Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2014

15:41 Uhr

Wall-Street-Ausblick

„Der Markt hasst Unsicherheit“

Bislang sind die Anleger in den USA cool geblieben. Für sie ist der Konflikt in der Ukraine weit weg. Doch auch an den US-Börsen könnte es bald ungemütlich werden. Ein Experte hält den Aktienmarkt für überteuert.

Ukraine, Gaza, Irak - zahlreiche Krisen machen Anleger mürbe. ap

Ukraine, Gaza, Irak - zahlreiche Krisen machen Anleger mürbe.

DüsseldorfDer S&P 500 hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Nach zunächst deutlichen Verlusten konnte sich der Aktienindex bis zum Ende der vergangenen Woche wieder erholen. Unter dem Strich stand auf Wochensicht sogar ein kleines Plus zu Buche.

Die US-Börsen halten sich derzeit besser als die europäischen Indizes – in Frankfurt war der Dax in der abgelaufenen Woche um mehr als zwei Prozent gefallen. Grund war die Sorge der Anleger, dass der sich der Konflikt im Osten der Ukraine zu einem Wirtschaftskrieg zwischen dem Westen und Russland ausweiten könnte. Aufgrund enger Verflechtungen mit Russland dürfte Europa darunter sehr viel stärker leiden, speziell Deutschland.

Doch auch die US-Anleger können sich nicht zu sicher sein. Die USA könnten sich erneut in einen Krieg im Irak hineinziehen lassen. Das US-Militär flog am Freitag erstmals Luftangriffe auf die Islamisten, die ersten im Irak seit Abzug der Truppen Ende 2011. Präsident Barack Obama hatte begrenzte Luftangriffe genehmigt, um US-Bürger in der kurdischen Stadt Erbil und im übrigen Land zu schützen.

Zusätzlich belastet werden könnten die Märkte durch steigende Ölpreise infolge des Irak-Konflikts. Wenn es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen der sunnitischen Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) und den USA komme, steige die Furcht vor Angebotsausfällen des zweitgrößten Ölproduzenten der Opec, sagt ein Börsianer. Das treibe die Preise in die Höhe und habe langfristig negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. „Der Markt hasst Unsicherheit“, sagte Investmentstratege Malcolm Polley von Stewart Capital Advisors.

Wovor sich Anleger hüten sollten

Falsche Sicherheit

Fühlen sie sich nicht zu sicher - denn dieses Gefühl kommt immer vor bösen Überraschungen.

Rendite ohne Risiko

Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Was man dagegen oft bekommt: Risiko ohne Rendite.

Zocken mit dem Sparschwein

Ersparnisse aus 35 Jahren harter Arbeit in eine Geldanlage zu stecken, die man nur 15 Minuten analysiert hat - böser Fehler.

Ungeduld

Hin und her macht Taschen leer: Hibbelige Finger sind der schnellste Weg, sein Geld zu verbrennen.

Halbwissen

Finger weg von Investments, die man nicht versteht. Der Test: Können Sie das Investment einem Schüler der vierten Klasse erklären?

Übersteigertes Selbstbewusstsein

Zu viel Selbstsicherheit hat noch nie gut getan. Wer meint, alle Gewinne beruhten auf Können, alle Verluste aber seien Pech, ist auf der falschen Fährte.

Daytrading

Man hat keine Chance gegen den Zufall und Super-Computer, die innerhalb von Millisekunden mehr Entscheidungen treffen als ein Anleger in einem ganzen Leben.

Crashpropheten

Hören Sie besser nicht auf Menschen, die ständig vor dem Untergang warnen. Es soll Leute geben, die 128 der letzen zwei Crashs richtig vorhergesagt haben...

Die Unsicherheit trifft auf einen US-Aktienmarkts, der ohnehin schon seinen Zenit erreicht haben könnte. Investoren sollten die Entwicklung genau im Auge behalten, sagt Giordano Lombardo, Chef-Anlagestratege von Pioneer Investments.

Der Experte hält die Märkte für überteuert und verweist zur Begründung unter anderem auf den „Tobin Quotienten“, das Verhältnis zwischen dem Marktwert und den Wiederbeschaffungskosten der Vermögenswerte des Unternehmens. Der „Tobin Quotient“ liege deutlich über dem historischen Durchschnitt und zeige damit an, dass der US-Aktienmarkt überbewertet zu sei. Eine Korrektur hätte vermutlich auch Auswirkungen auf andere Aktienmärkte, so Lombardo.

Bei den Konjunkturdaten richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren in der kommenden Woche auf die Einzelhandelsumsätze in den USA am Mittwoch. Analysten sagen für Juli ein Plus von 0,3 Prozent voraus nach 0,2 Prozent im Vormonat.

Die Bilanzsaison ist in den USA so gut wie gelaufen. Für Mittwoch hat sich der Netzwerk-Ausrüster Cisco angekündigt. Am Tag darauf folgt der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart.

Bei den Einzelwerten bleiben die Aktien der kanadischen Pharmafirma Tekmira Pharmaceuticals im Fokus. Die in den USA gehandelten Papiere sprangen in der vergangenen Woche um 45 Prozent in die Höhe, nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA den Weg freigemacht hatte, um einzelne Infizierte mit dem noch nicht zugelassenen Ebola-Medikament von Tekmira zu behandeln.

Auch bei der Pharmafirma BioCryst hoffen die Anleger darauf, dass ein experimentelles Medikamente im Kampf gegen die Seuche Ebola eingesetzt werden kann. BioCryst stiegen um über acht Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einer Verschärfung der Epidemie in Westafrika.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×