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23.03.2014

18:53 Uhr

Wall-Street-Ausblick

US-Anleger schreckt Ende der Niedrigzinspolitik nicht

Unerwartet hatte Fed-Chefin Janet Yellen eine zügige Straffung der Geldpolitik angedeutet. Die US-Anleger hat das aber nicht nachhaltig erschüttert. Sie schauen nun insbesondere auf die Daten zum US-Verbrauchervertrauen.

Die neue Fed-Chefin Janet Yellen dämmt die Geldflut weiter ein. ap

Die neue Fed-Chefin Janet Yellen dämmt die Geldflut weiter ein.

New YorkKrim-Krise, Signale für höhere US-Zinsen, schwache Wirtschaftsdaten aus China – Aktienanleger mussten zuletzt einige schlechte Nachrichten verdauen. In der neuen Börsenwoche dürfte nach Meinung von Marktexperten wieder mehr Ruhe einkehren. Denn nachdem mit dem Referendum auf der Krim Fakten geschaffen wurden und eine befürchtete militärische Eskalation bislang ausblieb, ebbte die Nervosität an den Aktienmärkten merklich ab.

In den USA war die Spannung vor der ersten Pressekonferenz der neuen Fed-Chefin Janet Yellen groß gewesen. Zurecht, wie sich zeigen sollte. Denn Yellen kündigte nicht nur an, dass die Fed ihre monatlichen Geldspritzen zur Stärkung der Wirtschaft um weitere zehn auf 55 Milliarden Dollar verringern werde. Sie erklärte auch, dass die US-Notenbank nach einer „angemessenen Zeit“ darüber nachdenken werde, die Leitzinsen anzuheben.

Auf Nachfragen, was das denn heißen würde, sagte Yellen: „So was um sechs Monate“. Die Börsianer rechneten kurz durch: die aktuelle Sinkgeschwindigkeit der Anleihekäufe weitergeschrieben, und die Stimulierungsmaßnahmen der Fed laufen im vierten Quartal 2014 aus. Sechs Monate weiter, zweites Quartal 2015, und die Leitzinsen, derzeit festgenagelt zwischen null und 0,25 Prozent, dürften zu steigen beginnen.

Die Aussicht auf ein nahendes Ende der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank konnte die Anleger aber nicht nachhaltig verschrecken. Mit ihrer Erklärung sorgte Yellen jedenfalls nur kurzzeitig für Kursverluste. Auf Wochensicht stieg der amerikanische Leitindex Dow Jones um 1,4 Prozent und beendete den Handel am Freitag mit 16.302 Punkten.

„Unseres Erachtens wäre eine Zinserhöhung nicht das Ende der Welt, sondern eine Rückkehr zur Normalität, die für eine fortgesetzte fundamentale Erholung spricht“, heißt es bei der Weberbank. „Mit dieser Einschätzung einhergehend gab es konjunkturell, nach den zuletzt wetterbedingt schlechteren Zahlen, wieder positive Signale.“ Dieser grundsätzlich positiven Sicht der Dinge schließt sich US-Analyst Bucky Hellwig von BB&T Wealth Management an: „Der Trend ist günstig, solange er nicht durch die Weltpolitik oder schwache Daten aus dem In- oder Ausland durcheinandergewirbelt wird.“

Positive Konjunktursignale könnten die Börsen Experten zufolge auch in der neuen Woche antreiben. Investoren werden vor allem die Daten zum US-Verbrauchervertrauen und den Ifo-Konjunkturklimaindex im Blick behalten. In den vergangenen Wochen hatte die Krim-Krise zur Verunsicherung in den Chefetagen der Unternehmen beigetragen – Experten gehen deshalb von einem leichten Rückgang des Ifo-Index aus. Die ebenfalls mit Spannung erwarteten US-Auftragseingänge für langlebige Güter werden nach Meinung von Experten wieder zugelegt haben.

Die anstehenden Stimmungsindikatoren aus China könnten allerdings für eine negative Überraschung sorgen, sagt Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. In den beiden ersten Monaten des Jahres waren sowohl die Investitionen als auch der Einzelhandelsumsatz und die Industrieproduktion in der Volksrepublik so langsam gewachsen wie seit Jahren nicht mehr. Das hatte auf die Stimmung der Anleger weltweit gedrückt.

Von

rtr

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