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12.03.2014

13:30 Uhr

Wall Street

Renditejagd macht Börsenaufsicht stutzig

Gibt es Unregelmäßigkeiten bei der Zuteilung von Unternehmensanleihen? Das prüft die Börsenaufsicht SEC an der Wall Street. Kleine Vermögensverwalter könnten benachteiligt worden sein.

Mary Jo White, Vorsitzende der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), gibt die Richtung vor. AFP

Mary Jo White, Vorsitzende der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), gibt die Richtung vor.

FrankfurtIn den USA führt die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) Untersuchungen über mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Zuteilung von neuemittierten Unternehmensanleihen durch. Die Ermittlungen werfen ein Licht auf einen Nebeneffekt der Regulierung, die das Finanzsystem sicherer machen sollte.

Die 2010 veröffentlichten Regeln vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht und das vom US-Kongress verabschiedete Dodd-Frank-Gesetz veranlassten die Anleihehändler an der Wall Street, ihre Bestände an Anleihen zu verringern. Damit haben sie den Vermögensverwaltern im Sekundärmarkt weniger an Papieren zum Kauf anzubieten. Das könnte einen Anreiz schaffen, bei Neuemissionen Käufer zu bevorzugen, die große Volumina handeln.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Kleinere Vermögensverwalter, die weniger häufig handeln, sind hingegen oftmals von den Gewinnen, die bei Neuemissionen entstehen können, ausgeschlossen. Das stellte sich in Interviews mit mehr als einem Dutzend Anlagegesellschaften heraus. Die SEC ermittelt nun, wie die großen Investmentbanken Neuemissionen zuteilen und ob bestimmten Kunden eine Vorzugsbehandlung bekommen, wie eine mit den Vorgängen vertraute Person berichtete.

„Die Investoren werden nicht gleich behandelt”, sagt Jeffery Elswick, Direktor Festverzinsliche bei Frost Investment Advisors. „Uns hat ein Broker-Dealer gesagt, wir könnten leider nichts bekommen. Ein anderer sagte, solange wir nicht viel mehr Umsatz im Sekundärmarkt mit ihm machen würden, könnten wir kaum etwas bekommen.”

Diese Beschwerden sind nicht neu. Aber es geht inzwischen um mehr. Die beispiellosen Anreize der Zentralbanken haben die Renditen von Staatsanleihen auf Rekordtiefs sinken lassen und trieben Investoren in Papiere mit höheren Renditen. Die Jagd nach Rendite hat dazu beigetragen, dass seit Anfang 2009 Unternehmensanleihen im Volumen von 18,9 Billionen Dollar an den Markt kamen, wie Daten von Bloomberg zeigen.

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