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28.10.2011

01:32 Uhr

Wall Street

Kräftige Gewinne an den US-Börsen

Die Euro-Beschlüsse, gute Firmenzahlen und US-Konjunkturdaten bringen Investoren in Hochstimmung. Die drei großen Indizes haben Kursgewinne von rund drei Prozent gezeigt. Eine Branche liegt dabei ganz vorn.

Die Wall Street ist in Hochstimmung dapd

Die Wall Street ist in Hochstimmung

New YorkDie Wall Street hat wie die europäischen Börsen am Donnerstag mit kräftigen Aufschlägen auf die Beschlüsse der Euro-Staaten zur Lösung der Schuldenkrise reagiert. Positive Zahlen amerikanischer Unternehmen und Konjunkturdaten sorgten zusätzlich für gute Stimmung in New York. Die US-Wirtschaft verdoppelte im dritten Quartal ihr Wachstumstempo. Dies dürfte die Sorgen dämpfen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession rutscht. Das Bruttoinlandsprodukt legte wie von Experten erwartet mit einer Jahresrate von 2,5 Prozent zu.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,9 Prozent höher auf 12.208 Punkten. Im Handelsverlauf bewegte sich das Marktbarometer zwischen 11.872 und 12.284 Zählern. Beim breit gefassten S&P-500-Index, der um noch deutlichere 3,43 Prozent auf 1.284 Punkte zulegte, sprachen Experten von der bisher stärksten Monats-Rally seit 1974. An der Technologiebörse Nasdaq ging es für den Composite-Index um 3,3 Prozent auf 2.738 Punkte hoch. Der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 2,8 Prozent auf 2.399 Punkte.

Sämtliche Indizes haben damit ihre Jahresverluste in der seit Tagen laufenden, kaum unterbrochenen Erholungsbewegung mehr als wettgemacht. Auch andere Börsen waren zuvor bereits von den Entscheidungen aus Brüssel beflügelt worden.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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In Frankfurt war der Dax zuvor mit einem satten Plus von 5,4 Prozent auf 6.338 Punkten aus dem Handel gegangen. Der Index für die europäischen Börsenschwergewichte, der Euro Stoxx 50, legte sogar um mehr als sechs Prozent auf rund 2.483 Punkte in der Spitze zu. Der japanischen Aktienmarkt hatte bereits mit einem kräftigen Plus reagiert. Der Nikkei-Index sprang am Donnerstag um zwei Prozent auf 8.926 Punkte. Damit wurde erstmals seit acht Wochen die psychologisch wichtige Marke von 8.900 Punkten geknackt. Der Euro sprang erstmals seit Anfang September wieder über die Marke von 1,41 Dollar

Börse Frankfurt am Abend

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Es bleibe zwar noch viel zu tun, aber dem Markt gefalle, was er höre, sagte Clem Chambers von der Finanzinformations-Internetseite ADVFN.com. Die Euro-Länder hatten in Brüssel bis in die frühen Morgenstunden um einen Ausweg aus der Schuldenmisere gerungen. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich unter anderem auf ein Rettungspaket für Griechenland inklusive eines 50-prozentigen Schuldenschnitts. Zudem verständigten sie sich auf eine Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF.

Die aktuellen Konjunkturdaten hellten zusätzlich die ohnehin gute Stimmung auf. Die US-Wirtschaft verdoppelte im dritten Quartal ihr Wachstumstempo. Dies dämpfte die Sorgen, dass die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession rutscht. Das Bruttoinlandsprodukt legte wie von Experten erwartet mit einer Jahresrate von 2,5 Prozent zu.

Der Tag an den Märkten (Stand: 17.30 Uhr)

Dax

+ 4,9 Prozent

Euro Stoxx 50

+ 5,7 Prozent

Dow Jones

+ 2,1 Prozent

Nikkei

+ 0,22 Prozent

CSI 300

+ 0,22 Prozent

Euro

1,4168 Dollar (+ 2,1 Prozent)

Öl (Brent)

112,43Dollar (+ 1,9 Prozent)

Gold

1.729 Dollar (+ 0,6 Prozent)

Vor allem die Finanzwerte zählten heute zu den großen Kursgewinnern. Die Aktien von JP Morgan sprangen gut acht Prozent in die Höhe, die Papiere von Citigroup knapp zehn Prozent.

