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10.11.2012

17:43 Uhr

Wall-Street-Ausblick

US-Anleger schauen in den Abgrund

Die Wahlen sind vorbei, nun beschäftigt das Tagesgeschäft die Anleger. Der Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern dürfte das Geschehen an den US-Börsen bestimmen. Es droht eine Krise, die Kurse schwanken.

Die Wall Street, Heimat der New York Stock Exchange AFP

Die Wall Street, Heimat der New York Stock Exchange

New YorkWegen der Angst vor der Fiskalklippe droht den US-Börsen auch in der kommenden Woche unruhiges Fahrwasser. Nach der Wiederwahl von Präsident Barack Obama rückt der seit Monaten schwelende Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern immer stärker in den Fokus der Anleger. Sie fürchten einen Rückfall in die Rezession, sollten sich die beiden Parteien im Kongress nicht bald auf einen Kompromiss einigen. Denn dann würden zum Jahreswechsel automatisch Steuererhöhungen und Einsparungen im Volumen von 600 Milliarden Dollar einsetzen, die nach Einschätzung von Experten die US-Wirtschaft in eine neue Krise manövrieren könnten.

Schon unmittelbar nachdem Obamas Wiederwahl am Mittwoch feststand, ging die Wall Street auf Tauchfahrt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete die Handelswoche mit einem Abschlag von 2,1 Prozent. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 2,4 Prozent - sein höchster Wochenverlust seit Juni. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor sogar 2,6 Prozent. „Es gibt zwar noch keinen Grund zur Panik, aber der Markt wird sich in den kommenden Monaten wohl eher nach unten bewegen“, sagte Analyst Frank Gretz vom Brokerhaus Wellington Shields & Co. „Ich denke, die nächste Rally wird eine Verkaufsrally sein.

Der S&P riss zum Ende der Woche wichtige Unterstützungslinien. Ein weiterer Rückgang könnte Experten zufolge eine neue Verkaufswelle auslösen. Hauptsorge der Investoren ist die drohenden Fiskalklippe („fiscal cliff“). Die Aussicht auf höhere Abgaben an den Fiskus nahmen die Anleger bereits zum Verkauf von Aktien zum Anlass, um ihre Steuerlast auf Wertpapierpositionen zu drücken.

„Man sollte meinen, dass die Szenarien der Fiskalklippe bereits eingepreist sind, aber das sind sie nicht. Es scheint vielmehr so zu sein, dass der Markt an einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidet und sich immer nur auf eine Sache konzentrieren kann“, sagte Natalie Trunow von Calvert Investment Management.

Auch die Einladung von Obama zu einem Spitzengespräch mit den Fraktionsspitzen beider Kongressparteien konnte die Anleger nicht beruhigen. Seine Forderungen schürten eher die Furcht, dass ein Kompromiss in weiter Ferne liegt. Sollte es aber doch anders kommen, rechnen Experten mit einem schnellen Stimmungsumschwung an den Börsen. „Wenn der Markt eine Lösung bei der Fiskalklippe oder der Schuldenkrise in Europa oder einem der anderen wirtschaftlichen Probleme vorausahnt, kann er auch leicht wieder durchstarten“, sagte Adam Sarhan von Sarhan Capital.

Dax-Ausblick: Eine Krise jagt die nächste

Dax-Ausblick

Eine Krise jagt die nächste

Amerikanische Fiskalklippe und europäische Schuldenkrise beschäftigen die Anleger.

So sorgten Nachrichten von den US-Konsumenten zum Wochenausklang für eine positive Überraschung. Ihre Stimmung ist so gut wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Der Index für das Verbrauchervertrauen im November stieg nach vorläufigen Berechnungen von Thomson Reuters und der Universität Michigan unerwartet kräftig auf 84,9 Zähler von 82,6 Punkten im Vormonat.

