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01.12.2012

18:12 Uhr

Wall-Street-Ausblick

Kommt die Jahresendrally?

Vor Weihnachten geht es an den Börsen nochmal rund – normalerweise. Doch diesmal könnte aus der erhofften Jahresendrally an der Wall Street nichts werden. Ein ganz besonderes Schreckgespenst geht um.

Händler an der Wall Street: Party oder Ernüchterung? dapd

Händler an der Wall Street: Party oder Ernüchterung?

New YorkDer Dezember ist ein guter Börsenmonat - normalerweise. Doch diesmal könnte aus der erhofften Jahresendrally an der Wall Street nichts werden. Denn diesmal geht ein ganz besonderes Schreckgespenst um, das den Anlegern das Vorweihnachtsgeschäft verderben könnte: der Haushaltsstreit. Seit der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama Anfang November bangen die Märkte, dass Regierung und Opposition eine Einigung gelingt und damit die sogenannte Fiskalklippe umschifft werden kann. Ansonsten drohen massive automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen mit wohl fatalen Folgen für die Konjunktur.

Das dürften die US-Börsen nicht so weiteres abschütteln und einen fröhlichen Advent feiern, zeigt sich Marktstratege Phil Orlando von Federated Investors überzeugt. „Die Geschichte hilft hier nicht weiter“, sagt er. „Wir haben es mit einer außerordentlichen Gemengelage an Umständen zu tun, die sehr gut dazu führen könnten, dass die Wirtschaft in die Rezession fällt.“

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Die jüngsten Signale aus Washington waren nicht ermutigend. Gegenseitige Schuldvorwürfe der politischen Lager drückten am Freitag auf die Stimmung. Obama warf einer „handvoll Republikanern“ vor, Steuersenkungen für die Mittelschicht zu verhindern, damit ausschließlich deren wohlhabende Klientel entlastet werde. Sein republikanischer Gegenspieler John Boehner sprach kurz darauf von einem Stillstand in den Gesprächen.

Börsianer geben sich genervt vom Hickhack der Polit-Elite. Es sei völlig unüblich, dass ein einziger Faktor den Handel komplett beherrsche, beklagte sich Sandy Lincoln von BMO Asset Management U.S. „Und man sitzt hier noch vielleicht zwei Wochen oder länger - unter diesen Bedingungen.“

Daten rufen „Sandy“ in Erinnerung

Dabei ist es nicht so, dass sonst keine Nachrichten anstünden. Vielmehr gibt es in der neuen Woche eine ganze Reihe wichtiger Wirtschaftsstatistiken. Sie reichen vom Einkaufsmanagerindex für die Industrie am Montag bis zum monatlichen Arbeitsmarktbericht am Freitag. „Offensichtlich werden die meisten der Konjunkturdaten die Auswirkungen des Wirbelsturms 'Sandy' zeigen", sagt Peter Cardillo von Rockwell Global Capital. „Das könnte ein bisschen negativ sein für den Markt in der neuen Woche, aber das meiste davon wurde bereits erwartet.“

Auch den Einzelhändlern dürfte besonderes Augenmerk gelten. Hinweise auf ein gutes Weihnachtsgeschäft könnten auch die Investoren in Kauflaune bringen und die Aktienkurse unterstützen. Manche Marktexperten sehen durchaus noch Luft nach oben. „Die Sorgen wegen der Fiskalklippe - so begründet sie sein mögen - könnten übertönt werden“, sagt Ryan Detrick von Schaeffer's Investment Research. Da die Erwartungen bereits gedämpft seien, könne es doch noch zu einer „ganz hübschen Jahresendrally“ kommen.

Von

rtr

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