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02.04.2011

16:04 Uhr

Wall Street-Ausblick

US-Börse vor Gipfelanstieg

Der US-Arbeitsmarkt lässt Börsianer träumen: Die New Yorker Börse könnte auf den höchsten Stand seit drei Jahren klettern. Immer mehr Anleger glauben, dass das Sorgenkind der Konjunkturerholung die Kurve kriegt.

Börsenhändler in New York. Die positiven Nachrichten aus der US-Wirtschaft häufen sich. Quelle: dpa

Börsenhändler in New York. Die positiven Nachrichten aus der US-Wirtschaft häufen sich.

Die New Yorker Börse steht vor dem Schlussanstieg auf einen Gipfel, den sie seit drei Jahren nicht mehr erreicht hat. Gibt ihr der Arbeitsmarkt genügend Schwung, kann sie die letzte Etappe bereits in der kommenden Woche zurücklegen - und dies trotz Atomkrise in Japan, Krieg in Libyen und Schuldenkrise in Europa.

Immer mehr US-Anleger sind der Überzeugung, dass der Arbeitsmarkt - das Sorgenkind der Konjunkturerholung - endlich die Kurve genommen hat. So stieg die Beschäftigung im März den zweiten Monat in Folge an, und die Arbeitslosenquote sank auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. „Die Zahlen sehen richtig gut aus“, sagt Jim Awad von Zephyr Management in New York. „Wir haben ein kräftiges und möglicherweise sich noch beschleunigendes Wirtschaftwachstum, die Gewinne steigen, die Bewertungen sind angemessen, es gibt Schwung, und das Fusions- und Übernahmekarussell dreht sich.“

Einziger Wermutstropfen für die Anleger dürfte sein, dass Zuviel des Guten die US-Notenbank auf den Plan rufen könnte. Die Federal Reserve pumpt zum Nutzen der Aktien- und Rohstoffmärkte Geld ins System, in dem sie die Zinsen niedrig hält und Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar kauft. Dieses Ankaufprogramm soll planmäßig im Juni auslaufen. Aber nur nach Plan, warnt Kenneth Polcari von Icap Corporates. Weil die Wirtschaftsdaten immer besser werden, werde die Fed jetzt sehr viel ernster ein vorzeitiges Ende des Ankaufprogamms erwägen.

Zudem mehren sich die Stimmen für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Die Europäische Zentralbank geht voraussichtlich bereits in der kommenden Woche voran und zieht die Zinszügel an.

Doch diese Befürchtungen dämpfte zuletzt der New Yorker Fed-Chef William Dudley. Er sehe keinen Grund für eine Kurswende, auch wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt entspannt. In der Hoffnung auf ähnlich beruhigende Äußerungen dürften die Anleger die in der kommenden Woche anstehenden Auftritte von Fed-Mitgliedern mit Spannung verfolgen: Den Auftakt macht am Montag Federal-Reserve-Bank-Chef Ben Bernanke persönlich, der Leiter der Fed von Richmond, Jeffrey Lacker, spricht am Donnerstag und sein Kollege aus Atlanta, Dennis Lockhart, plant gleich drei Reden im Verlauf der Woche. Sollten sich die Fed-Mitglieder optimistisch aber vorsichtig zeigen, dürfte das die Erwartungen einer baldigen Zinserhöhung wieder dämpfen.

Zuletzt wenig beeindruckt von den Krisen in anderen Teilen der Welt, scheinen sich die Anleger derzeit mit ihrem auf die USA fokussierten Blick zufrieden zu geben. Doch dies dürfte nur anhalten, wenn die Wirtschaftsentwicklung den jüngsten Erwartungen auch gerecht wird. „Zwei Monate der Verbesserung machen noch keinen Trend“, warnt Chad Morganlander von Stiefel Nicolaus & Co. „Die Investoren sollten vorsichtig sein.“ Hinweise auf die weitere Konjunkturentwicklung erhoffen sich die Anleger vor allem von den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag.

 

Von

rtr

/ New York

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