Neben den für Erleichterung sorgenden Nachrichten aus Übersee konzentrierten sich die Anleger an der Wall Street aber auch auf die jüngsten Unternehmenszahlen von Börsen-Schwergewichten wie Exxon Mobil. Ein höherer Ölpreis und eine bessere Rendite des Raffineriegeschäfts bescherten dem Energieriesen ein kräftiges Gewinnplus im dritten Quartal. Die Dividendenpapiere legten ein Prozent zu.

Die Aktien des größten US-Chemiekonzerns Dow Chemical kletterten um mehr als acht Prozent. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Quartal mehr verdient.

Gegen die allgemeine Markttendenz brachen die Anteilsscheine des Kosmetikunternehmens Avon um mehr als 18 Prozent ein. Hintergrund des Kursrutsches sind Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC sowie ein Gewinneinbruch im dritten Quartal.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,43 Milliarden Aktien den Besitzer. 2.692 Werte legten zu, 369 gaben nach und 44 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,78 Milliarden Aktien 2.107 im Plus, 421 im Minus und 75 unverändert.

Was Devisenexperten zur Euro-Rettung sagen

Barclays

Aroop Chatterjee und Yuki Sakasai, Devisenstrategen bei Barclays: „Obwohl der Gipfel wichtige Schritte zum Umgang mit dem Ausmaß der Eurozonen-Krise gebracht hat, steckt der Teufel im Detail.“

„Möglicherweise wird am Markt das Gefühl zurückbleiben, dass im Kampf gegen die Krise zu wenig Unterstützung gewährt wurde. Einige Faktoren sind aus unserer Sicht positiv für den Euro. Doch sie beziehen sich alle auf die kurze Sicht und werden wohl nicht länger wirken als ein paar Monate.“

„Auf Sicht von drei Monaten bleiben wir bei unserer pessimistischen Sicht auf den Euro. Die Risiken für das Wachstum in der Eurozone dürften augenfälliger werden. Noch immer gibt es Umsetzungsrisiken und die Möglichkeit, dass Haushaltsziele verfehlt werden. Die Europäische Zentralbank könnte gezwungen werden, die Geldpolitik weiter zu lockern.“

Citigroup

Steve Englander und Todd Elmer, Devisenexperten bei der Citigroup: „Das Paket scheint auszureichen, um auf Sicht des nächsten Jahres - vielleicht auch länger - eine von der Eurozone hervorgerufene Finanzmarktkatastrophe zu vermeiden. Wahrscheinlich reicht es aber nicht aus, um die Wachstumsaussichten für die Eurozone deutlich zu verbessern. Es gibt noch viele ungelöste Probleme.“

„Wir bezweifeln, dass dieses Paket den Euro langfristig wird stützen können. Allerdings beobachten wir, dass es eine Menge überzeugter Dollar-Verkäufer gibt.“

Lloyds Bank

Charles Diebel, Marktstratege bei der Lloyds Bank: Die Politik hat natürlich ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt. Doch von einer kompletten Umsetzung seiner Teile sind wir mit Sicherheit noch weit entfernt. Immerhin ist mit der Ankündigung Zeit gewonnen und sie hat eine Phase moderaten Risikoappetits eingeleitet.“

Royal Bank of Scotland

Paul Robson, Devisenstratege bei der Royal Bank of Scotland: Im Zweifel für den Angeklagten - das scheint erst einmal die Sicht des Marktes auf das Paket zu sein. Dies wird die Verschlechterung an der Peripherie aber nicht unbedingt zum Stillstand bringen. Es gibt Bedenken zum Umfang der Stützungsmaßnahmen und dazu, wer tatsächlich Geld auf den Tisch legen wird. Dass es von der EZB kommt, ist ja ausgeschlossen worden. Die Politik hofft, dass die Internationale Gemeinschaft sich engagieren wird. Dies alles bleibt abzuwarten.“

Société Générale

Kit Juckes, Devisenanalyst bei Societe Generale: „Das erste Urteil ist positiv, wenn auch nur deshalb, dass die Erwartungen so gut gelenkt worden sind. Das längerfristige Urteil wird nicht vom Devisenmarkt kommen, sondern vom Bondmarkt.“

