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08.09.2012

16:02 Uhr

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Wall Street wartet auf Fed und ESM-Entscheidung

Die erfolgsverwöhnten Anleger an der Wall Street müssen sich auf schlechtere Zeiten gefasst machen. Die Konjunkturmaßnahmen von Fed und EZB dürften nur kurzfristig frischen Wind in die Märkte bringen.

Ein Händler an der Wall Street. dapd

Ein Händler an der Wall Street.

New YorkDie auf einer Welle der Euphorie über den Kriseneinsatz der Zentralbanken segelnden US-Börsen könnten in der kommenden Woche in schweres Fahrwasser geraten. Zwar dürfte die Federal Reserve der Europäischen Zentralbank (EZB) folgen und den Märkten mit neuen Konjunkturmaßnahmen abermals Wind in die Segel pusten. Doch am Horizont ziehen längst dunkle Wolken auf, die die erfolgsverwöhnten Anleger in den kommenden Tagen einholen könnten: Die Bilanzen der US-Unternehmen sehen in den verbleibenden Monaten dieses Jahres und auch 2013 nicht sehr vielversprechend aus. Erste Vorboten dafür waren schon die Prognosen des US-Paketdienstes FedEx und des Chip-Riesen Intel, die sich auf schwächere Zahlen gefasst machen.

Die lahmende Weltkonjunktur bekommt FedEx in Form von schwindender Nachfrage nach internationalen Schnelllieferungen zu spüren. Der Paketdienst rechnet deshalb im laufenden Quartal mit einem geringeren Gewinn als bisher erwartet. Intel schraubte seinen Umsatzausblick für das dritte Vierteljahr zurück, weil Konzerne weniger PCs kaufen und Geschäftskunden erst einmal ihre Lager leeren. Insgesamt rechnen Analysten im dritten Quartal mit einem Gewinnrückgang bei S&P-500-Konzernen um über zwei Prozent. „Während sich die Investoren auf die Geldpolitik konzentrieren, werden diese schwachen Bilanzen den Markt ausbremsen“, sagte Jonathan Golub, Chef-US-Aktienstratege bei der UBS.

Die Aussicht auf eine Trendwende des in diesem Jahr schon um 14 Prozent gestiegenen S&P 500 kommt zu Beginn des traditionell ohnehin schwächsten Börsenmonat. Und der September dieses Jahres stand an den Börsen bisher ganz im positiven Zeichen der Zentralbanken. So kündigte die EZB vergangene Woche an, mit Staatsanleihekäufen angeschlagenen Euro-Ländern unter die Arme greifen zu wollen. In der neuen Woche wird erwartet, dass die US-Notenbank Fed ihrerseits weitere Konjunkturmaßnahmen in Form von Bondkäufen signalisiert. Die jüngsten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt enttäuschten und ließen entsprechende Erwartungen an die Federal Reserve wachsen. Klarheit erhoffen sich die Anleger am Donnerstag, wenn die zweitätige Fed-Sitzung endet.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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Doch während sich der Blick der Investoren schon auf Fed-Chef Ben Bernanke richtet, ist die EZB-Maßnahme noch längst nicht in trockenen Tüchern. Die Teilnahme am Anleihekaufprogramm macht die EZB davon abhängig, dass die Länder zunächst offiziell unter den neuen Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen und die damit verbundenen Auflagen akzeptieren. Aber dies fällt gerade Ländern wie Spanien, dessen Refinanzierungskosten gesenkt werden sollen, nicht leicht - auch wenn die EZB zuletzt versuchte, die Hemmschwelle zu senken.

Doch damit nicht genug: Die schiere Existenz des ESM hängt noch von einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ab, das mit einem Veto das mühsam aufgebaute Rettungsgerüst rasant zum Einstürzen bringen könnte. Entsprechend kritisch äußern sich einige Experten wie Jack Ablin, Chefinvestor der Harris Private Bank. Es gebe zwar auf der Ebene der Geldpolitik einige Lösungen, es fehlten aber noch Antworten auf grundlegende Probleme der europäischen Wirtschaft. „Ich glaube nicht, dass Anleihekäufe die Euro-Krise lösen.“

Neben Europa beschäftigt die New Yorker Anleger auch die Zukunft der chinesischen Wirtschaft, der als Konjunkturlokomotive der ganzen Welt langsam die Puste auszugehen droht. Am Sonntag werden eine Reihe von Wirtschaftszahlen erwartet, die von der Inflation über den Einzelhandel bis zur Industrieproduktion reichen.

Von

rtr

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