Davon profitieren könnten auch die Einzelhändler, von denen einige Branchengrößen wie Weltmarktführer Wal-Mart, Target und Home Depot in der kommenden ihre Quartalsbilanz vorlegen. Vor allem die Aussichten für das wichtige Weihnachtsgeschäft dürften die Anleger interessieren, sagte Rick Meckler von LibertyView Capital. Zumal die bisherige Berichtssaison in den USA eher mau verlief. Vor allem die Umsätze der Unternehmen waren enttäuschend. Nur 38 Prozent der 449 Konzerne des S&P-500, die bislang ihre Zahlen veröffentlicht haben, konnten die Markterwartungen übertreffen.

Staatspleiten sind die Regel

Argentinien

Jahr der Unabhängigkeit: 1816

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

*Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

Australien

Jahr der Unabhängigkeit: 1901

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Brasilien

Jahr der Unabhängigkeit: 1822

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

Deutschland

Jahr der Unabhängigkeit: 1618

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Finnland

Jahr der Unabhängigkeit: 1917

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Frankreich

Jahr der Unabhängigkeit: 943

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Griechenland

Jahr der Unabhängigkeit: 1829

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Großbritannien

Jahr der Unabhängigkeit: 1066

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Italien

Jahr der Unabhängigkeit: 1569

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Kolumbien

Jahr der Unabhängigkeit: 1819

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Mexiko

Jahr der Unabhängigkeit: 1821

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Niederlande

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Norwegen

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Österreich

Jahr der Unabhängigkeit: 1282

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Portugal

Jahr der Unabhängigkeit: 1139

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

Russland

Jahr der Unabhängigkeit: 1457

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Schweden

Jahr der Unabhängigkeit: 1523

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Spanien

Jahr der Unabhängigkeit: 1476

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

Türkei

Jahr der Unabhängigkeit: 1453

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

USA

Jahr der Unabhängigkeit: 1783

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: Als Folge der Wirtschaftskrise von 1837 stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein. Mehr als 100 Banken gingen in daraufhin Pleite. Knapp 150 Jahre schlingert die US-Wirtschaft wieder: Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die sofortige Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold, also die Aufhebung der Verpflichtung der USA, jederzeit Dollar in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Diese auch als Nixon-Schock bekannte Ankündigung bedeutete faktisch die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunwilligkeit, da die Aufhebung einseitig und unter Bruch bestehender Abmachungen (Bretton-Woods-System) erfolgte.

Venezuela

Jahr der Unabhängigkeit: 1830

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Von

rtr

Kommentare (19)

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nestle

10.11.2012, 18:37 Uhr

Warten wir auf die Fiskalklippe und dann den ökonomischen Tsunami in den USA, der den Rest der Welt erfassen dürfte!! Einige Monate, so im Sept 2013 dürfte es sich empfehlen, dann erstrangige Werte wie Coca-Cola aus den USA im Depot zu horten. Den Apfel haben bis dahin alle vergessen...nicht Technik ist wichtig sondern Überleben!

sciurus

10.11.2012, 18:52 Uhr

recht hast du

Account gelöscht!

10.11.2012, 19:27 Uhr

"Schon unmittelbar nachdem Obamas Wiederwahl am Mittwoch feststand, ging die Wall Street auf Tauchfahrt."
Nene, so war das nicht, erstmal hat sich der Markt gefreut, weil angeblich Obama ein Garant dafür sei, daß unverschämt viel Geld weiter gedruckt wird (erstmal ging die Börse erregiert nach oben).. Und weil Romney sich für das Sparen ausgesprochen hat, hat sich die gesamte Börse gegen die Republikaner den Krieg erklärt. "Die Republikaner hätten eine Klatsche bekommen, und nun sollten sie faire Verlierer sein und Obamas Gelddruckerei abnicken" ( obwohl Romney völlig dagegen war).
Nach der Errektion der Märkte bei der Wiederwahl hat man eingesehen, daß die Gegner Obamas auch ein Wörtchen mitzureden haben.. Auch wenn die Erpressersüchtigen Märkte versucht haben, die Republikaner Amerikas unter Druck zu setzen, so dämlich sind die Republikaner auch nicht..

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