„Bei zehnjährigen Staatsanleihen Italiens liegt die Rendite hässlich nahe an sechs Prozent. Sie muss viel niedriger werden, bevor die Krise als eingegrenzt, geschweige denn als bewältigt gelten kann.“

UBS

Chris Walker, Devisenstratege bei der UBS: „Das wichtigste Ergebnis des Marathon-Gipfels der vergangenen Nacht ist die Einigung mit dem Bankenverband Institute of International Finance, in der freiwillig ein 50-prozentiger Schuldenschnitt akzeptiert wird. Damit wird die International Swaps & Derivatives Association aller Wahrscheinlichkeit nach entscheiden, dass dies kein Kreditereignis darstellt und keine Kreditausfallswaps ausgelöst werden.“

„In Bezug auf das Programm bleiben viele Zweifel. Die kurzfristige Reaktion des Marktes war indessen günstig. Kurzfristig werden risikoreichere Währungen wie der Euro wohl weiter Performance zeigen. Dennoch: Die EZB wird die Zinsen wahrscheinlich senken. Deshalb bleiben wir skeptisch, dass sich der Euro längerfristig auf dem derzeitigen Niveau halten kann.“

Kommentare (8)

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Olli

27.10.2011, 21:08 Uhr

Toll, nicht wahr! Da haben uns die Politiker eine beginnende Inflation eingebrockt, die an den Börsen beginnt. Solange das überflüssige Geld nur die Inflation der Kurse treibt, die Firmenwerte betreffen, und die Dummerchen dies als Gewinne werten, die inflationierten Kurse aber noch nicht die Rohstoffpreise betreffen, ja, solange mag das alles noch in Ordnung gehen. Jedoch läuft dies leider nicht so - im Gegenteil: Die geretteten Reichen kaufen mit irrealem Geld, das eigentlich nichts mehr wert ist, alle realen Güter auf, treiben mittels Rohstoffspekulation die Rohstoffpreise, die dann an die in den Fabriken von denselben Leuten arbeitenden Arbeiter und natürlich an alle anderen Marktteilnehmer mithilfe höherer Marktpreise weitergereicht werden, obwohl die Arbeiter in den Fabriken zuvor schon mehrfach ausgebeutet worden sind, wodurch sich die Eigentümer unglaubliches Eigentum haben erstehlen können.

Die Arbeiter haben nicht nur zu geringe Löhne erhalten, sie haben auch mehrfach Steuern und Abgaben bezahlt, haben überhöhte Preise (vieler Produkte und Dienstleistungen) berappen müssen, haben mittelst steuerlicher Abgaben die eigenen Arbeitsplätze finanziert (Industrieförderungen ...), haben wegen des geringen Lohnes für viele Anschaffungen Kredit aufnehmen müssen und Zinsen wie auch den Zinseszins an die reichen Anleger abgeführt, die erst durch die vormalige Lohnausbeutung das Kapital angehäuft haben, das die Arbeiter und Angestellten nun haben von denselben Leuten ausleihen können, deren Leben sie unaufhaltsam finanzieren und deren Produkte sie jetzt mit diesem geliehenen Geld kaufen. Zusätzlich finanzieren sie (die Arbeitenden!) das Leben aller Personenkreise, die sich aufgrund eines Beamtenverhältnisses ein relativ arbeitsloses Leben leisten.

www.steuerembargo.co.de

27.10.2011, 21:14 Uhr

Bei den Regierungs Presseorganen ist jetzt wieder "business as usual".
Aufgewacht ist da wohl keiner, umso intensiv wird es diese Species treffen!

Olli

27.10.2011, 21:19 Uhr

Nein, ich habe nicht die Hartz-IV-Arbeitslosen gemeint, von denen man behauptet, dass sie den Großteil der Budgetkosten verschlingen und gegen die man uns ständig hetzt, obwohl die erst von den Reichen entlassen worden sind. Ich habe auch nicht die Rentner gemeint, die sich ihren Ruhestand eher mit 60 als später verdient haben, und ich habe auch nicht die Kranken gemeint, die oft erst in den Fabriken, den Büros ... der Möchtegernelite durch Überarbeitung (sei sie geistiger oder körperlicher Natur) krank geworden sind.

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