rente.

Der legendäre Anleihen-Investor Bill Gross will sich nach seinem plötzlichen Abgang bei der Allianz -Tochter Pimco nicht zur Ruhe setzen. „An diesem Punkt in meiner Karriere in Rente zu gehen, das passt einfach nicht zu mir“, sagte der 70-Jährige am Wochenende dem Magazin „Barron's“ in seinem ersten Interview seit dem Zerwürfnis mit dem deutschen Pimco-Eigentümer. Geld anzulegen und für Kunden zu verwalten, liege ihm im Blut. Er freue sich sehr, jetzt beim Pimco-Rivalen Janus Capital einen kleinen Fonds zu übernehmen und zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Er wolle sich mit anderen Vermögensverwaltern messen.

Gross ist der derzeit bekannteste und einflussreichste Bond-Investor. Sein mehr als 200 Milliarden Dollar schwerer Pimco-Fonds Total Return galt lange als Orientierungshilfe für viele andere Anleger. Doch in den vergangenen Quartalen stimmte die Rendite nicht mehr und zahlreiche Kunden zogen ihr Geld ab.

Am 26. September trat er für viele völlig überraschend zurück - Insidern zufolge einen Tag bevor die Allianz ihn vor die Tür setzen wollte. Der Aktienkurs des Münchner Dax-Konzerns stürzte ab, weil Gross über 40 Jahre lange der Garant für den Erfolg von Pimco war. In den Tagen danach zogen Anleger bereits Milliarden bei dem Fondshaus aus dem kalifornischen Newport Beach ab.

„Ich war immer der Typ, der sich um Investments kümmert“, sagte Gross. „Die anderen Dinge - Leute einstellen und bezahlen, planen und so weiter - wurden aber ein Problem für mich.“ Insider hatten Reuters zuletzt gesagt, Gross sei bei Pimco immer wieder mit anderen Managern aneinandergeraten und habe mehrfach mit Rücktritt gedroht, um seine Interessen durchzusetzen.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Bei Janus wird sich Gross zunächst um einen lediglich 13 Millionen Dollar umfassenden Fonds kümmern. Es wird aber erwartet, dass ein Teil seiner alten Pimco-Kundschaft ihr Geld nun bei seinem neuen Arbeitgeber anlegt. Es werde bei Janus sicher leichter, seine Ideen umzusetzen als bei dem riesigen Pimco-Fonds, so Gross.

Von

rtr

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