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28.08.2014

16:19 Uhr

Vor neuen Konjunkturdaten

EZB-Ausblick treibt Bond-Barometer zu Rekordhoch

Italien will den Markt anzapfen, deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries verzeichnen kaum Bewegung. Analysten erwarten, dass die Europäische Zentralbank die Stützungsmaßnahmen ausweiten wird.

Finanzstandort Frankfurt: Wieviel Handlungsspielraum hat die EZB? dpa

Finanzstandort Frankfurt: Wieviel Handlungsspielraum hat die EZB?

SydneyEin weltweites Barometer für Staatsanleihen nimmt Kurs auf ein Allzeithoch. Schub kommt von Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank den Ankauf von Anleihen vorbereitet, um der Disinflation entgegenzuwirken. Der Global Broad Market Sovereign Plus Index von Bank of America Merrill Lynch stieg am Mittwoch und war, gemessen an den Kursen, nur noch knapp ein halbes Prozent von seinem Allzeithoch entfernt. Die Daten gehen zurück bis ins Jahr 1996.

Angesichts der sinkenden Renditen in Europa greifen Investoren auf der Suche nach höheren Zinseinnahmen zu Staatspapieren von den USA bis nach Australien. Die Staatsanleihen im Index haben 2014 bislang einen Ertrag von 5,6 Prozent eingebracht und stehen vor dem größten Plus seit 2011.

„Die weltweite Bond-Rally hat in kurzer Zeit eine lange Strecke zurückgelegt, offensichtlich getrieben von Europa und zunehmenden Spekulationen über Maßnahmen der EZB”, sagt Su-Lin Ong, Leiterin Strategie Volkswirtschaft und Festverzinsliche Australien bei der Royal Bank of Canada in Sydney. „Eine Diskussion über den Zeitpunkt und darüber, welche Maßnahmen genau es sein werden, hat die Märkte beherrscht und die Richtung für alle Märkte weltweit vorgegeben”, führt sie aus.

Die europäischen Bondrenditen sind auf Rekordtiefs gesunken, seit EZB-Präsident Mario Draghi auf dem Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole, Wyoming, sagte, die Geldpolitiker „werden alle verfügbaren Instrumente verwenden, die nötig sind, um Preisstabilität sicherzustellen”, und außerdem seien sie bereit, ihre Geldpolitik weiter anzupassen.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel am Mittwoch, nachdem bereits mit 0,895 Prozent ein Allzeittief erreicht war, noch weiter auf 0,883 Prozent. Auch die Renditen von französischen, belgischen und niederländischen Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichten Allzeittiefs. Zehnjährige US-Treasuries rentierten Ende 2013 noch bei 3,03 Prozent – inzwischen liegt die Rendite bei 2,34 Prozent. Bei japanischen Bonds mit zehn Jahren Laufzeit lag die Rendite am heutigen Donnerstag bei 0,485 Prozent – der niedrigste Stand seit April 2013.

Unter Abgabedruck standen die in den vergangenen Tagen kräftig gestiegenen Papiere aus Euroraum-Peripheriestaaten. Dahinter standen Spekulationen, dass Investoren die Aussichten auf weitere Stützungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank bei der Sitzung in der nächsten Woche überschätzt haben. So fielen die Kurse spanischer Staatsanleihen erstmals seit acht Tagen.

Zehnjährige spanische Bonds rentierten bei 2,21 Prozent sieben Basispunkte höher, die Rendite von italienischen Anleihen gleicher Laufzeit stieg um fünf Basispunkte auf 2,43 Prozent.

Am Primärmarkt nahm Italien 8 Mrd. Euro in drei Tranchen auf. Die Emissionsrenditen bei den fünf- und zehnjährigen Papieren sanken auf Rekordtiefs.

Die EZB hat den weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock Inc. aus New York damit beauftragt, sie bei der Entwicklung eines Programms für den Ankauf von forderungsunterlegten Anleihen (ABS) zu beraten. BlackRock Solutions, so der Name der Sparte, wird bei der Ausgestaltung und Umsetzung eines potenziellen ABS-Kaufprogramms helfen. Das erklärte ein EZB- Sprecher in Beantwortung von Fragen per E-Mail.

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