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22.12.2012

17:49 Uhr

Wall-Street-Ausblick

Fiskalklippe verdirbt Weihnachtsstimmung

Die US-Märkte dürfen die Weihnachtstage nur bedingt genießen. Das drohende Scheitern der Haushaltsverhandlungen dürfte Händler und Politik gleichermaßen beschäftigen. Spannend wird es ab kommenden Mittwoch. Der Ausblick.

US-Haushaltsstreit: Bange Blicke an den wenigen Handelstagen. dapd

US-Haushaltsstreit: Bange Blicke an den wenigen Handelstagen.

New YorkDer US-Haushaltsstreit hängt in der Weihnachtswoche wie ein Damoklesschwert über der Wall Street. Angesichts der Gefahr eines Scheiterns der Verhandlungen könnte die gewöhnlich ruhige Börsenzeit zwischen den Jahren für Händler wie auch Politiker zur Hölle werden. Das Debakel des republikanischen Verhandlungsführers John Boehner am Donnerstag im Repräsentantenhaus, als die eigene Partei seinen Vorschlag nach Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre durchfallen ließ, sorgte bereits zum Wochenende für neue Unruhe.

Die aus Hoffnung auf eine Einigung zuletzt kräftig gestiegenen Kurse gaben am Freitag deutlich nach. Trotzdem wollten Börsianer ihre Zuversicht nicht völlig aufgeben. "Im Grunde genommen glauben die Märkte daran, dass irgendetwas unternommen wird", sagte Marktstratege Sandy Lincoln vom Vermögensverwalter BMO Asset Management.

Dax-Ausblick: Von wegen stille Nacht

Dax-Ausblick

Von wegen stille Nacht

Analysten rechnen mit Gewinnmitnahmen. Die Märkte dürften weiter zittern.

Ohne Einigung zwischen den Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern bis zum Jahreswechsel drohen den USA automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Volumen von 600 Milliarden Dollar. Über diese "Fiskalklippe" könnte die weltgrößte Volkswirtschaft zurück in die Rezession stürzen. Die Zeit, dies zu verhindern, wird immer knapper.

Am Heiligabend ist die Wall Street lediglich einen halben Tag geöffnet. Der Kongress hat bereits erklärt, am Montag nicht zusammenzukommen. Am Dienstag, dem eigentlichen Weihnachtstag in den USA, findet kein Handel statt. Am Mittwoch startet das Börsengeschäft wieder, frühestens dann wird auch mit neuen Verhandlungen in Washington gerechnet. An der Wall Street sind die Umsätze kurz vor dem Jahreswechsel meist gering, da viele Börsianer in dieser Zeit in den Urlaub entschwinden. Dadurch steigt die Möglichkeit extremer Marktschwankungen. "Viele haben bereits einen Fuß aus der Tür gesetzt und mit marktbewegenden Neuigkeiten steigt dann die Wahrscheinlichkeit hoher Volatilität", sagte Analyst Joe Bell vom Berater Schaeffer's Investment Research.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

Szenario I: Einigung

Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

"Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

Szenario II: Hängepartie

US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

Szenario III: Keine Einigung

Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Fünf Handelstage vor Schluss könnte die Wall Street eigentlich ein gutes Resümee ziehen: Im bisherigen Börsenjahr legte der Dow-Jones-Index der Standardwerte acht Prozent zu, der breiter gefasste S&P-500-Index 13,7 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq sogar 16 Prozent. Die vergangene Woche beendeten die führenden Indizes trotz der Etatstreitsorgen und der kräftigen Abschläge von rund einem Prozent am Freitag immer noch mit einem Plus. Der Dow verbuchte ein Wochenplus von 0,4 Prozent auf 13.190 Punkten, der S&P einen Aufschlag von 1,2 Prozent auf 1430 Stellen und die Nasdaq einen Zuwachs von 1,7 Prozent auf 3021 Zähler.

Konjunkturdaten, die daneben für Impulse sorgen könnten, hat die kommende Woche wenige zu bieten. Am Mittwoch wird der Case-Shiller-Index für Immobilienpreise veröffentlicht. Experten erwarten, dass er den neunten Monat in Folge ein Plus aufweist. Am Donnerstag folgen dann die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die Neuigkeiten vom kriselnden Arbeitsmarkt liefern könnten. Im Wochenvergleich dürfte sich aber kaum etwas verändert haben.

Von

rtr

Kommentare (10)

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dig@central.banktunnel.eu

22.12.2012, 18:00 Uhr

*Von der Redaktion gelöscht. Spam.*

JoMei

22.12.2012, 18:25 Uhr

Ah, geh, jammert's ned soviel. As Schulden machen geht weida, wia die 96 mal vorher a. Alles nur Show. Den Schmarrn werna jedes Jahr hör'n. Eine Tränenschale für'n Obama.

Mister10K

22.12.2012, 18:49 Uhr

nirgends wird so viel Schexxxe gelabert wie hier,
2013 kommt der no Bail out bla, bla, bla mit noch mehr
Kohle, Kohle und noch mal mehr Kohle, alles wird aufgeblasen.
Insolvenzverschleppung pur...na und, alles geht so weiter
wie bisher und alle sind froh... ***freu

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