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24.02.2013

10:41 Uhr

Wall-Street-Ausblick

Und wieder droht die Klippe

Wie vor dem Jahresende naht im Streit um den US-Haushalt der Showdown zwischen Demokraten und Republikanern. Doch die Märkte reagieren dieses Mal gelassen. Andere politische Fragen belasten dagegen die US-Börsen sehr.

An der Wall Street beobachtet man derzeit genau auf politische Nachrichten. Sie wirken oft stärker als wirtschaftliche Fakten. AP/dpa

An der Wall Street beobachtet man derzeit genau auf politische Nachrichten. Sie wirken oft stärker als wirtschaftliche Fakten.

New YorkNach wochenlanger Ruhe rückt an der Wall Street die Politik wieder in den Vordergrund. Sollten Demokraten und Republikaner den US-Haushaltsstreit nicht bis zum 1. März beilegen, treten automatische Ausgabenkürzungen über 85 Milliarden Dollar in Kraft. Im Gegensatz zum Jahresende, als die drohende Fiskalklippe Händler nervös machte und den Markt über Wochen im Griff hatte, herrscht nun aber Gelassenheit. Und das, obwohl der Regierung die Zahlungsunfähigkeit droht. "Das ist ein heißes Eisen in Washington, treibt die Investoren aber nicht um", urteilt Marktstratege Fred Dickson von D.A. Davidson & Co.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Zu Jahresbeginn gab es nur eine Einigung auf Zeit. Die Gefahr einer Fiskalklippe wurde um rund drei Monate auf Anfang März hinausgezögert. Der Markt reagierte euphorisch und legte seitdem zu. In der letzten Woche hielten sich die Anleger erstmals seit Anfang Januar jedoch zurück. Der Standard & Poor's 500 verzeichnete auf Wochensicht Verluste. Eine mögliche Abkehr der US-Notenbank Fed von ihrer ultralockeren Geldpolitik hatte auf die Stimmung gedrückt. Weitere Aufschlüsse erwarten sich Anleger von Fed-Chef Ben Bernanke bei seinem Bericht zur Währungspolitik und zur Wirtschaftsentwicklung im Bankenausschuss des US-Senats am Dienstag und Mittwoch.

Aber auch die Parlamentswahl in Italien am Sonntag und Montag wirft ihre Schatten voraus. Anleger fürchten ein Comeback des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, auch wenn die meisten Investoren darauf setzen, dass Pier Luigi Bersani von der sozialdemokratisch orientierten Demokratischen Partei die Macht übernimmt und die Reformen zur Schuldenbekämpfung weiter fortsetzt. "Europa war in den vergangenen sechs Wochen kein großes Thema für den Aktienmarkt, aber die Probleme sind ja nicht verschwunden", sagt Analyst Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group. Die Italien-Wahl könnte Europa wieder in den Blickpunkt der Anleger rücken.

Daneben dürfte auch die zweite Schätzung des US-BIP für das vierte Quartal am Donnerstag die Aufmerksamkeit des Marktes auf sich ziehen. Einige Analysten rechnen mit einer Revision nach oben, nachdem in der Zwischenzeit veröffentlichte Daten darauf schließen lassen. Der ersten Schätzung zufolge erlitt die US-Wirtschaft zum Ende des letzten Jahres überraschend einen Schwächeanfall und schrumpfte erstmals seit dem Krisenjahr 2009. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich vorläufigen Daten zufolge aufs Jahr hochgerechnet um 0,1 Prozent.

Von

rtr

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