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18.04.2006

06:15 Uhr

HB DÜSSELDORF. Auf ein 15-Jahreshoch ist der Ifo-Geschäftsklimaindex zuletzt gestiegen. Ein gutes Zeichen für die Konjunktur. Unternehmer sind optimistisch wie lange nicht mehr und investieren hoffentlich auch wieder verstärkt. Umso mehr erstaunt, dass die internationale Finanzgemeinde mit Skepsis auf den Höhenflug des Ifo-Indexes blickt. Er gilt gleichzeitig als Barometer für die Stimmung an den Märkten – und damit als Gegenindikator für den künftigen Verlauf der Kurse. Nach dem Motto: Je größer die Anzeichen von Euphorie, desto wahrscheinlicher sind Enttäuschungen, weil die Erwartungen zu hoch sind.

Die Marktanalysten von Morgan Stanley haben jüngst an ihre Kunden eine Aufzeichnung geschickt, die zeigt, wie sich der europäische Aktienmarkt in der Vergangenheit entwickelte, wenn der Ifo-Geschäftsklimaindex einen Höhepunkt erreichte. Ergebnis: in den folgenden zwölf Monaten notierte der breit gefasste MSCI Europe im Schnitt um fünf Prozent niedriger. Anfang 1998 etwa hatte der Ifo-Index ein solches Hoch. Ein Dreivierteljahr später hatte die Beinahe-Pleite des Hedge-Fonds LTCM den internationalen Märkten einen schweren Rückschlag beschert. Einen neuen Höhepunkt erreichte der Geschäftsklima-Index 2000. Was danach kam ist jedem Investor des Neuen Markts geläufig. Einen neuen Gipfel erreichte der Index 2002. Bis März 2003 sackten die Kurse auf den tiefsten Stand seit dem Platzen der Blase. Auch Ned Davis Research, ein angesehenes US-Institut, findet, der Ifo-Index hat inzwischen eine bedenkliche Höhe erreicht.

So dramatisch wie 2000 oder 2002 dürfte es diesmal nicht werden. Noch ist Skepsis im Markt, was sich unter anderem daran zeigt, dass nicht jedes der zahlreicher Börsendebüts ein Erfolg ist – ein Zeichen, dass Anleger immer noch genau hinsehen, bevor sie kaufen. Auch haben bisher die Unternehmensgewinne die Rally gerechtfertigt, sie sind mit den Kursen gestiegen. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der Dax-Werte ist daher – bezogen auf die vergangenen zwölf Monate – mit knapp 16 noch immer nicht übertrieben.

Dennoch dürfte den Anlegern eine Korrektur im einstelligen Prozentbereich nicht erspart bleiben. Ein Warnzeichen: Laut Ibes erwarten derzeit 74 Prozent der europäischen Firmen höhere Gewinnmargen. So viele wie noch nie. Bisheriger Rekord war 1986, als 65 Prozent aller befragten Firmen bessere Margen erwarteten. Da muss es bei den nächsten Quartalsergebnissen Enttäuschungen geben. Auch sind Manager verstärkt dazu übergegangen, eigene Aktien zu verkaufen. Ebenfalls ein Zeichen, dass in einigen Wochen eine Korrektur fällig ist.

Anleger müssen deshalb nicht gleich aus Aktien aussteigen. Aber vielleicht sollten sie noch ein wenig warten, bis sie neu investieren. Vor allem sollten sie auf den Kauf von konjunkturzyklusabhängigen Titeln wie Chiphersteller und Minenaktien vorerst verzichten

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