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22.09.2013

15:01 Uhr

Wall-Street-Ausblick

Die Zweifel kehren zurück

Die US-Notenbank stellt weiter billiges Geld bereit, die Börsen steigen. Alles klar, oder? Nicht ganz. Die Börsianer sollten sich nicht zu sehr auf die Fed verlassen. Außerdem droht den USA - wieder mal - die Pleite.

Börse New York: Alle Augen auf die Fed. ap

Börse New York: Alle Augen auf die Fed.

Der erste Jubel hat sich gelegt. Jetzt kehren die Zweifel zurück: Ist auf die US-Notenbank wirklich Verlass? Und wie lange? Das ist derzeit das zentrale Thema an der Wall Street.

In der vergangenen Woche hatte die Zentralbank mit ihrer Entscheidung, weiterhin jeden Monat 85 Milliarden Dollar in den Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren zu pumpen, für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Börsianer waren von einer Drosselung ausgegangen.

Als diese doch nicht kam, legten die Kurse an den US-Börsen kräftig zu. Je mehr billiges Geld die Notenbank zur Verfügung stellt desto besser für die Börsen. Allerdings dürfte die Reduzierung der Anleihekäufe nur aufgeschoben, nicht aufgehoben sein,

In den kommenden Tagen dürften die Reden etlicher hochrangiger US-Notenbanker daraufhin analysiert werden, welchen Kurs die Fed in der Geldpolitik einschlägt. „Anleger wollen ein Gefühl dafür bekommen, was innerhalb der Fed vorgeht“, sagt Tobias Basse von der NordLB. Investoren erhoffen sich zudem Hinweise darauf, wann und unter welchen Umständen die Fed anfangen wird, den Geldhahn zuzudrehen.

Die Gewinner und Verlierer der Fed-Entscheidung

Immobilienfinanzierung

Verlierer: Alle, die in den vergangenen zwei Wochen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen haben: Der Zins für eine 30-jährige Hypotheken-Anleihe des Immobilienfinanzierers Fannie Mae lag zeitweise bei vier Prozent. Nach der Fed-Entscheidung fiel er auf 3,35 Prozent. Das signalisiert, dass die Zinskosten für langfristige Finanzierungen zum Wohnungs- oder Häuserkauf fallen dürften.

Dollar

Verlierer: Er fiel so stark wie seit drei Monaten nicht mehr, und das gleich gegen einen ganzen Korb von anderen Währungen. Der Greenback war deshalb so billig wie seit Februar nicht mehr. Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Fed deutlich weniger Geld in den Markt pumpen und absehbar eine Zinswende einleiten wird. Höhere Zinsen würden auch eine höhere Rendite für den Dollar nach sich ziehen.

Anleihen

Verlierer: Anleihe-Investoren - zumindest die, die Fed-Chef Ben Bernanke beim Wort genommen und auf einen Einstieg in den Ausstieg der extrem lockeren Geldpolitik gesetzt hatten. Allein in der vergangenen Woche wurden 85.000 Future-Kontrakte für zehnjährige US-Staatsanleihen auf "Verkaufen" gestellt, weil die Anleger mit fallenden Kursen rechneten. Doch das Gegenteil passierte: Der Kurs kletterte wegen der überraschenden Fed-Entscheidung.

Gold

Gewinner: Der Preis für das Edelmetall stieg um 4,2 Prozent. Noch stärker legten die Kurse der Bergwerksbetreiber zu. Der Nyse Arca GoldMiners Index kletterte um 9,2 Prozent. Börsengehandelte Fonds (ETF) verzeichneten noch größere Gewinne: Der Direxion Daily Gold Miners Bull 3x fund stieg um 27,5 Prozent, wobei 9,6 Millionen Papiere gehandelt worden - so viele wie noch nie. Der Kurs für das als sicherer Anlagehafen genutzte Edelmetall war zuvor in diesem Jahr um rund 20 Prozent gefallen, da Anleger auf ein Ende der Geldflut spekuliert hatten.

Euro

Gewinner: Er kletterte auf 1,3555 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Die Gemeinschaftswährung gewann mehr als ein Prozent zum Yen und kostete 133,985 Yen, damit ist er so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend lockeren Fed-Geldpolitik fragen Investoren riskantere Anlagen nach und stoßen als sichere Häfen geltende Investments wie den Yen ab.

US-Häuslebauer

Gewinner: Die stark gefallenen Zinsen versprechen Rückenwind für Bauherren, die ihre Immobilien mit Krediten finanzieren. Die Papiere des Projektentwicklers D.R. Horton gewannen 6,9 Prozent und die von KB Home 8,2 Prozent, weil Investoren mit steigenden Aufträgen rechnen.

William Shatner, besser bekannt als "Captain Kirk"

Gewinner: Noch nie in der langen Geschichte des S&P-500-Indexes ist eine einzelne Aktie 1000 Dollar oder mehr wert gewesen. Der Reise-Anbieter Priceline.com - der in seinen Anzeigen mit dem "Star Trek"-Darsteller Shatner wirbt - könnte diese Marke nun knacken. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 995,09 Dollar.

Für Unruhe sorgten Äußerungen von James Bullard, Präsident der Fed in St. Louis. Bullard bezeichnete eine Verringerung der Aufkäufe im kommenden Monat als möglich. Die bis dahin eingehenden Konjunkturdaten könnten „dem Ausblick eine andere Note“ verleihen, so dass es dem Offenmarktausschuss leichter fallen könne, einen „kleine Reduzierung im Oktober“ zu beschließen, sagte der Währungshüter.

Der Markt rechnet eigentlich mit einer Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik. In einer Umfrage von Bloomberg sagten 24 der 41 befragten Ökonomen, dass eine Reduzierung der Bondkäufe nicht vor Dezember zu erwarten ist.

„Was man aus der Fed so hört, ist für den Markt etwas verwirrend“, sagte John Kvantas, Portfoliomanager von USAA Investments in San Antonio im US-Bundesstaat Texas. „Vielleicht will die Fed damit sagen: 'Ja, wir haben keine Verringerung beschlossen, aber das heißt nicht, dass es niemals eine geben wird - und vielleicht gibt es sie ja schon sehr bald.'“

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.09.2013, 15:40 Uhr

Im allgemeinen ist der Börsianer nicht dumm. Was die Mehrheit aber so gar nicht blickt ist die Strategie der FED. Bei der weiterhin schwachen Binnenkonjunktur in USA kann die FED die Aufkäufe kaum drosseln. Also wird der Markt erstmal verbal vorbereitet. Und im Stillen (!) werden peu a peu die Aufkäufe zurückgenommen.
Auch die fiscal cliff gabs schon mal. Wer sich da hat verrückt machen lassen, lag daneben.
Börse ist gar nicht so schwer.

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