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29.09.2012

13:08 Uhr

Wall-Street-Ausblick

Anleger hoffen auf Hilferuf aus Spanien

Anlegern steht eine ereignisreiche Woche bevor: Nach Spar-Budget und Banken-Stresstest setzen die Optimisten der Wall Street darauf, dass Spanien bald ein Hilfegesuch an Brüssel richtet - und so die Zitterpartie beendet.

Anleger an der Wall Street hoffen auf ein Hilfegesuch aus Spanien. dapd

Anleger an der Wall Street hoffen auf ein Hilfegesuch aus Spanien.

New YorkUnter dem anhaltenden Druck der Euro-Krise starten die US-Anleger mit einer ereignisreichen Woche in den Oktober. Gebannt blicken sie nach Spanien, wo Optimisten auf weitere Schritte zur Beruhigung der Lage hoffen. Nach Spar-Budget und Banken-Stresstest setzen solche zuversichtlichen Anleger darauf, dass die Regierung in Madrid mit einem Hilfsgesuch in Brüssel die Zitterpartie um das Euro-Krisenland beendet. Zugleich wird den Investoren in der kommenden Woche eine Vielzahl von US-Konjunkturdaten präsentiert, die sie nach Rückschlüssen auf den Zustand der heimischen Wirtschaft durchforsten können. Die Erwartungen an die Zahlen sind gering, Spielraum für positive Überraschungen ist damit gegeben.

„In der kommenden Woche könnte es ein Comeback der Aktienmärkte geben, wenn die Sterne gut stehen und Spanien um Hilfe bittet“, sagte Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management. Wenn dann noch die EZB günstige Bedingungen für die Unterstützung Spaniens ermöglichte, wäre dies perfekt. „Wenn Spanien und die EZB aber nicht damit rüberkommen, könnte es am Markt weiter abwärtsgehen“, warnte Jacobsen.

Die Wall Street hatte am Freitag zwar ein glänzendes Quartal, am letzten Handelstag des Vierteljahres sowie auf Wochensicht aber Verluste verbucht. Die Gewinne in den vergangenen drei Monaten resultierten weitgehend aus der Hoffnung der Anleger auf Konjunkturstützen der Zentralbanken, so dass die Investoren auch in den nächsten Tagen ihr Augenmerk auf die Federal Reserve, die EZB, die Bank of England und die japanische Notenbank richten werden.

Gleich am Montag hält Fed-Chef Ben Bernanke eine Rede, am Donnerstag folgt das Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank. EZB sowie die Zentralbanken Großbritanniens und Japan kommen zu Sitzungen zusammen: die Bank of England am Mittwoch, die EZB am Donnerstag und die japanische Notenbank von Donnerstag bis Freitag.

Die Prognosen für die Konjunkturdaten der Woche sind schwach. Weder vom aktuellen Einkaufsmanager-Index Industrie am Montag noch vom entsprechenden Barometer für die Dienstleistungen am Mittwoch oder vom Arbeitsmarktbericht am Freitag versprechen sich die Experten viel Gutes. „Es sieht so aus, als ob sich der Markt wirklich auf schlechte Zahlen gefasst macht“, sagte Wasif Lativ von USAA Investment Management. „Wenn sie dann aber nicht ganz so schlecht ausfallen, könnte sich das positiv an der Börse auswirken.“

Wenige Wochen vor der US-Präsidentenwahl rückt auch die Politik verstärkt ins Blickfeld der Anleger. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney treffen am Mittwoch zu ihrem ersten Rededuell aufeinander. Obama führt in den Umfragen, und nach Einschätzung des Investmentstrategen Jack de Gan von Harbor Advisory Corp liegt die Latte für Romney sehr hoch. Allerdings sei die Bedeutung der Kandidaten-Debatte für die Märkte vergleichsweise gering: Sollten am Donnerstag irgendwelche Nachrichten aus Europa zu Spanien oder der EZB kommen, wäre das Rededuell von Mittwochabend auf dem Parkett schon vergessen.

Von

rtr

Kommentare (8)

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whisky

29.09.2012, 13:43 Uhr

Also zunächst müssen diese 60 Milliarden möglichst schnell vom spanischen Staat übernommen werden

Wie soll man den sonst ordentlich von einer Staatsschuldenkrise reden, wenn die Banken die Schulden haben.

In einem zweiten Schritt kann man Spanien dann die 60 Milliarden geben, allerdings natürlich erst, nachdem Einsparungen bei den Arbeitnehmern und Pensionisten, im Gesundheits- und Bildungswesen vorgenommen wurden. Schließlich haben sich die Schulden Spaniens binnen kurzem um 60 Milliarden erhöht...
Ein Forist im Standard.at - Herrlich!

Frank

29.09.2012, 13:45 Uhr

Was ist denn das fuer eine Logik der "optimistischen"
Anleger, in Jubel auszubrechen, wenn Spanien nicht mehr nur fuer alle anderen offensichtlich Probleme hat, sondern auch selbst laut und deutlich nach Hilfe ruft? Sind wir hier bei den anonymen Alkoholikern? "Hallo, ich bin Spanien - und ich habe ein Schulden-Problem." "Ey das find' ich voll gut von Dir, das Du dazu stehst und das so offen zugibst. Hier hast Du ein paar Milliarden. Der Schornstein steht da drueben."

Account gelöscht!

29.09.2012, 14:22 Uhr

„Wenn Spanien und die EZB aber nicht damit rüberkommen, könnte es am Markt weiter abwärtsgehen“, warnte Jacobsen.

Tja, wenn die nicht damit rüberkommen, werdet ihr eure Verluste selber tragen müssen. Wenn die Kurse jetzt sinken, kann das ja nicht an Gewinnmitnahmen liegen, oder?

Das ist eine so offensichtliche Erpressung, das der Trachtenverein schon mit den Handschellen vor der Tür stehen müsste!

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